Drittes Heimspiel, dritter Sieg. Nach dem 2:1 gegen den FC Basel und dem 2:0 gegen den FC Utrecht folgte am gestrigen Abend ein 1:0 gegen RB Salzburg. Dazu noch der 3:1-Erfolg in Nizza, sowie die Auswärts-Remis in Bologna (1:1) und Pilsen (0:0) - der SC Freiburg spielt bislang eine eindrucksvolle Saison in der Europa League.
Als Fünfter befindet sich die Mannschaft von Julian Schuster weiterhin auf bestem Wege, sich ein direktes Achtelfinal-Ticket zu sichern. Und damit zwei zusätzliche Play-off-Partien im Februar zu sparen - denn das grundsätzliche Weiterkommen im Wettbewerb hat der SC nach sechs Spielen bereits gesichert. Zwei englische Wochen weniger, das hat Schuster bereits mehrfach als großen Anreiz bezeichnet, weil er bei aller Freude über die internationalen Auftritte die oft geringe Trainingszeit bedauert.
Unter der Woche intensiv an der Weiterentwicklung seiner Mannschaft zu arbeiten, das könnte ein Schlüssel sein, um auch in der Bundesliga wieder nachhaltig erfolgreicher zu werden. Die bisher 16 Punkte nach 13 Partien genügen auch den in den letzten Jahren durch hervorragende Arbeit gestiegenen eigenen Ansprüchen der Breisgauer nicht. Schon zwischen den abschließenden Ligaduellen mit Dortmund am Sonntag und Wolfsburg am folgenden Samstag kann Schuster wieder mehr Übungsinhalte einplanen, um einen versöhnlichen Abschluss vor der Weihnachtspause zu erreichen.
Dass die Chancen auf das Vermeiden der Europa-League-Play-offs gut stehen, hat der Sport-Club vor allem seiner defensiven Stabilität in diesem Wettbewerb zu verdanken. Erst drei Gegentore ließ der Verbund um Abwehrchef Matthias Ginter und Keeper Noah Atubolu in sechs Partien zu und hielt gegen Salzburg zum dritten Mal die erfreuliche Null.
Schuster: "Ich habe gesagt, dass ich heute viel Herz sehen will und das war da"
Unterm Strich ließ das Schuster-Team nur eine echte Torchance der Salzburger zu. Das war allerdings ein Hochkaräter. Nach einem starken Steilpass des Ex-Unioners Yorbe Vertessen drang der schnelle Edmund Baidoo in den Strafraum ein, ließ Philipp Lienhart aussteigen und brachte dann seine Mischung aus Abschluss und Querpass-Versuch auf Vertessen knapp nicht im Tor unter.
"Wir haben dann eigentlich nichts mehr zugelassen", zeigte sich Schuster vor allem mit dem Auftritt in der zweiten Hälfte zufrieden. "Natürlich wäre es schön gewesen, wenn wir das 2:0 machen. Aber, wenn du das nicht machst, musst du es weiterhin diszipliniert runterspielen. Deshalb ein großes Kompliment an die Mannschaft, wie sie das umgesetzt hat. Ich habe gesagt, dass ich heute viel Herz sehen will und das war da."
Die Führung hatte kurz nach der Pause Philipp Lienhart mit seinem ersten Treffer im 18. Europacup-Spiel besorgt. Die Stammkraft der österreichischen Nationalmannschaft lenkte gegen das Team aus seiner Heimat einen zuvor schon von zwei Gegenspielern abgefälschten Flachschuss von Niklas Beste nach einer kurz ausgespielten Ecke letztlich entscheidend in die Maschen.
In der 78. Minute stand der Innenverteidiger erneut im Fokus, weil er sich auf den Rasen setzte, kurz behandelt wurde und sich bei seiner Auswechslung an die linke Leiste fasste. Schon am Samstag, beim 1:2 in Heidenheim, war Lienhart wegen Leistenproblemen in der Halbzeit ausgewechselt worden und hatte nur am Mittwoch wieder mit der Mannschaft trainiert.
Bei Lienhart ist Schuster guter Dinge
Vor diesem Hintergrund verwunderte Lienharts erneutes Startelfmandat gegen Salzburg, zumal sein Einsatz gegen Dortmund am Sonntag wohl auch intern durch die trügerische Lage in der Liga als einen Tick wichtiger eingestuft werden dürfte. Durch den Ausfall von Top-Talent Max Rosenfelder (Muskelfaserriss) steht zwar der dritte Innenverteidiger nicht zur Verfügung, aber der dann auch für Lienhart eingewechselte Anthony Jung war bereit und auch das in dieser Saison noch nicht eingesetzte Verteidigertalent Bruno Ogbus saß auf der Bank.
Haben sich Schuster und Co. also zu hoch gepokert und eine Verschlimmerung von Lienharts Leistenproblemen riskiert? Nein, beteuerte Schuster auf Nachfrage. "Philipp ist ein erfahrener Spieler, der seinen Körper genau kennt. Vor dem Spiel war das Risiko überschaubar. Wir gehen auf keinen Fall Dinge ein, die fahrlässig wären, weil wir es uns nicht leisten können, Philipp länger zu verlieren", sagte Schuster und fügte wohl vor allem mit Blick auf die eigenen Fans an: "Vertraut uns da bitte, dass es ein schmaler Grat ist, wir es aber noch unter Kontrolle haben. Gegen Heidenheim musste er früher raus, diesmal hat es länger gereicht. Wenn die Entwicklung so weitergeht, kann er vielleicht gegen Dortmund noch länger spielen."
Entwarnung gab Schuster auch noch bei einem anderen medizinischen Thema. Maximilian Eggestein hatte in der 35. Minute im Luftduell mit Salzburg-Stürmer Peter Ratkov einen heftigen Ellbogenschlag ins Gesicht kassiert und daraufhin stark aus der Nase geblutet. Nach VAR-Eingriff korrigierte der insgesamt gute Schiedsrichter Elchin Masiyev seine Gelbe Karte völlig zurecht auf glatt Rot. Dieser frühe Feldverweis hat dem SC natürlich insgesamt geholfen, mit den nach vielen englischen Wochen gegen Jahresende naturgemäß nachlassenden Kräfte besser haushalten zu können.
Eggestein, neben Ginter der einzige Profi, der in allen 22 Pflichtspielen in der Startelf stand, gab sich nach recht kurzer Behandlung einmal mehr unverwüstlich und wurde nicht einmal vorzeitig ausgewechselt. Schuster geht nicht von einem Nasenbeinbruch auch und meinte, aber selbst dann gebe es ja mit Blick auf spezielle Schutzmasken Möglichkeiten, schnell wieder einsatzfähig zu sein.
Eggesteins Interview macht Schuster Sorgen
Ein bisschen Sorgen machte sich der Trainer um Eggestein zumindest rund um Mitternacht aber schon. "Ich war ein bisschen irritiert von seinem Interview bei RTL. Da hat er von Leipzig als Gegner gesprochen und davon, dass wir im neuen Jahr noch zwei Spiele haben. Deshalb hoffe ich, dass er nicht irgendwie eine Gehirnerschütterung hat, sondern einfach nur körperlich am Ende war."
Erschöpfung war auch bei anderen Freiburger Akteuren zu beobachten. Schuster weiß darum, will aber noch ein letztes Mal vor der nahenden Pause die Kräfte bündeln: "Man sieht und spürt, dass die Jungs so langsam an die Kante kommen. Aber ich lasse nicht zu, dass wir über Müdigkeit oder sonst irgendwas reden, sondern wir müssen jetzt ganz eng zusammenbleiben. Alle müssen investieren für diese zwei Spiele, dass wir da noch mal gute Leistungen abrufen können." In der Bundesliga hat der SC eben noch Boden gutzumachen - ganz anders als in der Europa League.