In erster Linie hatte Merlin Polzins Mannschaft das umgesetzt, was der Trainer vorgegeben und in der Saisonvorbereitung trainiert hatte: sie war unangenehm und kompakt. Und Yussuf Poulsen, der sich das stabile, nach vorne hin aber lange überaus harmlose Treiben knapp 75 Minuten von der Bank aus angeschaut hatte, konstatierte: "Für mich kam unser Auftritt nicht überraschend, weil wir genau das umgesetzt haben, was wir trainiert haben. Wir haben in der Vorbereitung hart dafür gearbeitet, dass die Automatismen in der Defensive greifen."
Tatsächlich stand die neu formierte Dreierkette weitgehend stabil: Jordan Torunarigha steigerte sich gegenüber den bisherigen Tests und Warmed Omari bestätigte die jüngsten Eindrücke. Davor räumte die Doppelsechs mit Nicolas Capaldo und Nicolai Remberg resolut ab, offensichtlich aber war: Der Vorwärtsgang klemmte.
Zumindest so lange, bis Polzin seine Joker Poulsen und Jean-Luc Dompé für die Schlussviertelstunde gemeinsam ins Spiel brachte. Der Mittelstürmer und der Linksaußen hatten die letzten Vorbereitungswochen angeschlagen verpasst, aber eine Punktlandung hingelegt: Trainingseinstieg zur Wochenmitte, Kader-Comeback am Wochenende.
In Mönchengladbach reichte es für Einwechslungen - und ihre Jokereinsätze wecken Fantasien, dass der neu formierte HSV nicht nur widerspenstig im Verteidigen, sondern womöglich auch deutlich torgefährlicher sein kann, als es beim Comeback-Spiel am Sonntag über weite Strecken den Eindruck gemacht hat.
Poulsen ohne Vorwurf an Mikelbrencis: "Ich wäre auch hin"
Einmal, in der Schlussminute, hat der Aufsteiger sogar getroffen: William Mikelbrencis hatte einen verlängerten Ball von Poulsen unmittelbar vor der Torlinie und aus einer Abseitsposition heraus über die Linie gedrückt. Verschiedene TV-Einstellungen erwecken den Eindruck, dass der Ball auch ohne das Dazutun des eingewechselten Franzosen ins Tor getrudelt wäre.
Poulsen aber macht Mikelbrencis keinen Vorwurf: "Ich habe zu Willi direkt gesagt, dass ich in der Situation auch noch zum Ball gegangen wäre. Du weißt in dem Moment nicht, ob du im Abseits stehst, und auch nicht, ob der Ball reingeht. Es ist bitter, weil es der Lucky Punch in einem typischen 0:0-Spiel gewesen wäre, aber es überwiegt, dass wir ein gutes Auswärtsspiel gemacht haben."
Wie der neue Kapitän zeigt sich auch Polzin zufrieden mit dem Auftakt. Weil auch seiner Mannschaft nach holpriger Vorbereitung in gewisser Weise eine Punktlandung gelungen ist. "Es fühlt sich gut an, wie die Jungs die Schritte gegangen sind. Wir haben leidenschaftlich verteidigt, das hat mir gut gefallen."
Der HSV demonstrierte, dass er konkurrenzfähig sein kann, und Polzin weiß, dass noch weitere Entwicklungsschritte folgen müssen. "Der nächste Schritt muss sein, aus der Kompaktheit noch mehr Nadelstiche zu setzen."
Dompé und Poulsen deuteten an, dass sie für die gewünschten Nadelstiche sorgen können. Im brisanten Stadt-Derby am kommenden Freitag im Volkspark gegen St. Pauli dann womöglich schon wieder von Beginn an.