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Prietl: "Bielefeld könnte auch locker 75.000 ins Olympiastadion bringen"

kicker

Spielte sieben Jahre für die Arminia

Herr Prietl, Arminia Bielfeld kann am Samstag (20 Uhr, LIVE! bei kicker) Historisches erreichen. Zehntausende Fans werden in Berlin erwartet. Hätte Ihr Ex-Klub auch das Potenzial, das gesamte Olympiastadion mit fast 75.000 Sitzen zu füllen?

Wenn man wirklich alle Leute animiert... (lacht) Man merkt das auch immer bei den Erfolgen. Zu meiner Zeit, als wir in die Bundesliga aufgestiegen sind, war leider Corona. Damals war alles sehr streng und trotzdem waren 25.000 Menschen mit dabei. Und ich habe mir sagen lassen, dass bei früheren Aufstiegen bis zu 120.000 Leute am Rathausplatz waren. Ich schätze die Fankultur der Arminia so ein, dass sie auch locker 75.000 ins Olympiastadion bringen können.

Auf dem Weg ins Endspiel hat die Arminia gleich vier Bundesligisten ausgeknockt. Bei den Fans lautet der Grundtenor: Wer Leverkusen schlägt, kann auch Stuttgart schlagen. Unterschreiben Sie das?

Jeder, der einmal Fußball gespielt hat, weiß, dass in einem Spiel alles möglich ist. Auch wegen diesem Pokalgesetz, das in Deutschland einfach herrscht. Weil in Deutschland hast du das immer wieder, dass vermeintlich kleinere Teams aus der dritten oder vierten Liga die ganz Großen schlagen können. Ich glaube definitiv, dass sie es schaffen können. Es stellt sich für mich nur eine Frage: Wie kommen sie mit der Atmosphäre klar? Wenn sie diesem Druck, vor 75.000 Leuten zu spielen, standhalten, dann ist alles möglich. Es wäre in jedem Fall etwas völlig Historisches... Meistertitel, Pokalsieger und dann auch noch in der Europa League nächste Saison. Unfassbar.

Dabei musste man in Bielefeld vor nicht allzu langer Zeit ums sportliche Überleben zittern...

Im letzten Jahr haben sie gefühlt in letzter Sekunde den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft. Ich erinnere mich da an einen Stangenschuss in der Nachspielzeit, dank dem sie noch ein Remis geholt haben. Wenn der reingeht, ist Ende im Gelände. Dann reden wir vom gleichen Schicksal, das jetzt Sandhausen widerfahren ist. Deshalb muss man immer im Kopf haben, wo man herkommt. Aber ich glaube, die Leute wissen das. Und deshalb ist es jetzt umso schöner, was man da jetzt erleben kann - selbst wenn das Pokalfinale nicht gewonnen wird.

Sie haben beeindruckende sieben Jahre in Bielefeld verbracht - mit allen Höhen und Tiefen, die der Profisport mit sich bringt. Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Tage auf der Alm?

Klar, das werde ich nie vergessen. Ich bin damals (im Sommer 2016, Anm.) durch den Medizincheck von Red Bull Salzburg gefallen. Und trotzdem hat mir Christoph Freund die Rutsche nach Deutschland gelegt. Und so ist das dann entstanden mit Bielefeld. Für mich war das eine Riesenumstellung. In Nordrhein-Westfalen gilt es ja bis oben nach Hamburg das reinste Deutsch zu sprechen, da gibt es einfach keinen Akzent... und dann kommst du als Steirer hin (lacht). Ich musste mich sehr bemühen, dass sie mich überhaupt verstehen. Und auch sportlich hatte es das erste Jahr in sich, mit einem beinharten Abstiegskampf und gleich vier Trainerwechsel.

Zumindest den Abstiegskampf haben Sie schon von Ihrer Mattersburg-Zeit gekannt...

(lacht). Ja, das stimmt. Wobei man sagen muss, dass das in Deutschland aufgrund der Fankultur noch einmal etwas völlig anderes ist. Dort hast du in jeder Partie einen großen Anhang dabei. Aber wir haben die Klasse gehalten und dann ist es sportlich einige Jahre praktisch nur bergauf gegangen. Wir sind dann in meinem zweiten Jahr Vierter geworden, im dritten Jahr Siebenter und im vierten Jahr sind wir dann in die Bundesliga aufgestiegen. Und mit so einem kleinen Etat den Klassenerhalt in der Bundesliga zu schaffen, ist etwas Sensationelles.

Doch dann kam der große Fall.

Es ist enorm schwierig, im Konzert der Großen mitzuspielen. Die Mannschaften, die Jahr für Jahr in der Bundesliga spielen und sich dort etabliert haben, haben einfach den Vorteil, dass sie eine irsinnige Summe an TV-Gelder bekommen. Einen Abstieg in die 2. Liga, das kannst du als Verein noch gut verkraften. Das wird einfach irgendwann passieren, weil du auch einfach nicht die Mittel hast. Aber dass es gleich durchgeht in die 3. Liga, war nicht abzusehen. Man muss sagen, dass man das Ganze auch ein wenig leichtsinnig angegangen ist. Man wollte den ganzen Verein damals komplett umstrukturieren. Viele ältere Spieler, die noch Vertrag gehabt hätten und einen Stamm gebildet haben, wurden verkauft und viele junge Spieler geholt. Man wollte einen neuen Weg gehen. Junge Leute holen und teuer verkaufen. Und das ist voll in die Hose gegangen.

Vermissen Sie das Leben dort ein Stück weit oder überwiegt die Freude, wieder in der Heimat zu sein?

Ich vermisse es schon sehr. Also ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich Bielefeld nicht vermisse, weil es einfach eine richtig coole Zeit war. Meine Tochter ist dort geboren, wir haben sieben Jahre dort gelebt. Viele Freunde gewonnen, viele Nachbarn gehabt, weil wir immer wieder umgezogen sind in Bielefeld. Wir sind auch noch zwei, drei Mal im Jahr dort und das wollen wir auch aufrechterhalten. Ich verbinde sehr viel Positives mit dieser Stadt, mit diesem Verein.

Welchen Platz hat diese Zeit noch in Ihen Leben? Haben Sie einige Erinnerungsstücke von damals zuhause aufgestellt?

Mein Bruder hat Trikotsammlungen aus der Bundesliga und meine Eltern haben praktisch alles aufbehalten von den sieben Jahren (lacht). Ich habe die Erinnerungen im Kopf. Und das ist das, was bleibt. Im ganzen Leben bleibt dir kein materielles Ding, aber die Momente, die du erlebt hast, das bleibt für immer. Ich bin damals aus meiner eigenen Komfortzone herausgegangen und den Schritt nach Bielefeld gegangen. Und das macht was mit dir. Das war für mich auch ein bisschen die Schule des Lebens.

„Die Ära Klos, Ära Prietl, ich glaube, dass wir schon unsere Spuren hinterlassen haben in Bielefeld.“ (Manuel Prietl)

Wie nah dran sind Sie denn noch am Geschehen?

Die Verbindung ist schon noch da. Es war eben eine enorm prägende Zeit damals. Die Ära Klos, Ära Prietl, ich glaube, dass wir schon unsere Spuren hinterlassen haben in Bielefeld. Es sind noch viele Vereinsmitglieder da. Mit Stefan Ortega, der gerade bei Manchester City spielt, bin ich noch oft im Austausch. Ich bin auch der Trauzeuge von ihm. Wir waren eine richtig gute Truppe und wenn du Erfolg zusammen hast, dann schweißt das zusammen. Das war schon so eine kleine Familie.

Was sagen denn Ihre früheren Wegbegleiter? Holt die Arminia den Pokal?

Es sind sich eigentlich alle einig, dass sie das Zeug dazu hat. Man hat es besonders in dieser Pokalsaison gesehen, dass Bielefeld zwar immer in dieser Außenseiterrolle ist, aber enorm unangenehm zu bespielen ist, weil so viele junge, hungrige Leute dabei sind. Was jetzt entstanden ist, da muss man echt den Hut ziehen vor den Funktionären, vor dem Trainerteam, das dort arbeitet. Das ist echt eine tolle Arbeit, die dort geleistet wird. Sehr, sehr verdient im Pokalfinale und eben auch der Aufstieg in die 2. Liga.

Wie lautet Ihr Tipp für das Endspiel?

2:1 für Arminia Bielefeld, nach regulärer Spielzeit.