"Spielen über das ganze Feld Eins-gegen-eins" - die Protagonisten des FC Bayern verwiesen im Vorfeld des Achtelfinal-Hinspiels (6:1) immer wieder auf das mannorientierte Anlaufen der Bergamasken. Allerdings war von den Vorteilen dieser Spielweise bis auf in den ersten fünf Minuten gar nichts zu sehen, stattdessen legten die Münchner die Risiken eindrucksvoll offen - und das, obwohl Raffaele Palladino den FCB mit einer Viererkette überrascht hatte.
Ein Beispiel gefällig? Serge Gnabry, der sich sehr clever bewegte, ließ sich im Aufbau sehr tief fallen und zog damit Innenverteidiger Sead Kolasinac weit aus der Viererkette. Statt des ehemaligen Schalkers agierte plötzlich Rechtsaußen Kamaldeen Sulemana phasenweise als rechter Innenverteidiger, da er seinem Gegenspieler Konrad Laimer hinterherlief.
„Wir haben Talent und Qualität in der Mannschaft. Die Jungs mögen solche Spiele.“ (Vincent Kompany)
Dass der 24-Jährige in der Defensive anfällig ist, zeigte dann eine Szene gegen Luis Diaz um die Halbstundenmarke herum. Der Kolumbianer verschaffte sich durch das leicht gewonnene Eins-gegen-eins sehr viel Platz und setzte Nicolas Jackson in Szene, der aber an Schlussmann Marco Carnesecchi scheiterte. "Wir haben Talent und Qualität in der Mannschaft. Die Jungs mögen solche Spiele. Eins-gegen-eins-Duelle sind für sie kein Problem", erklärte Trainer Vincent Kompany.
Dies ist auch dem geschuldet, dass die Spielweise von La Dea Alltag für die Münchner ist. "Wir spielen auch immer im Training mit ganz hoher Intensität. Deswegen ist das keine Überraschung, wenn man in diesen Spielen gegen so eine Art von Verteidigern die Lösung finden muss. Und das haben sie heute hervorragend gemacht", so der Belgier, dem an dem Gala-Abend besonders die Mischung zwischen Tiefenläufen und Zuspielen in den Fuß gefiel.
Kane war nach dem 5:0 "weit weg" von einem Einsatz
Etwas euphorischer als der Coach, der die Leistung mit den Worten "gut gemacht" quittierte, äußerten sich seine Spieler. So gehe es aus Sicht von Aleksandar Pavlovic "fast nicht besser". Daher war Atalanta auch mit den sechs Toren noch gut bedient.
Man möchte sich gar nicht ausdenken, was passiert wäre, wenn auch noch der torhungrige Harry Kane im zweiten Durchgang den Platz betreten hätte. Der Engländer war zwar einsatzbereit, bekam aber dann noch eine weitere Pause. "Ja, ganz nah, aber dann stand es 5:0 und dann war er ganz weit weg", antwortete Kompany auf die Frage nach einem Einsatz des 32-Jährigen. Den Aussagen nach zu urteilen dürfte er damit also wohl am Samstag in Leverkusen aufs Feld zurückkehren und auch im Rückspiel gegen Bergamo Einsatzzeit bekommen - keine guten Nachrichten für die Lombarden, da Kane ähnlich gierig sein wird wie seine Mitspieler am Dienstag.