Da der Heidenheimer Frank Schmidt der Schönfärberei bekanntlich gänzlich unverdächtig ist, hat es Gewicht, wenn er bezüglich seiner Mannschaft mal so eben ein "Hut ab" in den Raum stellt. So jedenfalls fällt sein Zwischenfazit aus, nachdem über die Hälfte der Vorbereitung in Nats-Schabs (Südtirol) absolviert und das einzige Testspiel dort gegen den österreichischen Drittligisten Wacker Innsbruck durch zwei Treffer von Stefan Schimmer mit 2:0 gewonnen wurde.
Was von außen betrachtet vor allem in der ersten Hälfte mit etlichen kleinen Fehlern im Angriffsspiel ein wenig mühsam daherkam, stimmte Schmidt indes sehr zufrieden - allerdings aufgrund seines Hintergrundwissens. "Es war der fünfte Tag. Was die Jungs bisher geleistet haben, inhaltlich gesehen wie auch vom Engagement her, war allererste Sahne. Deswegen bin ich fast ein wenig überrascht, dass wir, obwohl wir so hoch verteidigten, und eine gewisse Müdigkeit unverkennbar war, so gut verteidigten. Das Schlimmste, was uns in dem Test hätte passieren können, wäre ein 0:0 gewesen, wenn wir keine unserer Chancen genutzt hätten", führt der FCH-Trainer aus.
Wie wahr, eine Chance hatte Wacker, und die resultierte aus einem Flüchtigkeitsfehler im Aufbau, ansonst war erst Stammkeeper Kevin Müller und dann der in der Mitte der zweiten Hälfte eingewechselte Paul Tschernuth beschäftigungslos.
Ungeachtet dessen sorgt die Torhüterfraktion für den bislang einzigen Wermutstropfen in den Tagen südlich vom Brenner. Frank Feller, Keeper Nummer 2, blieb im Training vor dem Testspiel im Rasen hängen, verdrehte sich dabei das Knie und konnte anschließend nicht mehr auftreten. Der Verdacht, dass es sich um eine schwere Verletzung handeln könnte, drängte sich auf und wurde später Gewissheit: Feller wurde ins Tal nach Brixen zu einem Radiologen gefahren, der dann einen Außenbandriss am rechten Knie diagnostizierte, der operiert werden muss. Eine bittere Pille für alle Beteiligte, allen voran natürlich für Feller selbst.
Muss der FCH auf dem Transfermarkt aktiv werden?
"Es tut mir sehr leid für Frank. Er hat so eine gute Saison gespielt und nun daran in der Vorbereitung nahtlos angeknüpft. Das ist fraglos sehr bitter für ihn, doch auch das gehört leider zum Fußball", sagt Schmidt über das 21-jährige Eigengewächs, das in der vergangenen Spielzeit mehrmals zeigen konnte, warum er den Ruf eines vielversprechenden Talents genießt.
In der Liga vertrat er die FCH-Torhüterikone Müller nach dessen Kopfverletzung zweimal blendend, zuvor hatte der ehemalige deutsche U-19-Keeper bereits mit drei bemerkenswerten Spielen in der Conference League aufgewartet. Kein Wunder, dass der FCH erst kürzlich seinen Vertrag verlängerte und dies mit dem Vermerk versah "ihm gehört die Zukunft".
In der Gegenwart jedoch hat der FCH das akute Problem, dass er ohne eine Nummer 2 dasteht. Routinier Vitus Eicher (34), der sich in der vergangenen Saison diesen Status zunächst mit Feller teilte, ist am letzten Spieltag nach acht Jahren beim FCH verabschiedet worden. Somit verbleibt aktuell nur Tschernuth, die klare Nummer 3. Der 23-Jährige konnte in den vergangenen Jahren aber so gut wie keine Spielpraxis sammeln.
Somit könnte der FCH gezwungen sein, noch einen Torhüter zu verpflichten. Das Risiko, im Falle eines Falles für eine längere Zeit in der Bundesliga auf den unerfahrenen Tschernuth zurückgreifen zu müssen, ist jedenfalls ein sehr hohes. Somit hängt die Frage, zusätzlicher Torhüter ja oder nein, einzig allein daran, wie lange Feller ausfällt. "Genau wissen wir das erst nach der Operation, die hoffentlich noch in dieser Woche stattfinden kann", erläutert Schmidt. Vorstandsboss Holger Sanwald, der zum Test nach Nats-Schabs anreiste, dürfte vorsorglich schon mal die ein oder andere Sondierungsrunde auf dem Transfermarkt drehen.