Benedikt Seipel macht sich nichts vor. "Wir brauchen eine überdurchschnittlich gute Rückrunde", sagt der Trainer des 1. SC 1911 Heiligenstadt, der in der Oberliga NOFV-Süd mit seiner Mannschaft auf dem letzten Tabellenplatz in die Winterpause ging. Im November und Anfang Dezember hatte der Aufsteiger aus Thüringen jedoch mit vier Spielen in Folge ohne Niederlage ein kleines Ausrufezeichen im Kampf um den Klassenerhalt gesetzt und sechs seiner insgesamt bislang neun Punkte geholt.
"Wir haben uns an die Konkurrenz herangearbeitet und nachgewiesen, dass wir in der Oberliga angekommen sind. Das war in dieser Situation sehr viel wert, weil die Mannschaft jetzt weiß, dass wir eine realistische Chance haben, wenn wir im Training weiter hart arbeiten", erklärt Seipel.
Nur ein Sieg bislang
Und davon kann man ausgehen: Denn als der 39-Jährige, der bis zum Sommer als Co-Trainer beim Regionalligisten Hallescher FC tätig war, Mitte Oktober den 1. SC 1911 Heiligenstadt übernahm, erhöhte er gleich mal die Anzahl der wöchentlichen Trainingseinheiten von drei auf vier. Das Hauptaugenmerk galt dabei dem Defensivverhalten seiner Jungs, die aus den ersten acht Spielen nur zwei Punkte geholt hatten. "Mit 2,5 Gegentreffern pro Spiel war klar, wo wir den Hebel ansetzen müssen", begründet Seipel.
Mit einer schrittweise stabileren Defensive kamen in der Tat auch die erhofften Erfolgserlebnisse, selbst wenn der erste und bislang einzige Oberliga-Dreier in der Vereinsgeschichte bis zum vorletzten Hinrunden-Spieltag (3:2 gegen den VfL Halle) auf sich warten ließ.
Noch können sich die Heiligenstädter aber nichts dafür kaufen, dass der Trainerwechsel im zweiten Viertel der Saison zu besseren Werten in nahezu allen Statistiken führte. "Die Analyse hat gezeigt, dass wir in vielen Punkten weiter zulegen müssen, um nicht nur mit den Gegnern mitzuhalten, sondern die Spiele am Ende auch zu gewinnen. Das wäre der nächste Entwicklungsschritt", stellt Seipel fest. Er hat dabei auch Details wie unnötige Verwarnungen im Blick. "Der letzte Platz in der Fair-Play-Tabelle täuscht. Wir müssen einfach geschickter im Zweikampf sein und weniger beim Schiri reklamieren", sagt der Trainer.
Für mehr Torgefahr (15 Treffer sind Liga-Minuswert) wurden für die Rückrunde mit Stürmer Moritz Rupprecht (TSV Landsberg, Bayernliga) und Allrounder Johann von Breitenbuch (FC Eintracht Northeim, Landesliga Niedersachsen) zwei junge und groß gewachsene Spieler verpflichtet, die dem Schlusslicht nicht zuletzt auch mit ihrer Physis helfen sollen.
Spricht das dafür, dass Heiligenstadt unter Umständen künftig etwas mutiger auftreten wird? "Es geht um schnelles Umschalten und Geradlinigkeit im Spiel nach vorn, wobei die Basis das kompakte Verteidigen bleibt", sagt Seipel. Verzichten muss er dabei in den nächsten Wochen auf den etatmäßigen Kapitän Sebastian Möhlhenrich, der sich bei der unglücklichen 1:2-Niederlage kurz vor Weihnachten in Halberstadt einen Wadenbeinbruch zugezogen hat. "Das schmerzt sehr, weil Möhle immer vorweggegangen ist. Diese Lücke müssen die anderen Spieler jetzt ausfüllen", sagt der Trainer.
Zum ersten von vier Testspielen werden am 17. Januar die Regionalliga-Profis des FC Rot-Weiß Erfurt im Gesundbrunnenstadion in Heiligenstadt erwartet.