Fehlercode: %{errorCode}

Loks beeindruckende Kader-Breite: Seitz könnte eigentlich würfeln

kicker

"Viele Mannschaften zerbrechen dann, gerade wenn man so eine dominante erste Halbzeit spielt", würdigte Loks Trainer Jochen Seitz nach dem 2:1-Erfolg gegen den Chemnitzer FC die erneut starke Willensleistung seiner Mannschaft kurz zuvor. Die Leipziger weigerten sich strikt, zu verlieren und stellten die Weichen kurz nach dem Chemnitzer Ausgleich wieder auf Sieg: "Das nötigt mir allergrößten Respekt ab, wie es die Mannschaft die letzte Viertelstunde dann wegverteidigt hat und nach vorn gegangen ist, um die Bälle zu gewinnen", frohlockte Seitz.

Freilich gibt es nach wie vor Raum für Verbesserungen - und zwar vor des Gegners Kasten. Die Leipziger Minimalisten schlawinern sich schon wieder durch die Liga, grüßen mit nur sechs erzielten Treffern von Rang 2: "Das Einzige, was man der Mannschaft ein bisschen vorwerfen muss, ist, dass sie aus den Möglichkeiten zu wenig macht", legte Seitz den Finger in die Wunde. Dennoch läuft es in dieser frühen Phase der Saison schon erstaunlich rund, der zarte Umbruch des Meisterkaders geht reibungslos vonstatten.

Maderer macht sich viel Druck

Lok-Stürmer Maderer, der mit dem - auch für ihn persönlich - erlösenden Treffer zum 2:1 den Sieg dingfest machte, sah sogar "vom Spielerischen her das beste Spiel jemals seit ich hier bin." Der Leipziger Top-Torjäger der vergangenen Saison weiß zwar, dass Stürmer nicht ausschließlich an Toren gemessen werden - Spaß macht es trotzdem: "Es war wichtig für die Mannschaft und auch für mich, endlich mal diesen Kopf freizubekommen. Ich darf mich einfach nicht zu sehr reinsteigern und mir so viel Druck selber machen", resümierte Maderer seine kleine Flaute: "Ich nehme mich immer selber so hart ins Gericht und mache mir den Druck selber, das war schon immer mein Problem."

Das diffizile Management einer englischen Woche und ihrer Tücken gelingt den Leipzigern und Seitz bisher tadellos. Die Breite im Kader ist beeindruckend, das Niveau unterliegt keinerlei nachhaltigen Schwankungen. Maderer scherzte angesichts der variablen Offensiv-Optionen, der Trainer könne "fast schon würfeln, wer spielen darf". Die neuen Außenbahn-Spieler Jonas Arcalean, Schütze zum 1:0, und Ayodele Adetula eröffnen frische Perspektiven, sind eminent torgefährlich: "Sie sollen ins Eins-gegen-Eins gehen und die Abschlüsse suchen", auch das entlaste den nominellen Stürmer, so Maderer: "Wir haben nicht mehr die 18-20 Flanken aus der Vorsaison pro Spiel, aber damit sind wir auch wieder unberechenbarer geworden", beschreibt der 28-Jährige das neue Erfolgsrezept. Seitz erfindet die Loksche ein Stück weit neu, experimentierte auch schon mit der Doppelspitze - Stillstand ist Rückschritt.

„Wenn er das sieht, okay - aber sich von dem da hinten beeinflussen lassen, keine Ahnung.“ (Farid Abderrahmane zur Roten Karte)

Einziger Wermutstropfen war die fragwürdige Rote Karte für Farid Abderrahmane. Der eigentlich unverzichtbare, aber nun zwangspausierende Mittelfeldmann gab zu Protokoll, mit der Entscheidungsfindung des Unparteiischen nicht vollumfänglich zufrieden gewesen zu sein: "Ich treffe ihn, aber das ist Gelb. Dann hält der Schiri Rücksprache mit dem vierten Offiziellen, der 200 Meter weit weg steht und gibt mir dann Rot", blickt Abderrahmane zurück. "Wenn er das sieht, okay - aber sich von dem da hinten beeinflussen lassen, keine Ahnung", rätselte der 29-Jährige.

Der Regisseur wird bis auf Weiteres fehlen, ein neuer Nebenmann für Alexander Siebeck in der Zentrale wird gesucht. Der umtriebige Siebeck ist unrotierbar, Fitness und Leistungsniveau vorbildlich: "Ich hatte schon immer einen guten Motor, meine Ausdauerwerte sind ganz gut - vielleicht haben die vegane Ernährung und mein Lebensstil auch positive Auswirkungen. Schnell zu regenerieren ist gerade in einer englischen Woche gut", mutmaßt der Mann für alle Fälle.

Im Derby gegen Eilenburg (Sonntag, 14 Uhr) muss Seitz wieder die ganze Breite seines runderneuerten Kaders nutzen, um die englische Woche zu einem perfekten Abschluss zu bringen - oder die Würfel entscheiden lassen.