Anlauf Nummer vier durch PSG
Die Champions League und ihre Premiere, da denken wahrscheinlich einige jetzt an den Namen Real Madrid. Doch die Königlichen waren 1992/93 in der ersten Ausgabe nach dem Europapokal der Landesmeister gar nicht dabei, weil es damals trotz neuem Glanz immer noch um die Landesmeister ging.
Der erste Champions-League-Sieger überhaupt kam tatsächlich aus Frankreich. Olympique Marseille. Als unter der Regentschaft des inzwischen verstorbenen Präsidenten Bernard Tapie wegen eines Bestechungsskandals national bereits alles in die Brüche ging, schwang sich die Mannschaft um Weltmeister Rudi Völler gegen den Favoriten AC Mailand trotzdem noch zum Premieren-Triumphator auf. Und das in München, natürlich noch im Olympiastadion.
Deschamps und Tuchel verlieren
Seit der Premiere am 26. Mai 1993 und dem Kopfballtor des Basile Boli kam kein weiterer französischer CL-Sieger hinzu. 2003/04 führte der junge Didier Deschamps auf seiner ersten Trainerstation die AS Monaco ins Außenseiter-Finale gegen José Mourinhos FC Porto, auch das auf deutschem Boden. Nicht in München, sondern auf Schalke unterlagen die Monegassen um Patrice Evra, Dado Prso oder Fernando Morientes dem "Special One" jedoch mit 0:3.
Anschließend wurde es auf der größten europäischen Bühne lange Zeit still um die Franzosen, die wie die Niederländer oder die Portugiesen allmählich abgehängt wurden. Selbst das Olympique Lyon der 2000er Jahre kam dem Henkelpott nicht sonderlich nahe. Erst das große Geld aus dem nahen Osten veränderte ein paar Vorzeichen - und beflügelte Paris Saint-Germain.
In der "Corona-Saison" 2019/20 ging es für das von Thomas Tuchel trainierte Star-Ensemble um Neymar oder Kylian Mbappé bis in das Endspiel von Lissabon, wo der FC Bayern München wartete. Auch die Franzosen hatten Chancen, Mbappé hätte einen Elfmeter kriegen müssen - doch am Ende blieb wieder nur die Silbermedaille. 0:1 - so hatte 1976 schon die AS Saint-Etienne das Landesmeister-Endspiel unglücklich gegen die Bayern verloren.
Nennenswerte Tradition erreichte das moderne PSG zuletzt primär durch sein wiederholtes Scheitern in der Königsklasse, die Namen der Trainer an der Seitenlinie oder der Stars auf dem Feld schienen dabei keine Rolle zu spielen. 2024/25 aber, mit spürbar veränderter Herangehensweise unter Chefcoach Luis Enrique, könnte es anders kommen.
Fünf Jahre nach seinem ersten CL-Finale ist Paris bei den Buchmachern der Favorit darauf, 32 Jahre nach Marseilles Premiere Frankreichs zweiter CL-Sieger zu werden. Am Samstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) geht es zwar gegen Inter Mailand, nicht gegen den FC Bayern, was möglicherweise ein gutes Omen ist. Aber das Spiel, und das ist vielleicht noch besser, steigt in München. Wenn auch in der Allianz-Arena.