Es dauerte keine zwölf Minuten, da machte Fynn Schenten in der Bundesliga erstmals auf sich aufmerksam. Der gelernte Mittelstürmer, bei seinem Debüt von Lukas Kwasniok rechts außen aufgestellt, bekam den Ball auf jener rechten Seite und brachte ihn scharf an die Fünferkante. Dort scheiterte Jakub Kaminski jedoch am starken Diant Ramaj.
Da wäre er beinahe schon gewesen, der erste Scorerpunkt in der Bundesliga für den 18-Jährigen. Und das, obwohl seine prompte Nominierung für die Startelf durchaus etwas überraschend kam. Auch, wenn Kwasniok ihn schon im Test gegen den FC Lugano (2:1) in die Anfangsformation beorderte und anschließend lobte.
"Es fühlt sich wie im Traum an"
Dass Schenten in Heidenheim gleich von Beginn zu seinem ersten Einsatz im Seniorenfußball überhaupt kommen würde, hatte ihm der Coach bereits zwei Tage zuvor angekündigt. "Dadurch konnte ich mich darauf vorbereiten", erklärte der Youngster auf der Homepage des FC. Im Hotel sei er noch "sehr nervös" gewesen, doch jene Nervosität legte er beim Aufwärmen ab und zeigte anschließend ein unauffälliges Debüt über 62 Minuten (kicker-Note 4).
"Es fühlt sich wirklich wie im Traum an", schwärmte Schenten von einem "besonderen Tag" für ihn persönlich. "Leider wurde es kein Sieg, das wäre noch perfekt gewesen", ärgerte auch er sich ein wenig über das 2:2 auf der Ostalb. "Aber das Startelfdebüt ist außerordentlich und ich danke dem Coach für diese Möglichkeit." Dabei gab sich der Youngster durchaus selbstkritisch: "Ich weiß, dass ich noch mehr kann: mehr Abschlüsse, mehr Tiefenläufe, gefährlicher werden. Aber fürs Erste bin ich zufrieden."
„Bei Fynn wussten wir, was wir bekommen.“ (Lukas Kwasniok)
Das war auch sein Trainer mit dem Premieren-Auftritt. "Bei Fynn wussten wir, was wir bekommen", erklärte Kwasniok auf der Pressekonferenz in Heidenheim. "Er trainiert seit drei Wochen bei uns, ist in jeder Einheit engagiert und hat den Vorteil, dass er schon mit 18 Jahren eine gewisse Körperlichkeit mitbringt." Diese spielte der 1,89 Meter große Angreifer bislang vor allem in der UEFA Youth League aus, wo ihm fünf Treffer in vier Spielen gelangen.
Doch auch den Sprung zu den Profis, bei denen er vor der Winterpause gegen Union Berlin (0:1) erstmals im Kader stand, scheint Schenten bislang zu gelingen. "Er braucht nicht lange, um zu adaptieren, hat in diesen Trainingseinheiten schon dazugelernt und sich auch von den Stürmerkollegen etwas abgeschaut, wie er sich in Duellen behaupten kann", teilte Kwasniok seinen Eindruck aus den Einheiten.
Startelf-Kandidat durch Arbeitswillen
Schenten bringe neben seinem Tiefgang auch defensive Qualitäten mit. "Deswegen ist es ein Spieler, der von Beginn an auflaufen kann, weil er erst mal abarbeitet und sich nicht nur auf die offensiven Qualitäten verlässt, die ihn aber insgesamt zu einem sehr interessanten Spieler machen." Und zu einem dieser Spieler, die den Gegner nach Kwasnioks Vorstellung zunächst müde laufen, bevor die "Spielentscheider", wie allen voran Said El Mala, die Spiele von der Bank in die Kölner Richtung ziehen sollen.
"Ich liebe den Jungen", schloss Kwasniok seine Antwort über den Stürmer mit einem Lächeln im Gesicht ab. Und so dürften weitere Startelf-Einsätze Schentens im Laufe des zweiten Halbjahrs wohl deutlich weniger überraschen als das Startelf-Debüt in Heidenheim.