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Oberligist ETSV Hamburg: Natürlich ambitioniert

kicker

Maskendeals, Long Covid, Enquete-Kommission - tatsächlich ist Corona noch nicht so weit weg. Vor fünf Jahren war man beim ETSV Hamburg vielleicht sogar etwas froh, dass die Saison abgebrochen wurde. So geriet das Team in der Bezirksliga Ost wenigstens nicht mehr in den Abstiegskampf. Rang zwölf bedeutete in der siebten Klasse die fünfte zweistellige Platzierung hintereinander. Und beim letzten Auftritt, dem 3:2 gegen den SC Wentorf, bekam der Kassierer im winterlichen Nebel am Freitagabend sicherlich nicht mal die Schiedsrichterkosten zusammen.

Es war einmal …; doch inzwischen schreiben die Eisenbahner ganz andere Märchen: Sie wollen am Ende der Saison ans Tor zum Profifußball klopfen. Manager Jasmin Huremovic betont: "Natürlich haben wir in unserem dritten Oberliga-Jahr ambitionierte Ziele". Der 56-Jährige weiß, wovon er spricht. Er spielte einst mit Altona 93 in der Regionalliga, war jahrelang bei diversen Klubs einer der besten Oberliga-Fußballer und feierte auch als Manager Erfolge mit Hamm United. Nach dem Corona-Saisonabbruch 2020 erinnerte er sich wieder an seinen Jugendverein ETSV Hamburg und entwarf mit dem langjährigen Sponsor Thomas Koopmanns ein neues Konzept.

Zwei Meister-Titel

Der erste Schuss ging nach hinten los, weil auch die Saison 2020/21 abgebrochen wurde. Anschließend folgten jedoch zwei Meister-Titel - mit insgesamt lediglich einer Niederlage. Die Oberliga war erreicht, die Träume groß. Doch bis dahin hatten es schon diverse finanzkräftige Vereine wie der Hummelsbüttler SV, SV Lurup oder Raspo Elmshorn geschafft. Auch der ETSV hat inzwischen gemerkt, dass der nächste Schritt ein großer ist. So schnell konnten Umfeld und Vertrauen nicht mitwachsen, plötzlich gaben sich diverse Berater und Experten die Klinke in die Hand. Gern hätten es einige Transfers oder Trainerwechsel weniger sein dürfen, doch so kam Unruhe auf, und es sprangen nur die Plätze drei und fünf heraus - mit jeweils 19 Punkten Rückstand auf Meister Altona 93.

Der AFC hat die Klasse inzwischen zwar nach oben verlassen, aber auch der Abstand zur TuS Dassendorf betrug 19 Punkte. Diese Lücke gilt es nun aufzuholen, und dazu wurde noch einmal in den Kader investiert: Neuzugang Ogechika Heil (24) spielte beim HSV in der 2. Liga, in die er später mit Preußen Münster aufstieg. Dazwischen lag sogar eine Saison in der niederländischen Ehrendivision. Lennart Appe (21) wäre ohne eine lange Verletzungspause längst Profi, nun bekam Hamburgs Nachwuchsfußballer des Jahres 2022 beim FC St. Pauli keinen neuen Vertrag mehr. Erolind Krasniqi (25) war vor einem halben Jahr noch Profi in der Türkei. Hinzu kommen einige regionalligaerfahrene Akteure, aus denen Trainer Jan-Philipp Rose in seiner ersten kompletten Saison einen Titelkandidaten formen soll - so verkehrt war der alte Kader um Sebastian Hertner (34, 95 Zweitligaeinsätze) ja schließlich auch nicht.

Wie stark der neue ist, kann der ETSV gleich mal zum Saisonstart beweisen: Zum Oberliga-Eröffnungsspiel am 25. Juli an den traditionsreichen Sander Tannen in Bergedorf hat sich der ETSV gleich die TuS Dassendorf eingeladen, um Hamburgs Fußball-Osten zu begeistern. Der Kassierer dürfte diesmal zumindest alle Hände voll zu tun haben ...