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"Igendwann musst du dir Gedanken machen": Frank Schmidt im exklusiven Interview

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Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Seit 2007 steht Frank Schmidt in Heidenheim als Trainer an der Seitenlinie und führte den Klub seitdem von der Fünftklassigkeit bis in die Bundesliga. Nach einer langen Saison hat der 1. FC Heidenheim nun die Chance, am 34. Spieltag auf den Relegationsplatz zu springen. Der FCH braucht einen Sieg gegen Mainz 05 – und gleichzeitig Schützenhilfe von einem anderen Platz.

Im exklusiven Interview mit DAZN spricht der Heidenheimer Chefcoach über die mentale Wende in den letzten Wochen, über die Initialzündung im Spiel gegen Leverkusen und darüber, warum er fest daran glaubt, dass sein Karma-Konto prall gefüllt ist. Eines macht Schmidt dabei unmissverständlich klar: Solange der Schlusspfiff nicht ertönt, ist in Heidenheim noch lange nicht Schluss.


"Wir drehen den Spieß um"

⬇️ Frank Schmidt im DAZN-Interview über die Wende im Abstiegskampf ⬇️


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Heidenheim-Coach Frank Schmidt exklusiv: Alle Aussagen zum Nachlesen

Frank Schmidt über ...

... die Stimmung in Heidenheim vor dem alles entscheidenden Spiel 

Um ehrlich zu sein, ich war nicht in der Stadt, daher kann ich es nicht sagen. Es ist eine kurze Woche, denn wir haben Sonntag gespielt und entsprechend liegt der Fokus direkt auf der Vorbereitung auf Mainz. Wir hatten diese Woche auch kein öffentliches Training, weil alles Schlag auf Schlag ging. Trotzdem gehe ich davon aus – weil ich die Menschen hier kenne –, dass die Stimmung gut ist. Ich glaube, alle freuen sich, dass es endlich wieder um etwas geht. Diesen Zustand haben wir uns in den letzten Wochen wieder erarbeitet. Deswegen: Der Schlossberg wird brodeln.  

... die Anspannung vor dem letzten Spieltag 

Tatsächlich nicht, um ehrlich zu sein. Man lernt ja dazu und entwickelt sich weiter. Ich finde, wir haben für uns einen guten Weg gefunden, nach so vielen Negativerlebnissen und Ergebnissen auch mit der nötigen Entspannung mit der Situation umzugehen. Es war mit Sicherheit eine sehr schwierige Saison. Sie hat auch wehgetan, nicht nur uns, sondern auch unseren Fans, weil wir eine lange Durststrecke hatten und lange Zeit auf dem letzten Tabellenplatz standen. Irgendwann musst du dir Gedanken machen: Wie wollen wir aus dieser Saison rauskommen? Und dann haben wir das auch offen und ehrlich angesprochen vor acht oder neun Spieltagen, dass es schwerfällt, daran zu glauben, den Klassenerhalt noch zu schaffen. Danach haben wir einfach versucht, mit Spaß und Freude, aber auch mit der Erkenntnis, in jedem Spiel – egal, ob es um etwas geht oder nicht – auf Sieg zu spielen. 

Das ist uns in den letzten Wochen definitiv besser gelungen. Und dafür gibt es natürlich nicht den einen, sondern mehrere Gründe. 

... seine Erinnerungen an Entscheidungsspiele 

Tatsächlich, vor allem als ich noch Spieler war. Beim Aufstieg aus der Verbandsliga in die Oberliga: Wir lagen zwei Spieltage vor Schluss vier Punkte hinten und haben dann in Ditzingen gespielt, wollten unbedingt gewinnen – und ich habe selbst noch einen Elfmeter verschossen. In dem Moment habe ich das nicht verstanden und konnte mich auch nicht freuen. Aber dadurch hat Ditzingen nicht verloren und hatte überhaupt erst noch die Möglichkeit, die Klasse zu halten. Dafür mussten sie am nächsten Spieltag den Tabellenführer schlagen, was wiederum uns geholfen hat, um dann tatsächlich noch aufsteigen zu können. Auch das war zwei Spieltage vor Schluss – das werde ich nie vergessen. 

Es gibt viele solcher Geschichten, nicht nur positive, sondern auch welche, bei denen es am Ende nicht ganz gereicht hat. Aber in der Mehrzahl hatten wir ein glückliches Ende für uns – vielleicht auch das Glück des Tüchtigen. Und darauf setzen wir auch diesmal. 

Frank Schmidt 1. FC Heidenheim Bundesliga 17032023

... das entscheidende Spiel um den Aufstieg in die Bundesliga 

Ja, auch das vergisst man sein ganzes Leben nicht, das ist klar. Wenn du weißt, du musst dieses Spiel gewinnen, um direkt in die Bundesliga aufzusteigen, und es steht in der 90. Minute 2:1 für Regensburg – ich weiß noch genau, wie Niki Beste ans Spielfeld kam und sehr enttäuscht war, es nicht geschafft zu haben. 

Ich habe ihm dann gesagt: Niki, es gibt noch mindestens zehn Minuten Nachspielzeit. Und ich glaube, vier Minuten später macht genau dieser Spieler, der gerade draußen war und deprimiert ist, den Elfmeter zum 2:2. 
Es ist immer eine Frage der Haltung, es ist immer eine Frage positiver Gedanken. Und ich bin davon überzeugt, dass uns das jetzt am letzten Spieltag auch helfen kann. 

... die Relegation in Elversberg 

Ja, man darf nicht vergessen: So eine Relegation sind vier Halbzeiten. Nach der ersten Halbzeit lagen wir 2:0 hinten, auch da waren wir im Prinzip abgestiegen. Wir haben es dann in der zweiten Halbzeit mit einer tollen Aufholjagd und einem starken Spiel geschafft, zumindest noch das 2:2 zu machen, was bedeutet hat, dass für das Rückspiel alles offen ist. Wir gehen in Führung in Elversberg, bekommen den Ausgleich, und am Ende war klar, dass wir bis zum Schluss fokussiert bleiben müssen und den Fokus an der richtigen Stelle haben.  

Gerade in solchen Spielen, wie überhaupt in einer ganzen Saison, sind es oft die letzten Momente, die entscheidend sind. Wir haben in der zweiten Halbzeit offensiv nicht das beste Spiel gemacht, zwar gut verteidigt, aber in der letzten Aktion waren wir dann da: Budo Zivzivadze lässt auf Paul Wanner klatschen, Paul Wanner spielt in die Tiefe auf Leo Scienza, der dann ins Eins-gegen-eins geht und das Tor macht. Das vergisst man nicht. 
Es zeigt einfach, dass es sich lohnt, bis zum Schluss an alles zu glauben und dabei fokussiert zu bleiben. Und das werden wir gegen Mainz auch wieder versuchen. 

... seine Erfahrungen und Erkenntnisse im Auf- und Abstiegskampf 

Also, Niederlage kann man eigentlich nicht sagen, weil wir zweimal unentschieden gegen Bremen gespielt haben. Ich gehe noch weiter zurück: In dem Jahr, bevor wir in die zweite Bundesliga aufgestiegen sind, haben wir am vorletzten Spieltag in Saarbrücken gewonnen und standen auf dem Aufstiegsrelegationsplatz. Dann war klar, dass wir am letzten Spieltag gegen Kickers Offenbach spielen, die schon abgestiegen waren. Jeder dachte, gut, für die geht es um nichts mehr, das werden wir schon gewinnen. Am Ende steht nach 95 Minuten ein 0:0 – keine Relegation, die Saison ist beendet.

Ein Jahr später haben wir es dann geschafft. Aber gerade solche Spiele helfen auch jetzt in der Vorbereitung auf Mainz. Offenbach und Mainz liegen gar nicht so weit auseinander: Auch wenn es für die Mainzer „nur“ noch um den abschließenden Tabellenplatz geht, werden sie uns nichts schenken. Sie haben eine hohe Qualität in ihrer Mannschaft und sich das in der Rückrunde unter Urs Fischer erarbeitet. 
Deswegen liegt es an unserer Leistung, wie wir es schaffen, Mainz zu besiegen. Wir brauchen Geduld, wir brauchen einen sehr guten Tag, aber wir glauben daran, dass wir unsere Stärken aus den letzten Wochen in dieses Spiel mitnehmen können. 

... die Stärken seiner Mannschaft 

Ja, wenn du regelmäßig die Fehler machst, die wir gemacht haben, ist es schwierig, wieder auf die richtige Spur zu kommen. Wir hatten viele Spiele, in denen die Leistung nicht schlechter war als in den letzten Partien. Aber wir führen gegen Köln, machen eine tolle erste Halbzeit im Heimspiel im Januar, haben die großen Chancen zum 3:1 – und kurz nach der Pause laden wir den Gegner zum 2:2 ein. In Dortmund führen wir in der zweiten Halbzeit 2:1, haben die Riesenchance zum 3:1 und verlieren am Ende noch 3:2. 

Da sind wir uns ein Stück weit selbst im Weg gewesen, weil vielleicht die letzte Konsequenz und der letzte Fokus gefehlt haben. Und mit jedem Spiel, das du nicht gewinnst, wirst du noch mehr damit konfrontiert. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich gesagt habe: Jetzt drehen wir den Spieß um. Jetzt lassen wir das große Ganze kurz weg und schauen nicht mehr darauf, was alles passieren muss, sondern konzentrieren uns darauf, wieder ein Spiel zu gewinnen. Wir müssen zurück zum Spaß und weg von einer gewissen Angst vor Fehlern. 

Das hat man gespürt – vieles hat sich im Kopf abgespielt. Und dann kam dieser Moment gegen Leverkusen: 0:2 zurück, 2:2 gemacht, Schick trifft zum 3:2, Pieringer macht das 3:3 – wir waren wieder da. Das war so eine Initialzündung, die man im Fußball, aber auch im Leben manchmal braucht, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Wir sind schließlich Menschen und keine Maschinen. 

... sein Karma 

Prall gefüllt, wie immer. Nein, um ehrlich zu sein: Gestern war ja Vatertag, und meine Kinder hatten Nachtdienst im Klinikum. Ich habe sie nicht gesehen, aber sie haben mir wirklich etwas Schönes geschrieben – fast schon ein bisschen zu schön dargestellt. 

Da habe ich gesagt: Ich bin nicht perfekt, wir sind nicht perfekt. Auch ich mache jeden Tag Fehler – aber es sind Fehler aus Leidenschaft, Fehler, weil man manchmal auch übermotiviert ist und zu viel will, weil die eigenen Erwartungen zu hoch sind.

Trotzdem versuche ich jeden Tag, eine gute Tat zu machen. So denken wir als Familie, so handle ich als Mensch, und deswegen glaube ich, dass es gefüllt ist. Aber ich will mich nicht als besseren Menschen darstellen als andere. 

... über das Erreichte mit Heidenheim und das anstehende "Endspiel"

Naja, ich bin keiner, der gern zurückblickt oder ständig an das Erreichte denkt und sich dann – oder wir uns – auf die Schulter klopfen. Um ehrlich zu sein: Was mich antreibt, ist der Wettkampf. Was uns antreibt, ist der Wettkampf. Und der hält für uns bereit, dass wir ein Endspiel haben. 

Zwar kein Endspiel gegen einen Gegner, bei dem nur Sieg oder Niederlage zählt, sondern eines, bei dem es auch darauf ankommt, was auf einem anderen Platz passiert. Aber der Gedanke, es noch schaffen zu können und auch nächstes Jahr mit Heidenheim Bundesliga zu spielen, treibt mich an, treibt uns an.

Deswegen werden wir alles geben, um diesen Traum – auch im vierten Jahr Bundesliga zu spielen – doch noch zu erreichen.