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"Null heißt null": Familienklub HEBC bleibt seiner seltenen Linie treu und peilt den Klassenerhalt an

kicker

Am späten Mittwochabend kehrte Liga-Manager Stilianos Vamvakidis aus dem Urlaub zurück. Angeblich hat er erst dann wieder einen Blick auf die Oberliga-Tabelle riskiert. Denn wieder einmal ist sein HEBC am Ende seiner ruhigen Tage Letzter. "Immerhin haben wir ja schon einen Punkt mehr als im Vorjahr, als mein Flieger landete", konstatierte der 52-Jährige augenzwinkernd.

Nach dem letzten Spieltag der Vorsaison landeten die Eimsbütteler noch souverän auf dem siebten Rang, ein Jahr zuvor waren sie Fünfter geworden. Es waren die beiden besten Platzierungen in der jüngeren Geschichte des "Vereins zwischen den Häusern". Deshalb bleibt auch Vamvakidis ruhig: "Solche Phasen wird es bei dem Ansatz unseres Vereins immer geben. Und gerade in der Ferienzeit ist es eben häufig etwas schwierig. Am Ende geht immer darum, vier Mannschaften hinter uns zu lassen."

Fremdwort Aufwandsentschädigung

Hintergrund ist: Das Wort "Aufwandsentschädigung" gibt es in Eimsbüttel nicht. Zu Beginn erntete der Manager noch fragende Blicke, wenn er das Thema in Vertragsgesprächen kategorisch ablehnte. Und dann war auch schon mal die Verhandlung nach aufwendigem Scouting, diversen Kontaktaufnahmen und stundenlangen Annäherungen abrupt beendet, obwohl sich beide Seiten eigentlich sportlich einig waren. "Null heißt null", erklärt der ehemalige Linksverteidiger, der im wahren Leben als Journalist tätig ist. Inzwischen hat sich dies herumgesprochen. Aber das kann für einige gute Kicker ja trotzdem ein Anreiz sein. Denn natürlich haben diese eher mal die Freiheit, in den Urlaub zu fahren oder auf eine Trainingseinheit zu verzichten, ohne befürchten zu müssen, dass auf dem Konto ein paar Hunderter fehlen und man auf der Tribüne landet.

Beim HEBC - dem Hamburg-Eimsbütteler-Ballspiel-Club - zählen eben andere Tugenden: Vereinsleben steht ganz oben, sodass die Liga-Mannschaft schon mal ihre eigene Kabine gemeinsam bunt anstreicht, um den Teamgeist zu stärken, dazu Fairness, Respekt und Toleranz. Schließlich lebt und spielt man doch im Studentenviertel. Fast wie eine große Familie.

Große Fußstapfen für Obloch

Mit diesem Konzept haben sich die Lila-Weißen inzwischen in Hamburgs höchster Liga etabliert - besonders in den vergangenen sechs Jahren unter Trainer Özden Kocadal. Dieser wechselte zur TuS Dassendorf. Nachfolger Philipp Obloch (Vamvakidis: "Unser absoluter Wunschtrainer“) ahnte, dass er in große Fußstapfen treten würde. Nun konnte der 46-Jährige immerhin seinen ersten Pflichtspielsieg feiern: 6:1 im Landespokal bei Viktoria Harburg.

Diesem am Sonntag den ersten Oberligasieg im Kellerduell gegen Halstenbek-Rellingen folgen zu lassen, wäre ein Signal. Schließlich ist Vamvakidis wieder am Reinmüller dabei ... und vielleicht ja sogar ein paar Ehemalige auf dem berühmten "Meckerhügel". Zumindest feiert Ex-Spieler und -Trainer Ulli Natusch am Abend zuvor seinen 70. Geburtstag und hat einen Großteil der Mannschaft eingeladen, mit der er 1983 im Hamburger Pokalendspiel stand - allen voran Thomas Wolter, der mit 312 Bundesligaspielen zur Werder-Bremen-Legende wurde. Damals wie heute: Der HEBC ist eben ein Familienklub - schließlich war Vamvakidis gerade mit Natusch' Sohn Ole und den Kindern im Urlaub.