Nach dem erschreckend schwachen Nürnberg-Spiel gab es im Wildpark viele Sitzungen, viele Gespräche im Präsidium, Beirat, mit dem Trainerteam. Mal schien das Ende der Ära Christian Eichner da, dann wieder doch nicht. Die Verantwortlichen sollen hin- und hergeschwankt sein, sollen wohl auch keine Trainer-Alternative präsent gehabt haben. Ein Plan B war wohl nicht vorbereitet. Eine klare Aussage zur Situation und Zukunft vom Coach gab es von den Verantwortlichen bis Sonntagnachmittag nicht.
Fast schon üblich: Denn auch bei etlichen anderen KSC-Problemen fehlt eine Erklärung oder Klärung - dem Rauswurf von Co-Trainer Zlatan Bajramovic, den Kosten des Stadions und den sexistischen Äußerungen von Vize-Präsident Uwe Maisch.
Eichner sitzt im Krisenduell mit Holstein Kiel am nächsten Samstag (13 Uhr, LIVE! bei kicker) aber definitiv noch auf der Bank. Dafür sollen sich auch die Spieler vehement ausgesprochen haben.
Dazu passen die Aussagen von Sportgeschäftsführer Mario Eggimann, der zwei Tage nach dem Spiel im Frankenland auf der Vereinswebsite erklärte: "Eine Leistung wie in Nürnberg ist indiskutabel. Ich verstehe die Enttäuschung der Fans und den Wunsch nach Veränderung. Auch der Verein weiß, dass etwas passieren muss. Trotzdem gilt es, keine emotionalen und gegebenenfalls überstürzten Entscheidungen zu treffen."
Nach einer eingehenden Analyse habe sich der Verein dazu entschieden, "auch gegen Kiel mit Christian Eichner gemeinsam anzugreifen und alles in die Waagschale zu werfen". Dann braucht es eine klare Leistungssteigerung. In Nürnberg zeigten die KSC-Profis nach ordentlichem Beginn lange kein zweitligataugliches Zweikampfverhalten. Dazu: keine Kreativität, keine Torgefahr.
Auffällig: Es standen viele Spieler in der ersten Elf, deren Grundschnelligkeit nicht den Ansprüchen der 2. Liga genügt. Dadurch wurden viele direkten Duelle verloren. Ohne sprintstarke Profis wurde das Spiel nach vorne nur selten schnell inszeniert. Zudem war das Passspiel zu ungenau. Keine neuen Erkenntnisse, aber Belege dafür, dass die Kaderzusammenstellung mächtig mäßig ist.
Kaum Konkurrenzkampf auf hohem Niveau
Das Kaderniveau sank gegenüber der Vorsaison. Die Sechserposition ist unbesetzt, es gibt fast keinen Konkurrenzkampf auf hohem Niveau. Zu Beginn der Saison hatte der KSC gegenüber der Konkurrenz den Vorteil, dass die Startelf eingespielt war. Zugänge waren kaum dabei, sie schafften es meist nur auf die Bank. Die anderen Teams haben aufgeholt. Beleg dafür: Der KSC gewann nur eines der vergangenen elf Spiele, zum Rückrundenauftakt 2:0 in Münster.
Wenn die etablierten Leistungsträger wie Marvin Wanitzek, Marcel Franke, Sebastian Jung oder Fabian Schleusener nicht in Topform sind, dann wird es für den KSC gegen jeden Zweitligisten schwer. Trainer Eichner bekannte: "Ich bin maximal frustriert. Das Abwehrverhalten war nicht zweitligatauglich."
Kapitän Wanitzek schlug in die gleiche Kerbe: "Wenn du fünf Tore kriegst, kannst du nicht viel richtig gemacht haben." Für Wanitzek war es "25 Minuten ein normales Spiel. Dann haben wir Fehler gemacht, dann fehlte der letzte Verteidigungswille, dann brechen wir zusammen."