So richtig angefressen reagierte Christian Ilzer nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg nur auf eine spezielle Szene angesprochen: "Diese Situation hat der Schiedsrichter sehr schlecht beurteilt, weil das ein glasklarer Elfmeter war", haderte der Österreicher mit den Bildern, die zeigen, dass Wolfsburgs Lindström Bazoumana Touré unabsichtlich, aber klar zu Fall bringt: "Er tritt Bazou auf die rechte Ferse, das hätte uns natürlich schon geholfen."
Gerade gegen einen Gegner, der sich derart verbarrikadiert wie die abstiegsbedrohten Wölfe "hätte ein frühes Tor gutgetan", betonte Grischa Prömel, dem immerhin noch der späte Ausgleich gelungen war. "Für sie geht es ums Überleben, sie haben sich in alles reingehauen, wir müssen uns vorwerfen, dass wir nur ein Tor aus diesen Chancen machen."
So ließ Hoffenheim im Endspurt um die Plätze in der Champions League erneut wertvolle Punkte liegen. Dennoch gab sich Ilzer nach dem 50. Ligaspiel seit seinem Amtsantritt keineswegs unzufrieden. "Den Punkt nehmen wir dann auch gerne mit, man hat solche Spiele auch schon verloren", erinnert der Österreicher, "die Leistung war über weite Strecken in Ordnung. Wir sind auf einem guten Weg, genauso machen wir weiter. Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht, trotzdem bleibt ein ähnliches Gefühl wie nach dem 0:1 gegen St. Pauli."
"Einen tiefen Block zu bespielen, ist eine der größten Künste"
Das abzuschütteln und sich nicht runterziehen zu lassen, darauf komme es jetzt an. "Wir müssen aufpassen, nicht in eine Frustrationsfalle zu geraten und zu selbstkritisch zu sein", mahnt der 48-Jährige, "wir wissen, woher wir kommen, wir haben uns zu einer richtig guten Mannschaft entwickelt. Wer hätte anfangs der Saison gedacht, dass wir so dominant sind gegen Wolfsburg mit fast 70 Prozent Ballbesitz. Der Weg stimmt absolut, dazu gehört eine gewisse Lockerheit, wir hatten Phasen, in denen es sehr leicht war, aktuell ist es ein bisschen schwieriger."
Was auch an den jüngsten Gegnern liegen mag. "Einen tiefen Block zu bespielen, ist eine der größten Künste, das zeichnet die ganz großen Mannschaften aus", doziert Ilzer und drängt seine Mannschaft, solche Mannschaften "noch mehr aus der Balance zu bringen, noch schärfer im Gegenpressing zu sein und noch mehr unvorhersehbare Momente zu erzeugen."
"Der Kopf ist das aller spannendste Thema"
Aber auch die Psyche scheint im Saisonendspurt eine Rolle zu spielen. "Das Spiel im letzten Drittel ist ein extrem spannendes Thema, und natürlich ist der Kopf eines jeden einzelnen Spielers das aller spannendste Thema", weiß Ilzer, "es gehört eine gewisse Lockerheit und Risikobereitschaft dazu, im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen zu treffen."
Diese Leichtigkeit scheint der TSG etwas abhandengekommen zu sein. "Vielleicht ist es schon ein bisschen der mentale Faktor, dass der Erwartungsdruck gestiegen ist, gerade gegen Gegner, die im unteren Bereich der Tabelle sind", ahnt Ilzer, "aber damit umzugehen, gehört am Ende auch dazu, wenn du top sein willst. Die Tabelle holt dir keine Punkte."
"Einen siebten Platz wird keine erinnern"
Auch mit den verspielten Punkten oder mit den unglücklichen Spielverläufen zu hadern, sei sinnfrei. "Da können wir wie eine Katze versuchen, uns in den eigenen Schwanz zu beißen, das bringt am Ende nichts", rät der Cheftrainer und wählt den rein inhaltlichen Ansatz, "es geht darum, die Leistung zu bewerten und zu erkennen, wo wir uns verbessern können." Und für ein gelungenes Saisonfinale die Stärken zu betonen. "Wir haben eine super Gruppe, eine gute Kabine", so Ilzer, "wir wollen uns in Erinnerung behalten, einen siebten oder achten Platz wird keiner erinnern …"