Nach dem misslungenen Premier-League-Auftakt in Sunderland (0:3) hatte West Ham vor heimischer Kulisse eine 1:5-Klatsche von Chelsea über sich ergehen lassen müssen. Im League-Cup-Auswärtsspiel bei den Wolverhampton Wanderers am Dienstag hofften die Anhänger auf Wiedergutmachung, stattdessen aber sollte sich die Krise nicht nur aus spielerischer Sicht weiter zuspitzen.
Es gibt gewiss schönere Momente für Fußballer, als nach einer Auswärtsniederlage den Gang in Richtung des eigenen Gästeblocks anzutreten. Während ein Großteil der mitgereisten Hammers-Fans die gelben Sitzschalen im Molineux Stadium bereits verwaist zurückgelassen hatte, blieben einige wenige, um ihr Team dennoch aufzubauen - oder es lautstark zu kritisieren.
Letzteres jedenfalls hatte Jarrod Bowen vernommen, der sich von der Spielertraube absetzte, an die abgrenzende Werbebande schritt und von dort aus gestikulierend den Austausch mit ebenjenen Anhängern einging. Sichtlich erzürnt entschied sich West Hams Kapitän Augenblicke später dazu, über die Bande zu klettern und unmittelbar vor den Gästebereich zu treten. Nachdem ihn die Stadionsecurity sowie mehrere Mitspieler davon abgehalten hatten, machte sich der 28-Jährige schließlich jedoch auf den Weg in die Kabine.
Hammers-Fans "leiden unter den Ergebnissen"
Welche Worte im Zuge der hitzigen Diskussion gefallen waren, konnte auch Graham Potter auf der anschließenden Pressekonferenz nicht erklären: "Ich habe keine Ahnung, was gesagt wurde", so der Hammers-Cheftrainer. "Ich finde, unsere Anhänger waren fantastisch, und sie leiden unter den Ergebnissen, die wir erzielt haben."
Der 50-Jährige, der nach drei Pflichtspielniederlagen zum Start nach Lösungen suchen muss, bezeichnete die Situation als einen "Meinungsaustausch zwischen Menschen, denen es wichtig ist", wie sich der Klub und das Team präsentiert. "Alle sind verletzt, und das ist normal. Jarrod ist ein fantastischer Kapitän und Diener für den Verein gewesen", so Potter.
„Ich muss ein besseres Vorbild sein.“ (Jarrod Bowen)
Kurz vor Mitternacht nutze auch Bowen selbst via Instagram noch die Gelegenheit, sich für die Vorkommnisse zu entschuldigen: "Ich bin jemand, der leidenschaftlich ist und jedes Mal kämpfen wird, wenn ich den Platz betrete. Aber ich muss ein besseres Vorbild sein und ihr Fans wisst, wie sehr ich euch und diesen Klub liebe", schrieb der Offensivmann, der die zwischenzeitliche 2:1-Führung vorbereitet hatte.
"Wir reiten zusammen durch die schlechten Zeiten und wir sehen uns alle am Sonntag", richtete Bowen den Blick bereits auf das nächste Spiel, wenn die Hammers auswärts bei Nottingham Forest um ihre ersten Punkte kämpfen (15 Uhr). Dann womöglich auch wieder mit Niclas Füllkrug in der Startelf, der in Wolverhampton erst kurz vor Schluss eingewechselt wurde.