Es scheint, als gehe von diesem Neuanfang tatsächlich ein Zauber aus. Die Frustration und der Schwermut der letzten Wochen der vergangenen Saison sind wie weggeblasen. Bei den Würzburger Kickers herrscht vor der vierten Regionalliga-Saison in Folge sogar so etwas wie Vorfreude.
Bereits am 11. Juni versammelte Trainer Marc Reitmaier das Team erstmals auf dem Trainingsplatz. Ein Frühstart, der auch ein Zeichen setzen soll. Unter dem Neuen ist in der Vorbereitung harte Arbeit angesagt. Die Würzburger wollen als Profiteam in Zukunft auch die körperlichen Vorteile gegenüber einigen Kontrahenten ausspielen - das war in der vergangenen Saison kaum einmal gelungen.
Vor allem aber soll mit Reitmaier, der auch mit einem völlig neu zusammengestellten Trainerteam die Arbeit aufgenommen hat, jene Leidenschaft in den Klub zurückkehren, die zuletzt verloren gegangen schien. "Für mich ist dieser Verein wirklich etwas ganz Besonderes", betont der Neu-Trainer auch zu Beginn seiner Tätigkeit.
„Ich weiß, was es bedeutet, dieses Wappen zu tragen.“ (Marc Reitmaier)
Sein Vater Gerd ist Ehrenspielführer der Kickers. Schon als Sechsjähriger sei er einst in der Kabine dabei gewesen, berichtet Marc Reitmaier und zählt zwölf Jahre, in denen er als Jugendkicker, Spieler in der ersten Mannschaft und Nachwuchstrainer schon für die Kickers tätig war. Da spielt die Vergangenheit bei den Erzrivalen Würzburger FV und FC Schweinfurt 05 dann auch keine Rolle: "Ich weiß, was es bedeutet, dieses Wappen zu tragen", sagt er nun mit dem Kickers-Logo auf der Brust.
Da passt es gut, dass neben dem Trainer mit Peter Kurzweg, Daniel Hägele und Dominik Meisel, der seinen Vertrag kurz vor Vorbereitungsstart auch noch verlängerte, drei Spieler weiterhin an Bord sind, die schon in der 2. Bundesliga für die Würzburger kickten. Sie sollen das Team führen - zusammen mit Eroll Zejnullahu. Der Ex-Bayreuther war schon beim ersten Test, dem 4:1 gegen Landesligist ASV Rimpar auffällig. Dreifacher Torschütze dabei war aber Nachwuchsakteur Tiago de Moura Moraes. Auch die eigene Jugend soll in Zukunft eine deutlich wichtigere Rolle spielen. Außerdem trug sich Maximilian Fesser in die Torschützenliste ein.
Doch beim Aufgalopp zeigte sich auch gleich, wo bei der Kaderzusammenstellung derzeit noch der Schuh drückt. In Abwehr und Mittelfeld scheint schon ein gutes Gerüst vorhanden zu sein. Sieben externe Neuzugänge hat Reitmaier bereits im Training dabei. Im Sturm sind noch Planstellen unbesetzt. Das war beim ersten Test unübersehbar. "Das Herausspielen von Torchancen hat sehr gut geklappt, das Verwerten leider noch nicht", stellt Reitmaier fest.
Wenn es um den finanziellen Spielraum geht, so hat sich eine Ungewissheit inzwischen geklärt. Ex-Trainer Martin Lanig, dessen Vertrag ursprünglich bis 2026 datiert war, ist inzwischen als Assistent von Alexander Zorniger beim dänischen Erstligisten Odense BK aufgeschlagen. Er steht also ganz sicher nicht mehr auf der Gehaltsliste. Indes betreiben die Kickers in dieser Woche weiter Spieler-Casting. So spielte in dieser Woche unter anderem auch der Ex-Burghausener Niklas Doll bei den Trainingseinheiten vor.