Im Sommer wurde es einmal mehr allzu sichtbar. Mit der Klub-WM kratzten die Teilnehmer am maximal bewältigbaren Pensum. So absolvierte Real Madrid in der abgelaufenen Spielzeit 68 Pflichtspiele; neben den Verpflichtungen für den Klub können hierzu für die Top-Spieler noch zahlreiche Länderspiele dazukommen - 76 Einsätze standen schließlich für Fede Valverde in 2024/25 zu Buche. Kein Wunder, dass die hohe Belastung der Spieler im modernen Fußball immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen steht.
Schließlich ist auch im Hinblick auf die nahe Zukunft keine Abkehr von der Termin-Hatz zu erwarten, steht doch die neue WM mit 48 Nationen schon vor der Tür. Damit jedoch noch nicht genug: In der Schublade der FIFA liegen bereits neue Pläne für die Klub-WM mit einer Erweiterung auf 48 Teams sowie einer Austragung im Zwei-Jahres-Zyklus. Eine von vielen Experten empfohlene Sommerpause von vier Wochen ohne Verpflichtungen rückt in weite Ferne.
Sorgen um die Premier League
Umstände, die den Geschäftsführer der Premier League Richard Masters nötigten, bei der Leaders Week in London deutliche Kritik am Weltverband zu äußern. "Wir sind der Meinung, dass sich das ändern muss. Wir glauben, dass der nationale Fußball bei diesen Veränderungen mitreden muss", betonte Masters. Stattdessen sieht der Engländer aktuell jedoch die nationalen Ligen im "Kampf" mit der FIFA um die Aufmerksamkeit der Fans und die Einsatzzeiten der Spieler. "Wir haben unsere Differenzen mit der FIFA aufgrund der mangelnden Rücksprache."
So schickte er einen deutlichen Appell nach Zürich: "Der Kalender ist voll", weiter fügte er an: "Natürlich geht es auch um das Wohlergehen der Spieler, aber im Wesentlichen handelt es sich um einen Kampf um die Grundlagen des Fußballs - nämlich die Spieler und den Platz im Kalender." Deshalb sieht er sich in seiner Funktion in der Verantwortung, die Premier League zu schützen.
"Wir möchten, dass alle unsere Eigentümer und Manager morgens mit einer Priorität aufwachen: nämlich in der Premier League zu gewinnen oder erfolgreich zu sein", beteuerte Masters, der fürchtet, dass aufgrund der vielen Wettbewerbe zukünftig häufiger Spieler am Wochenende geschont werden müssen. Eine weitere Auswirkung, wie Masters erklärte, sei in dieser Saison ein späterer Start der Premier League als geplant. Dadurch müsse die ohnehin schon kurze Winterpause weiter beschnitten werden, zudem wurde der englische Fußballverband gebeten, die Wiederholungsspiele in den Pokalen abzuschaffen.
Spielergewerkschaft FIFPro warnt
"Das ist keine bewusste Entscheidung", beschwerte er sich. Vielmehr sieht Masters einen Schmetterlingseffekt durch Funktionäre, die "Entscheidungen über die Zukunft des Fußballs treffen und die Ligen aus diesen Gesprächen ausschließen." Dabei wollte er allerdings ausdrücklich betonen, die UEFA sei von der Kritik ausgenommen: "Die UEFA konsultiert die europäischen Ligen und die Premier League", bekräftigte Masters.
Bei aller berechtigter Kritik muss jedoch auch festgehalten werden, dass auch die Premier League ihren Teil zu der hohen Belastung der Spieler beiträgt. So trägt die Liga seit 2003 beispielsweise in der Vorbereitung Freundschaftsturniere im Ausland - zumeist in Asien und Nordamerika - aus.
Neben Masters hatte zuletzt auch die Spielergewerkschaft FIFPro im Rahmen ihres Saisonberichts zur Arbeitsbelastung 2024/25 eine deutliche Warnung an den Weltfußball geschickt. "Die unerbittliche Ausweitung von sich überlappenden Wettbewerben führt zu beispiellosen Anforderungen und setzt die Gesundheit und das Wohlbefinden der Spieler einem wachsenden Risiko aus", hieß es im Bericht. Des Weiteren betonte der Präsident der Spielergewerkschaft Sergio Marchi die "dringende Notwendigkeit ausgewogenerer Wettkampfkalender in Verbindung mit der Umsetzung von Mindestschutzvorschriften, geschützten Ruhe- und Erholungsphasen".