Ein Fußball-Feuerwerk wie beim 5:4 im Prinzenpark blieb diesmal aus. Dabei hatten beide Trainer vor dem Rückspiel in München versprochen, ihrer Taktik treu zu bleiben, sprich: Wer stürmt, gewinnt.
Der Spielverlauf war allerdings Gift für ein weiteres Spektakel. PSG geriet dank des frühen Treffers von Ousmane Dembelé in der 3. Minute in die komfortable Lage eines übergreifenden Zwei-Tore-Vorsprungs, und so schaltete die Elf von Luis Enrique eben doch lieber in den Kontermodus und schaute sich erst einmal an, was denn da vom FCB kommen würde in puncto Offensive.
Es kam zu wenig. Den Bayern brachten weder die 66 Prozent Ballbesitz noch die 573 gespielten Pässe (PSG 301) genügend ein, um das Ruder herumzureißen. Was eben auch an der starken Defensive der Pariser lag. "Wir haben einen weiteren Schritt in der Spielvorbereitung gemacht", freute sich Luis Enrique bei Movistar+. "Wir sind es nicht gewohnt zu verteidigen, aber wir haben wie die Engel verteidigt und haben es wirklich verdient, weiterzukommen." Spieler bei diesem Mannschaftserfolg herauszustellen, bezeichnete der Spanier sogar als "unfair".
Ehe Luis Enrique nach vorne blickte, blickte er auch noch einmal zurück. "Wir hatten die schlechteste Auslosung in der Ligaphase, und dann war es immer so, dass wir, wenn wir das eine wollten, das andere bekamen." Im Finale trifft er nun auf einen Landsmann Mikel Arteta. "Ich schätze ihn sehr, denn wir waren Teamkollegen, als er noch sehr jung war in Barcelona. Er hat eine großartige Mannschaft aufgebaut. Man sieht, was für ein Trainer er ist", erklärte der 55-Jährige.
Für den Mann aus Gijon wäre es der dritte Champions-League-Titel als Trainer und bereits der zweite in Folge mit PSG. Dabei hatte Nasser Al-Khelaifi zuvor keinen Stein auf dem anderen gelassen, um endlich den Henkelpott zu holen. Kein Carlo Ancelotti, kein Unai Emery, kein Thomas Tuchel und auch kein Mauricio Pochettino vermochte es jedoch, mit Spielern wie Zlatan Ibrahimovic, Lionel Messi, Neymar oder Kylian Mbappé die Silberware endlich an die Seine zu schaffen.
Al-Khelaifi überschlägt sich mit Komplimenten
Luis Enrique gelang es bereits in seiner zweiten Saison nach der Amtsübernahme im Juli 2023. Und so kam der Klubboss gar nicht mehr heraus aus seinen Lobliedern für den aktuellen Coach. "Luis Enrique ist wirklich das beste Kapital, der Beste, meine beste Entscheidung. Ich habe in den letzten 15 Jahren davon gesprochen, ihn zu verpflichten", ereiferte sich Al-Khelaifi bei CBS Sports Golazo. Er sei ein "fantastischer Trainer, der beste Trainer der Welt, aber auch als Mensch ist es unglaublich, wie er den Alltag, die Spieler, einfach alles meistert, sogar den Umgang mit den Medien, was in Frankreich manchmal nicht einfach ist". Als Al-Khelaifi nochmal Luft geholt hatte, schloss er seine Eloge ab. "Er ist fantastisch", wiederholte der freudetrunkene Präsident.
Na ja, zumindest fast. "Er hat den Fußball revolutioniert, nicht nur bei Paris Saint-Germain, sondern im gesamten Fußball. Ich bin sehr stolz auf ihn, und er ist wirklich der beste Trainer der Welt", entfuhr es Al-Khelaifi noch, als er Luis Enrique im TV-Studio begegnete. Umarmung inklusive.
Zu Luis Enriques großen Verdiensten gehört zweifelsohne, dass aus PSG, einst eine Equipe aus überragenden Einzelkönnern, nun eine echte Mannschaft entstanden ist. "Der Trainer will, dass wir Druck machen, angreifen, verteidigen, alles geben und füreinander laufen. So gewinnt man Titel", sagte Desiré Doué, am Mittwochabend einer der Besten bei den Franzosen. Auch der mal wieder Allerbeste, Khvicha Kvaratskhelia, schlug in die gleiche Kerbe. "Für mich ist das Team am wichtigsten. Es ist egal, wer die Trophäen nach Hause nimmt, weil wir wie eine große Familie sind und sehr stolz aufeinander sind."