Björn Mehnert weiß, wie man einen Kaltstart in der Regionalliga West meistert. Am 5. Dezember 2020 entführte er als Trainer des Wuppertaler SV einen Punkt aus dem Bonner Sportpark Nord, nachdem er am Abend zuvor sein erstes Training geleitet hatte. "Das war ein echter Krimi", erinnert sich der 49-Jährige. Ein Krimi, der trotz eines 0:2-Rückstands mit einem Happy End enden sollte - 3:3
Am Samstag kehrt er nun ins Stadion des BSC zurück - und steht dabei vor einer ähnlichen Herausforderung. Denn vor seiner Premiere als Bonner Chefcoach bleiben ihm gerade mal drei Einheiten, um seine Elf auf die Partie gegen den 1. FC Bocholt vorzubereiten. "Wenn damals ein Training für einen Punkt gereicht hat, sollten drei Einheiten ja eigentlich zum Sieg führen", macht Mehnert eine einfache Rechnung auf.
Eine Rechnung, der Markus Arendt nur allzu gerne trauen würde. Der Technische Direktor des BSC sprach angesichts der Entlassung von Aufstiegstrainer Sascha Glatzel am Dienstag nach nur fünf Spieltagen von einer "kniffligen Entscheidung. Wir hatten einfach das Gefühl, dass ein neuer Impuls hermuss." Erst recht nach der vierten Niederlage in Folge bei Fortuna Düsseldorf II (0:2): "Keine Körpersprache, wenig Aufbäumen - das war einfach nicht BSC-like."
Mit Mehnert habe man nicht nur eine schnelle Lösung gefunden, sondern auch die ideale. "'Mehne' kennt die Liga aus dem Effeff und wird der Mannschaft mit seiner offenen, kommunikativen Art guttun", sagt Arendt über den früheren Abwehrspieler, der für Borussia Dortmund drei Bundesliga-Einsätze und sogar eine Champions-League-Partie absolvierte.
Anders als bei seinen bisherigen fünf Gastspielen im Sportpark Nord (mit Wuppertal, RW Ahlen und Wiedenbrück) wird Mehnert am Samstag das Heimpublikum hinter sich wissen. "Und darauf freue ich mich", verrät er. "Als Gastmannschaft hat man immer deutlich gespürt: Auf uns wartet ein echtes Auswärtsspiel. Die Duelle in Bonn waren allesamt emotional - und das sollen sie auch künftig sein."
Verantwortung liegt bei den Spielern
Den bedingungslosen Support der BSC-Anhänger erlebte Mehnert auch in dieser Saison hautnah, denn die Partien beim VfL Bochum II (4:1) und in Oberhausen (1:3) verfolgte er ebenso live im Stadion wie das Heimspiel gegen Gütersloh vor über 2000 Zuschauern (2:3). Die Mission Klassenerhalt könne "nur gemeinsam gelingen. Die Spieler sind aber dafür verantwortlich, dass der Funke vom Rasen auf die Ränge überspringt". Das Rezept dafür sei denkbar einfach: "Es wird immer viel über System oder Taktik gesprochen, aber am wichtigsten sind die Basics: Wir wollen in jedem Spiel einen Fight abliefern."
Auch am Samstag, wenn der UEFA-Pro-Lizenz-Inhaber bei seinem Debüt ausgerechnet auf seinen letzten Arbeitgeber trifft. Auf jenen Klub, der ihn in der Vorsaison nach nur sieben Spieltagen wieder vor die Tür setzte. Ein noch schnelleres Schicksal ereilte nun den Bonner Aufstiegstrainer Glatzel. "Klar kann ich mich in meinen Vorgänger hineinversetzen", so Mehnert. "Aber so ist nun mal das Fußballgeschäft. Nichts ist so alt wie der Erfolg von gestern - das macht den Job so unberechenbar, aber gleichzeitig so reizvoll."
Glatzel sieht das offenbar genauso. Auf diesem Niveau dürfe einen Trainer "nichts überraschen. Solche Entscheidungen muss man akzeptieren. Ich habe alles reingeworfen, aber offensichtlich hat das nicht gereicht." Man habe sich im Guten getrennt, betont er: "Auch wenn viele etwas anderes vermuten: Es gab keinen Zoff." Für ihn überwiege das Positive, zumal der BSC mit ihm an der Seitenlinie seit Dezember 2023 ganze sechs Spiele verloren habe. Die jüngste Durststrecke begründet der Coach nicht zuletzt mit der kurzen Vorbereitung und "vielen Zugängen, die leider spät zu uns gestoßen sind und einfach noch nicht fit waren".
Cueto steht vor seinem Debüt
Zu ihnen zählt Last-Minute-Transfer Lucas Cueto (29). Gut möglich, dass der Mann mit den 41 Zweitliga-Einsätzen für den Karlsruher SC am Samstag sein Startelf-Debüt feiert. "Mit seinen Dribblings und flinken Bewegungen kann Lucas den Unterschied machen", sagt Mehnert. "Aber Fakt ist: Wir können nur als Einheit bestehen." Um schnellstmöglich zu einer solchen zu werden, strich der Coach den trainingsfreien Donnerstag. So bleiben ihm zumindest drei Einheiten, um den nächsten Kaltstart vorzubereiten.