Szoboszlai, Daka, Keita, Sesko … die Liste der profitabelsten Transfers der heimischen Bundesligaklubs liest sich wie das "Who is Who" der All-Time-Stars von Red Bull Salzburg. Bis zu 30 (Daka), ja gar 35 Millionen Euro (Szoboszlai) Gewinn haben die Bullen mit günstig eingekauften und (meist) in der Akademie fertig ausgebildeten Supertalenten gemacht.
Erst in den letzten paar Saisonen haben sich mit Rasmus Höjlund (rund 19 Mio. Gewinn) und Emanuel Emegha (knappe zehn Mio.) auch die wertvollsten Sturm-Aktien in die Salzburger Phalanx gedrängt - und die mit ihnen erzielten Einnahmen haben nicht unwesentlich zu den Titelgewinnen der vergangenen beiden Saisonen beigetragen. Rapid war in dieser Liste nicht vertreten. Bis zum Transfer von Isak Jansson.
Schnäppchen vom Video
Zum Schnäppchenpreis von 250.000 Euro hat Rapids Geschäftsführer Sport Markus Katzer den Schweden nach (freier) halbjähriger Leihe vor einem Jahr fix nach Hütteldorf geholt, nachdem er und sein Scoutingteam beim spanischen Zweitliga-Nachzügler Cartagena über die Daten des kühlen Blonden mehr oder weniger gestolpert sind. Vom Video weg haben sie ihn verpflichtet, wie Katzer im vergangenen September im kicker erläuterte, weil es nach dem (auch schon höchst profitablen) Kühn-Transfer schnell gehen musste.
Was er damals auch verriet: "Eine Woche nachdem wir die Kaufoption gezogen haben, hätten wir ein Angebot von mehr als einer Million Euro auf dem Tisch gehabt." Dass Jansson jetzt um kolportierte zehn Millionen Euro, also um (rund) 40-faches Geld, nach Nizza wechselt, darf man Markus Katzer, der rund um die Klauß-Ablöse nicht mehr bei allen Rapid-Fans den allerbesten Stand hatte, als echten Coup anrechnen.
Für Katzer selbst ist der Transfererfolg in erster Linie Konsequenz des Weges, den er vor zweieinhalb Jahren eingeschlagen hat, als er von der Vienna auf den Geschäftsführerposten Rapids wechselte. Schon damals war dem Ex-Teamverteidiger klar, dass sich die Einkaufspolitik beim Rekordmeister in Richtung Andreas Schicker und Sturm Graz ändern müsse, um die immer größer werdende Kluft zwischen Rapid und den Spitzenteams Salzburg und Sturm zu verkleinern. Spieler-Aktien statt solides Mittelmaß.
Aktien statt solides Mittelmaß
Nicht erst mit dem Jansson-Deal ist Katzers Paradigmenwechsel aufgegangen. Die Verkäufe von Kühn und Fally Mayulu haben bereits Millionengewinne abgeworfen, Spieler wie Mamadou Sangaré, Ange Ahoussou, Serge-Philippe Raux Yao, aber auch Mattias Seidl und Nenad Cvetkovic haben ihren Marktwert vervielfacht und den Kaderwert seit Katzers Antritt von knapp über 30 Millionen auf rund 42 Mio. erhöht. Da fallen selbst Minusgeschäfte wie Thierry Gale (100.000 Euro Verlust) und Christoph Lang (200.000 Euro Verlust) nicht wirklich ins Gewicht.
Die Kunst, auf die richtigen Aktien zu setzen, habe er in seiner Zeit als Spielerberater perfektioniert, verriet Katzer einmal in einem weiteren kicker-Interview: "Da habe ich gelernt, weniger auf das System oder das Spiel selbst zu achten, dafür haben wir einen Trainer, sondern auf die Fähigkeiten der einzelnen Spieler. Abzuschätzen, was für ein Potential ein Spieler hat. Was kann aus ihm einmal werden, was wird er einmal wert sein?
Und noch etwas will er "auf der anderen Seite des Geschäfts" gelernt haben: "Kreative Lösungen zu finden." Das würden ihm zum einen die Spieler bestätigen, die er bereits nach Hütteldorf gelotst hat, es zeigte sich aber auch beim letztlich erfolglosen Werben um Marko Arnautovic, das diesem schon auch imponiert hat. Oder war es nur ein Zufall, dass sechs Kinder im Rapid-Dress mit Nummer 7 und Arnautovic-Beflockung am Urlaubsort des ÖFB-Rekordinternationalen auftauchten, um ihm den Wechsel nach Hütteldorf schmackhaft zu machen?