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Raums Chance: Plötzlich Platzhirsch

kicker

Debatten um die Qualität der deutschen Linksverteidiger gibt es inzwischen fast schon so lange wie den Fußball selbst. Unter Bundestrainer Joachim Löw gehörte die Frage danach fast schon zur Pflicht für die Journalisten - was Löw einst zur Klage nutzte, er könne sich nun mal keine schnitzen. Auch sein Nach-Nachfolger Julian Nagelsmann besitzt bei all seinen Fähigkeiten diese besondere Gabe nicht - zumindest nicht, dass es öffentlich bekannt wäre. Auch er muss also damit leben, was ihm an Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung steht.

In Brown ist erstmals beim DFB dabei

In den vergangenen anderthalb Jahren nominierte er regelmäßig Maximilian Mittelstädt und David Raum, die eine Art Jobsharing betrieben. Das permanente Wechselspiel erhöhte zwar nicht unbedingt die Festigkeit des Gesamtkonstrukts, bot aber beiden Spielern die Möglichkeit, für sich zu werben. Und bei aller Kritik, die vor allem im Kalenderjahr 2024 an den Auftritten der deutschen Mannschaft geübt wurde: Die linke Abwehrseite wurde nicht als Hauptproblem ausgemacht. Was sowohl Raum als auch Mittelstädt durchaus als kleines Lob verstanden wissen durften.

Vor den immens wichtigen Oktober-Länderspielen hat Nagelsmann das Duo nun auseinandergerissen. Mittelstädt blieb daheim, obwohl er bei der 0:2-Niederlage im September in der Slowakei noch einer der besseren Deutschen war und jüngst beim 1:0-Sieg seines Klubs VfB Stuttgart gegen Heidenheim als Vorbereiter des entscheidenden Tores in Erscheinung trat. Der Leipziger Raum wurde dagegen abermals nominiert und darf sich daher vor den WM-Qualifikationsspielen gegen Luxemburg (Freitag) und in Nordirland (Montag) als Platzhirsch gegenüber dem erstmals berufenen Frankfurter Nathaniel Brown fühlen.

Raum hat bislang 30 Länderspiele absolviert

"Ich glaube, ich habe mir das verdient, dass ich hier dabei sein darf. Nene (Brown, Anm. d. Red.) bringt auch sehr, sehr gute Leistungen. Ich schaue einfach, dass ich meine Leistung bringe. Und wenn ich dann spielen darf, ist das eine Bestätigung für mich", sagt Raum selbst zur Situation. Der 27-Jährige ist nicht nur Kapitän von RB Leipzig, sondern auch clever genug, allzu laute Eigenwerbung zu unterlassen.

Was er der DFB-Elf geben kann, ist nach seinen bisherigen 30 Länderspielen klar: Raum bringt eine hohe Emotionalität und Entschlossenheit mit, schlägt scharfe Flanken und Standards und gibt offensiv immer wieder gute Impulse. Dass er dabei manchmal eine Umdrehung an der Emotionalitätsschraube zu viel dreht, ist ebenfalls kein Geheimnis mehr - und geht teils zu Lasten der defensiven Stabilität. An Demut oder Ernsthaftigkeit indes mangelt es ihm nie.

"Ich versuche, bei mir zu bleiben"

"Es ist für mich immer etwas Besonderes, beim DFB-Team dabei zu sein, auch mit meiner Geschichte", sagt der gebürtige Nürnberger, der einst auf dem Adidas-Campus jobbte, wo er in den ersten Tagen dieser Länderspielperiode nun wieder im sogenannten Home Ground untergebracht ist. In Fürth drohte seine Karriere früh in einer Sackgasse zu enden, weil er über die Rolle als Ersatzspieler zunächst nicht hinauskam. Bis er plötzlich den Turbo zündete, über eine Zwischenstation in Hoffenheim schließlich bei Leipzig landete und dort inzwischen ein unumstrittener Leader ist.

In der DFB-Elf ist ihm dieser Schritt bislang noch nicht gelungen. Die Debatte um die Bestbesetzung der deutschen Linksverteidiger-Position läuft ungebremst weiter - was natürlich auch Raum nicht entgangen ist. "Ich kriege natürlich mit, dass immer diskutiert und über Außenverteidiger-Probleme geredet wird", gibt er zu. "Aber ich versuche, bei mir zu bleiben. Ich glaube an mich und meine Fähigkeiten." Gegen Luxemburg dürfte er diese wieder zeigen dürfen.