Es war die Schilderung der Realität in maximaler Klarheit. "Es ist alles andere als gut momentan. Es ist wenig, was du an technischen und taktischen Dingen trainieren kannst, weil der Platz im Arsch ist", sagt Trainer Stefan Leitl über den Schenckendorffplatz, das Trainingsareal seiner Profis, dem das Winterwetter zuletzt arg zugesetzt hat. Immerhin: Wenn Hertha BSC, das vor einer Verpflichtung des Ex-Wolfsburgers Josip Brekalo steht, am Sonntag Darmstadt 98 im Olympiastadion zu einem weichenstellenden Spiel empfängt, erwartet Leitl "einen sehr guten Platz".
Leitl: "Wir haben es weiter selbst in der Hand"
Nach zwei Unentschieden zum Rückrundenstart und insgesamt fünf sieglosen Spielen in Serie hat das Duell mit dem Klub, für den Leitl zwischen 2004 und 2007 als Spieler auflief, so etwas wie Endspiel-Charakter. "Sicherlich ist Druck drauf. Ich empfinde den Druck aber nicht als negativen Druck, sondern es ist positiver Druck, weil wir in einer Situation sind, in der wir es weiter selber in der Hand haben", erklärt der Coach. "Es ist wichtig, weiter an das zu glauben, was wir tun und wie wir es tun."
Er verspüre bei seinen Spielern "keine Anspannung oder Verkrampfung, sondern eine gewisse Wut" - weil die ersten 180 Rückrunden-Minuten gegen Tabellenführer Schalke (0:0) und beim Karlsruher SC (2:2) mindestens vier, eher sechs statt der erwirtschafteten zwei Punkte hätten einbringen müssen. "Wenn wir so Fußball spielen wie die letzten beiden Spiele, solltest du die Spiele gewinnen", betont Leitl. Er hat den Fokus in den vergangenen Trainingstagen verstärkt auf die Defensive gelegt, nachdem es in Karlsruhe und am vorletzten Hinrunden-Spieltag in Fürth (3:3) zu viele Sorglosigkeiten gegeben hatte. Grundsätzlich aber war er zuletzt mit vielem einverstanden: "Wir müssen uns gar nicht so sehr verändern, sondern in unseren Prinzipien bleiben."
Auf der Sechs deutet sich der Wechsel zu Klemens an
Für die Rolle als Vertreter des gelb-gesperrten Deyovaisio Zeefuik hat Julian Eitschberger gute Karten auf ein Startelf-Mandat. Das würde bedeuten, dass Linus Gechter in der Innenverteidigung bleibt und Leitl wie beim KSC auf Toni Leistner verzichtet. Auf der Doppel-Sechs deutet sich ein Wechsel von Kevin Sessa zu Pascal Klemens an, weil Leitl dessen Größenvorteile gegen einen physisch starken Gegner nutzen will. Der fünfte Heimsieg ist praktisch Pflicht, wenn Hertha im Aufstiegsrennen bleiben will. Aber negative Gedankenspiralen will Leitl nicht zulassen: "Wir sind in der Liga da, wo wir sein wollten, wir sind im Pokal-Viertelfinale. Wir haben es selbst in der Hand, wie wir den Rest der Saison gestalten." Der Sonntag ist eine wichtige Wegmarke.