Die Liste der gesammelten Titel ist ungewöhnlich lang für eine 20-Jährige: Drei Deutsche Meisterschaften, ein Pokal- und ein Supercup-Sieg sind schon in ihrer Vita verzeichnet. Und trotzdem gehört Franziska Kett zu den Nationalspielerinnen, die noch nicht jedem Interessierten geläufig sein dürften.
Das mag daran liegen, dass die Abiturientin in ihrer Zeit beim FC Bayern nicht vom Glück verfolgt war und öfter mit langwierigen Verletzungen zu kämpfen hatte. So wie im vergangenen Jahr, als sich Kett im Supercup-Finale im August in Dresden gegen den VfL Wolfsburg eine schwere Sprunggelenkverletzung zugezogen hatte und danach mehrere Monate Zwangspause einlegen musste. Erst in diesem Jahr war Kett wieder einsatzfähig, kam beim FC Bayern auf der linken Abwehrseite aber nicht an Stammkraft Carolin Simon vorbei.
In der Nationalmannschaft liest sich das Linksverteidigerinnen-Ranking jedoch anders. Dort hat Kett die Nase vorn. Christian Wück hat Gefallen an der Spielweise der gebürtigen Deggendorferin gefunden, nominierte Kett erstmals im April überraschend für die beiden Nations-League-Spiele gegen Schottland für das DFB-Team. Auch bei der EM-Generalprobe in Wien am 3. Juni kam die Ex-Stürmerin auf der linken Außenverteidiger-Position zum Einsatz. "Seit diesem Jahr spiele ich vermehrt auf der Linksverteidiger-Position, obwohl ich eigentlich gelernte Offensivspielerin bin. Ich glaube schon, dass mir diese Position liegt. Ich kann dort auch offensive Akzente setzen", erzählt Kett.
Ihre Nominierung für die EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli) war aus Sicht des Bundestrainers folgerichtig. "Dadurch, dass ich lange verletzt war, hatte ich nicht damit gerechnet. Ich freue mich riesig, dabei zu sein. Ich wurde extrem gut aufgenommen. Es macht mir sehr viel Spaß", berichtete Kett am Montag im Trainingslager der Nationalelf in Herzogenaurach.
Kett will Wücks Entscheidung bestätigen
Die Bayern-Spielerin ist hinten links als Backup für die Wolfsburgerin Sarai Linder eingeplant. Erfahrene Kräfte wie Felicitas Rauch (50 Länderspiele, North Carolina Courage) und Carolin Simon (22 Länderspiele) mit Stammplätzen in ihren jeweiligen Klubs müssen indes zu Hause bleiben. Das mag nicht jeder nachvollziehen können. Aber der Bundestrainer ist von Kett überzeugt, sieht in ihr eine Spielerin mit großem Potenzial und will ihr Turniererfahrung geben. Kett freut sich über "sehr viel Vertrauen vom Trainer. Das tut mir gut. Ich möchte seine Entscheidung bestätigen."
Außerhalb des Platzes sei sie eher eine ruhige Persönlichkeit, erzählt die Nationalspielerin. Auf dem Platz sieht das aber ganz anders aus: "Ich bin eher eine eklige Spielerin, bin sehr explosiv, zweikampfstark und schnell. Und ich gebe immer 100 Prozent."