Marquinhos ist seit zwei Monaten 31 Jahre alt, insofern verfing einer der Punkte, mit denen Luis Enrique seine Mannschaft vor der Klub-WM motivierte, beim Kapitän von Paris Saint-Germain womöglich besonders. "Vom ersten Tag an hat uns der Trainer gesagt, wie wichtig dieser Wettbewerb ist und dass es zwangsläufig Spieler gibt, die nicht mehr die Chance haben werden, ihn zu spielen", verriet Marquinhos vor dem Finale am Sonntag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Chelsea.
Allerdings wirken die PSG-Profis seit Monaten nicht so, als bräuchten sie irgendwelche Motivationstricks, um ihr Leistungslevel hochzuhalten. So unaufhaltsam wie sie zum Henkelpott in der Champions League stürmten, scheinen sie es auch bei der vom Weltraum inspirierten Klub-WM-Trophäe zu tun, in die der Name von FIFA-Präsident Gianni Infantino gleich zweimal eingraviert ist.
"Dieser Titel hat einen großen Wert für uns. Ihn zu gewinnen, wäre die perfekte Saison", erklärte Marquinhos. Mit einem Sieg gegen Chelsea dürfte sich PSG nicht nur vier Jahre lang Klub-Weltmeister nennen, sondern hätte 2024/25 jeden der fünf Wettbewerbe gewonnen, in denen es dabei war - 65 Pflichtspiele, fünf Titel.
"Ich hatte mehr Erfolg in Zeiten, in denen wir nicht gewonnen haben"
Zwar hält es auch Luis Enrique für "wichtig, diese historische Saison auf die beste Art und Weise zu beenden". Doch natürlich hat der verbal manchmal eigene Spanier ein paar besondere Ansichten zur gegenwärtigen Erfolgssträhne. "Schaut auf Pep", empfahl er bei seiner Pressekonferenz in New Jersey einen Blick auf Landsmann Guardiola. "Manchester City war das beste Team der vergangenen Jahre. Dann haben sie ein paar Spiele verloren und wir schießen sie ab. Aber er ist immer noch der beste Trainer."
Er selbst sei "kein Star", weder als Spieler noch als Trainer, betonte der 55-Jährige. "Ich fühle mich fast in den Momenten am wohlsten, in denen es nicht so gut läuft." Kritik motiviere ihn mehr als Lob. Deswegen behauptete er gar: "Ich hatte viel mehr Erfolg in Zeiten, in denen wir nicht gewonnen und die Leute mich mit vorgehaltener Waffe kritisiert haben."
Selbstläufer Chelsea? "Wer das glaubt, hat keine Ahnung"
Auch sein Ruhm mag vergänglich sein, aber ist es nicht trotzdem seine beste Saison als Trainer - trotz des Triples mit dem FC Barcelona 2015? "Vielleicht, aber dafür müssen wir morgen gewinnen." Und das sei schwerer, als es für viele auf dem Papier wirkt: "Wer glaubt, dass dieses Spiel in Selbstläufer wird, hat keine Ahnung vom Fußball."
Chelsea, das hinter Flamengo nur Gruppenzweiter wurde und mit den K.-o.-Runden-Gegnern Benfica (4:1 n. V.), Palmeiras (2:1) und Fluminense (2:0) den mutmaßlich leichteren Weg Richtung Finale hatte als PSG (Inter Miami, Bayern, Real Madrid), sei nicht nur körperlich "sehr stark", findet Luis Enrique: "Ich mag, wie sie spielen. Sie haben viele Individualisten, die aber, wenn sie verteidigen müssen, das genauso tun wie wir. Ich denke, es wird ein enges Spiel am Sonntag."