Im blau-weißen Teil von Linz wünschen sich wohl viele den Mai 2025 zurück. Das Abstiegsgespenst war dank der Meistergruppen-Teilnahme schon seit Monaten vertrieben, Ronivaldo nahm unter Freudentränen die Trophäe für den Torschützenkönig entgegen. Kein Jahr später haben sich die Vorzeichen geändert: Nach Scheiblehners Abgang zu den Grasshoppers im Sommer brauchte das Team von Nachfolger Mitja Mörec fünf Spieltage, bis es überhaupt ins gegnerische Tor traf. Der Klub ist Abstiegskandidat Nummer eins.
Schlüsselspieler: Simon Seidl
Im Pool bzw. der Donau des Unterdurchschnittlichen schwimmt bei Blau-Weiß nur Simon Seidl oben auf. Der vielseitig einsetzbare Offensivmann war an 50% der Linzer Treffer im Grunddurchgang beteiligt und hebt sich mit einer kicker-Durchschnittsnote von 3,18 deutlich vom Team-Durchschnitt (3,46) ab. In Linz steht der 23-Jährige noch bis 2027 unter Vertrag. Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass Seidl im Falle eines Abstiegs ebenso den Gang in die 2. Liga antritt.
Moment des Grunddurchgangs: Assistgeber Anderson out
Der September endete für Blau-Weiß Linz mit einer Hiobsbotschaft: Anderson zog sich im Training einen Kreuzbandriss zu, erst im Sommer hatte der Brasilianer bis 2028 verlängert. In der Saison 2024/25 glänzte der mittlerweile 28-Jährige auf der rechten Seite als Vorlagengeber - und leistete vor allem Ronivaldo Schützenhilfe auf seinem Weg zur Torjägerkrone.Auch die aktuelle Spielzeit begann für Anderson mit einer ordentlichen Quote: zwei Assists in sechs Partien. Ein adäquater Ersatz hat sich seither nicht aufgedrängt. In Abwesenheit des Flügelspielers kommt auch Ronivaldo (drei Tore in 19 Ligaspielen) nicht auf Touren. Kleinere Verletzungen und mangelnde Spielpraxis tun ihr Übriges.
Spruch des Grunddurchgangs:
„Es ist schon eine Herausforderung, einem erfolgreichen Trainer nachzufolgen.“ (Mitja Mörec (43) im bundesliga.at-Interview im Oktober)
Transferbilanz
Viel war im Fluss an der Donaulände im Sommertransferfenster. An Leistungsträgern musste Blau-Weiß Stammtorhüter Radek Vitek und Innenverteidiger Soumaila Diabate ziehen lassen. Beide kehrten nach Ende ihrer Leihe zu den Stammvereinen Manchester United und Red Bull Salzburg zurück. Viteks tschechischer Landsmann Viktor Baier sollte die Lücke zwischen den Pfosten schließen. Nach einem Achillessehnenriss in der Wintervorbereitung wurde der Leihvertrag mit Viktoria Pilsen aber vorzeitig aufgelöst.
Für Diskussionsstoff sorgte die Verpflichtung von Shon Weissman im September. Der ehemalige WAC-Akteur und Bundesligatorschützenkönig der Saison 2019/20 hatte nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 in sozialen Medien die Auslöschung Gazas gefordert. Sportlich rentierte sich der Transfer vor allem zu Beginn der Saison: Nach acht Spielen hatte Weissman fünf Treffer auf dem Konto, in den folgenden neun kam nur ein weiterer dazu. Austria-Leihgabe Muharem Huskovic hinterließ keinen bleibenden Eindruck, der 23-Jährige stürmt nun für Zeljeznicar in Bosnien. Auch die Winterneuzugänge Isak Dahlqvist, Cheick Conde, David Riegler und Nico Mantl konnten noch nicht wirklich aufzeigen.
Flop des Grunddurchgangs: Die Linzer Bank
Lediglich ein (!) Jokertor erzielten die Stahlstädter im Grunddurchgang: Beim 2:1-Sieg gegen Wolfsberg Mitte Februar netzte Ronivaldo nach seiner Einwechslung. Mitja Mörec hatte bis zu seinem Aus im November also nie ein goldenes Händchen, während Nachfolger Michael Köllner bei einem Jokertor in fünf Spielen steht. Erfolgscoach Gerald Scheiblehner brachte 2024/25 immerhin siebenmal einen künftigen Torschützen von der Bank.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 5,0