Von der U-21-EM in der Slowakei berichten Tim Lüddecke und Michael Pfeifer
Zwei Spieler waren angeschlagen aus der Viertelfinalpartie gegen Italien (3:2 n.V.) gegangen, trotzdem standen sowohl Kapitän Eric Martel (Adduktoren) als auch Max Rosenfelder (Oberschenkelrückseite) auch gegen Frankreich wieder in der Startelf. Während Martel trotz der kurzen Regenerationszeit und der dazwischenliegenden Reisestrapazen unbeschwert und unbeschadet durch kam, war die Partie für Rosenfelder nach elf Minuten schon wieder beendet.
Sofort griff sich der Freiburger erneut an die lädierte Stelle am linken hinteren Oberschenkel, der diesmal offensichtlich einen strukturellen Schaden davongetragen hat. Der Innenverteidiger konnte nicht mehr laufen und verfolgte später dick bandagiert und auf Krücken gestützt den Einzug der Kollegen ins EM-Finale.
Di Salvo: "Es macht mich traurig"
Emotionale Momente für den 22-Jährigen, der seine Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, minutenlang hielt ihn Cheftrainer Antonio Di Salvo nach dem Abpfiff tröstend in den Armen. "Es macht mich traurig, ihn weinen zu sehen, das tut weh", sagte Di Salvo später, "der Verlust von Max Rosenfelder tut uns allen sehr, sehr weh. Es war und ist ein Schock. Wir gehen von einer Muskelverletzung aus, weswegen er das Finale definitiv verpassen wird, alles andere wäre ein Wunder."
Der Freiburger, der auch im Klub immer mal wieder von Blessuren zurückgeworfen wurde, hatte sich in der U 21 mit seiner Schnelligkeit, Übersicht und Zweikampfstärke in Phasen geringer Spielpraxis im Klub einen Stammplatz erobert und war zu Anfang der EM, als Nebenmann Bright Arrey-Mbi noch um seinen Rhythmus zu finden bemüht war, der Lenker der deutschen Abwehrreihe.
Rosenfelders großer Anteil
Nun wird Rosenfelder den absoluten Höhepunkt verpassen, ein Drama für den Spieler. "Ich habe ihn einfach nur in den Arm genommen, weil man in solchen Situationen gar nicht weiß, was man sagen soll", schilderte Di Salvo, "am Ende habe ich ihm trotzdem gratuliert für eine bisher hervorragende EM, die er gespielt hat, er hat am Erfolg einen großen Anteil. Ich habe ihm gesagt, dass wir versuchen werden, für ihn den Titel zu holen."
Auch im traditionellen Kreis direkt nach der Partie war der Pechvogel natürlich Thema. "In der Ansprache an die Mannschaft noch auf dem Spielfeld habe ich auch einige Worte zu Max gefunden, weil wir eine Mannschaft sind, die empathisch ist und die zusammenhält."
Völler über den "wunderbaren Teamspirit"
Und weil das so ist, dürfte der persönliche Rückschlag für Rosenfelder im Team freilich weitere Kräfte und zusätzliche Motivation freisetzen für das Finale am Samstag, in dem Deutschland nach dem 2:1 im dritten Gruppenspiel erneut auf England treffen wird.
Auch Rudi Völler litt mit Rosenfelder. "Das sind die Emotionen direkt nach dem Spiel, da geht es eigentlich weniger um die Verletzungen, die natürlich schlimm sind, er wird natürlich nicht spielen können und einige Wochen ausfallen", so der Ex-Weltmeister, "das ist einfach die Enttäuschung, dass er beim Finale nicht dabei ist, weil er eine super Europameisterschaft gespielt hat."
Der DFB-Sportdirektor weiter: "Das tut im ersten Moment weh, aber die Spieler - so habe ich sie hier mit diesem wunderbaren Teamspirit erlebt - werden ihn schon wieder aufbauen."