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"Medaillen ohne Wert": Schwaig möchte sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen

kicker

Beinahe wäre der Rekord des SV Erlbach fällig gewesen: 2022 stiegen die Oberbayern als bester Meister in der Geschichte der Landesliga Nordost mit 88 Zählern auf - drei Jahre später waren die Sportfreunde Schwaig kurz davor, den Rekord zu knacken. Mit 17 Siegen in Folge im Gepäck hätte ein Sieg in Schwabing gereicht, doch die Truppe von Trainer Christian Donbeck erspielte sich "lediglich" ein Remis und blieb so bei 87 Punkten hängen. Der Freude über den erstmaligen Aufstieg in die Bayernliga tat dies bei den Sportfreunden freilich keinen Abbruch - viel eher schreibt der Dorfverein als erster Oberligist aus dem Landkreis Erding weiterhin seine eigene Geschichte.

2018 noch in der Kreisliga vertreten, stürmten die Schwaiger direkt in die Landesliga durch - und waren dort eigentlich zufrieden, wie der Coach schmunzelnd verrät: "Als ich vor einem Jahr gekommen bin, waren alle der Meinung, dass die Landesliga ein wunderbarer Erfolg ist. Dass wir als Trainerteam dann noch mehr auf erfolgsorientierte Arbeit gesetzt haben, war für die Jungs ein Sprung ins kalte Wasser." Doch das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg wuchs schnell - auch, wenn es an Spieltag zwei eine bittere 0:3-Heimniederlage gegen Wasserburg setzte. Die war allerdings schnell vergessen - und spätestens mit Start der Rückrunde waren die Sportfreunde nicht mehr zu bremsen. Und weil die Heimpleite im Juli 2024 die einzige punktlose Partie blieb, sind die Oberbayern seit fast einem Jahr im Ligabetrieb ungeschlagen.

Fokus auf schnellstmögliche Anpassung

"Auf solchen Lorbeeren dürfen wir uns aber keineswegs ausruhen. Das sind Medaillen ohne Wert. Daher haben wir in den ersten zehn Tagen der Vorbereitung versucht, die vergangenen Leistungen aus den Köpfen der Jungs zu bringen", hat der Trainer die Meisterschaft abgehakt und blickt nach vorn. Denn die Herausforderung Bayernliga ist gewaltig - nicht nur, weil ein Großteil der Truppe noch nie auf diesem Niveau gekickt hat. "Die Qualität in der Bayernliga ist mittlerweile extrem hoch. Gerade bei der Athletik und im generellen Tempo ist der Unterschied zur Landesliga immens. Zudem wird jeder Leichtsinn sofort bestraft. Ich würde somit sogar sagen, dass wir einen Sprung von eineinhalb Klassen auf uns nehmen müssen", urteilt der 53-Jährige voller Respekt über die fünfte Liga.

Um jenen Sprung und die Anpassung aufs höhere Niveau bestmöglich meistern zu können, verfolgte das Trainerteam bereits in der Vorbereitung einen klaren Plan: starke Gegner in den Testspielen. Und da zeigte der Bayernliga-Neuling durchaus ansprechende Leistungen: Highlight war sicherlich der 2:1-Erfolg gegen den Regionalliga-Vizemeister aus Buchbach, doch auch die Auftritte gegen die (letztjährigen) Regionalligisten von Wacker Burghausen (0:2) und Türkgücü München (2:1) stimmten positiv. "Zu achtzig Prozent haben wir uns gut verkauft. Die Spieler haben das umgesetzt, was sie können. Wir haben Jungs im Kader, die seit der Kreisliga dabei sind. Aber die haben unglaubliches Potenzial", zeigt sich der Übungsleiter zufrieden und sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg, um "ab Spieltag eins keine Ausreden mehr zu haben".

Vielversprechende Voraussetzungen vor dem Start

Dabei scheinen die Sportfreunde ohnehin eine spannende Komponente in der Bayernliga-Saison zu werden. Schließlich stellte die Truppe bei der Beinahe-Rekord-Meisterschaft sowohl den besten Sturm (95 Tore) als auch die beste Defensive (24 Gegentreffer) der Liga, beherrscht aber ebenso die Grundtugenden des Fußballs, wie Donbeck betont: "Ich verlange von meinen Spielern zunächst Mentalität, Laufbereitschaft und Disziplin. Dafür braucht man erst mal kein Talent, sondern einen gewissen körperlichen Fitnesszustand." Und der sei heuer ebenfalls gegeben, weil die Akteure ihre Hausaufgaben vor der Vorbereitung zuverlässig erfüllten.

Dies gilt gleichermaßen für die Neuzugänge, von denen die Schwaiger ein halbes Dutzend präsentieren konnten: Während Robert Rohrhirsch vom Liga-Konkurrenten aus Ismaning kam, ist Fabio Groß nach Erding gezogen und wechselt daher vom Nord-Bayernligisten aus Abtswind. "Robert ist fußballerisch super, Fabio hat eine unglaubliche Athletik - mit beiden sind wir sehr zufrieden", lobt Donbeck das Bayernliga-erfahrene Duo. Mit solchen Erfahrungswerten können die restlichen vier Neuen (noch) nicht dienen, denn mit Philipp Gau und Linus Hesch (Unterhaching) sowie Lucian Schirbl und James Timbana (Burghausen) stoßen vier letztjährige A-Junioren zum Team. Dennoch ist der Coach hoffnungsfroh: "Das sind alles Jungs aus der Region, die einmal das neue Kernstück der Mannschaft werden sollen. Dahin müssen wir sie jetzt allerdings noch entwickeln."

Wer von den Neuen gleich in der Startelf steht, wird sich dann in wenigen Tagen zeigen, wenn zum Auftakt die gestandene Bayernliga-Mannschaft aus Landsberg nach Schwaig reist. Dort freut man sich enorm auf den 1. Spieltag - und kann gleich Historisches schaffen: Einerseits natürlich erstmals Punkte in der Bayernliga sammeln, andererseits knacken die Sportfreunde bei einem Punktgewinn die Marke von einem Jahr ohne Niederlage im Ligabetrieb. Jene Marke wäre zwar eine weitere Medaille ohne Wert - und doch ein Zeichen, welchen beeindruckenden Weg die Sportfreunde Schwaig gerade gehen.