Die Statistiken liefern eigentlich ein recht ausgeglichenes Bild. In puncto Ballbesitz war Nordirland gegen die Slowakei sogar deutlich unterlegen (38:62 Prozent), doch was die Chancen angeht, da hatte Nordirland ein deutliches Plus. Das Team von Trainer Michael O'Neill hätte sogar noch höher gegen den Deutschland-Bezwinger gewinnen können. Gerry Armstrong, der zwischen 1977 und 1986 auf 63 Länderspiele für die Nordiren absolvierte und mit der Auswahl bei der WM 1982 die Zwischenrunde erreichte, sprach gar von der besten Leistung in den letzten zehn bis 15 Jahren. Der 71-Jährige lobte das "Selbstvertrauen" der Spieler sowie den "Glauben ineinander. Das liebe ich an ihnen."
Auch Stephen Craigan ist mit 54 Einsätzen ein verdienter, ehemaliger Nationalspieler. Doch den 48-Jährigen beschäftigten nach dem 1:3 gegen Deutschland im Hinspiel mehr die Aussagen von Julian Nagelsmann, die in Nordirland gar nicht gut angekommen sind. Nagelsmann hatte damals bei der BBC erklärt, es sei nicht einfach gewesen, die vielen langen Bälle zu verteidigen. Nordirland habe "jede Standardsituation und jeden freien Ball lang gespielt und ist mit zehn Mann auf die zweiten Bälle gegangen. Diese Art von Fußball ist nicht besonders schön anzusehen, aber sie ist effektiv und nicht so einfach zu verteidigen.“
TV-Experte Craigan empfand die Aussage als "ein wenig respektlos", Nationalcoach O'Neill konnte sie schlicht schwer nachvollziehen. Er habe sich das Spiel noch einmal angesehen und kam zu dem Schluss: "Deutschland hat auch viele lange Bälle gespielt.” Außerdem sei es nicht sein Job, "meine Mannschaft darauf vorzubereiten, dass der andere Trainer hier herkommt und uns schlägt. Es ist meine Aufgabe, meine Mannschaft so aufzustellen, dass es für den Gegner so schwierig wie möglich wird, und genau das werden wir wieder tun.“, verteidigte er seine Taktik. Die BBC schrieb, dass Nagelsmann jedenfalls für "extra Motivation" bei den Hausherren gesorgt habe.
Kapitän Bradley fehlt gesperrt - Starke Heimserie
Dass mit Conor Bradley der Kapitän des Teams eine Gelbsperre absitzen muss, ist allerdings eine bittere Pille für die Nordiren. Der Liverpooler gehörte gegen die Slowakei zu den herausragenden Akteuren und trug maßgeblich dazu bei, dass O'Neill von "einer der besten Leistungen" unter seiner Führung sprach.
Für Nordirland spricht hingegen die starke Heimbilanz: Seit sieben Spielen hat die "Green & White Army" zu Hause nicht mehr verloren, unter anderem stolperten dort Dänemark (0:2) und die Schweiz (1:1).