24 Jahre lang führte Levy die Geschicke bei den Spurs, nun endet diese Ära abrupt. Unter seiner Ägide mauserten sich die Londoner zu einem europäischen Topklub, der Verein spielte in den letzten 18 von 20 Spielzeiten international und ist weltweit eine bekannte Marke. Sportlich dürfte der Gewinn der Europa League vergangenen Mai (1:0 gegen Manchester United) ganz besonders herausstechen.
Doch gerade wirtschaftlich hatten die Engländer in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten oftmals die richtigen Entscheidungen getroffen: Investitionen in die Jugendakademie, die eigene sportliche Infrastruktur sowie der Bau einer neuen hochmodernen Arena für über eine Milliarde Pfund, in der auch Jahr für Jahr offizielle NFL-Spiele stattfinden, entfielen in Levys Zeit.
Er genießt auch einen Ruf als knallharter Verhandler, eine Kostprobe erhielt unter anderem der FC Bayern, als es 2023 um den Transfer von Harry Kane an die Säbener Straße ging. Zum Grund seines plötzlichen Ausscheidens wurden keine Angaben gemacht.
Levy blickt zufrieden zurück
Derweil fällt Levys Fazit positiv aus. "Ich bin unglaublich stolz auf die Arbeit, die ich gemeinsam mit der Geschäftsleitung und allen unseren Mitarbeitern geleistet habe. Wir haben diesen Verein zu einem globalen Schwergewicht gemacht, das auf höchstem Niveau spielt. Mehr noch, wir haben eine Gemeinschaft aufgebaut", sagt der 63-Jährige in einer Klubmitteilung und merkte an: "Es war nicht immer ein einfacher Weg, aber es wurden bedeutende Fortschritte erzielt. Ich werde diesen Verein weiterhin leidenschaftlich unterstützen."
Trotz seiner Verdienste war Levy, der auch Anteilseigner bei den Spurs ist, bei den Fans nicht unumstritten, nicht zuletzt wegen unpopulärer Entscheidungen. So entließ er in diesem Sommer mit Ange Postecoglou genau den Trainer, der in seinem zweiten Jahr wie zuvor angekündigt einen Titel gewann, der Europa-League-Pokal war der erste Titel für Tottenham nach 17 Jahren Wartezeit.
"Das ist nicht genug. Wir wollen die Premier League gewinnen. Wir wollen die Champions League gewinnen", argumentierte damals Levy, der auch absolut unzufrieden war mit dem Abschneiden der Spurs in der Liga. Die Nordlondoner beendeten in der vergangenen Saison die Premier League auf dem extrem enttäuschenden 17. Tabellenplatz.
Ihre ambitionierten Ziele werden die Spurs fortan nun aber ohne den 63-Jährigen in entscheidender Funktion angehen, ohnehin wird es Levys Posten künftig beim Premier-League-Klub gar nicht mehr geben. Sein Job wird nämlich zweigeteilt: Vinai Venkatesham wird neuer Chief Executive Officer (CEO), während Peter Charrington als neues Vorstandsmitglied den neu geschaffenen Posten des Non-Executive Chairman ausüben wird.
"Das ist eine neue Ära der Führung für den Verein, sowohl auf als auch neben dem Spielfeld", sagte Charrington und betonte, dass man sich im Klub darüber im Klaren sei, "dass es in den letzten Monaten viele Veränderungen gegeben" habe und erklärte dies damit, "neue Grundlagen für die Zukunft" geschaffen zu haben. Jetzt aber wolle man sich darauf konzentrieren, wieder für Stabilität zu sorgen.
Während es also auf geschäftsführender Ebene große Umwälzungen gibt, wird es keine Änderungen an der Eigentums- oder Aktionärsstruktur des Klubs geben.