Von der U-21-EM in der Slowakei berichten Tim Lüddecke und Michael Pfeifer
Es kamen gleich mehrere Argumente zusammen, dass Merlin Röhl seine "Situationsentscheidung" traf - und in der 117. Minute zum Abschluss ansetzte: "Ziemlich viel Platz, Strafraumnähe, ein Spieler im Sichtfeld vom Torwart und eine freie kurze Ecke", erklärte der 22-Jährige: "So etwas passiert dann einfach."
Der Ball schlug im linken Eck ein und bedeutete letztlich den 3:2-Siegtreffer in der Verlängerung, bevor sich neun verbliebene Italiener fast auch noch ins Elfmeterschießen dieses U-21-Viertelfinals gerettet hätten. Zuvor hatten sie ja bereits mit dem Ausgleich in der sechsten Minute der Nachspielzeit ihre Chancen gewahrt - trotz zweier Gelb-Roten Karten.
"Das hat schon was mit uns gemacht. Man hat gemerkt im Team: Okay, da müssen wir jetzt drüber hinweggehen", so Röhl, der somit von einem "Auf und Ab der Gefühle" sprach. Auch er hatte ja nach der deutschen 2:1-Führung in doppelter Überzahl den Halbfinaleinzug ebenfalls als "irgendwie schon sicher" erachtet.
Später Rückschlag für U 21: "Wir wachsen daran"
Dass es zunächst noch nicht dazu reichte, stufte der eingewechselte Mittelfeldspieler jedenfalls als "eine Erfahrung für das ganze Team" ein: "Es wird vielleicht noch so ein Moment kommen", sagte er über den späten Rückschlag zum 2:2: "Wir wachsen einfach daran."
Insbesondere für den Profi des SC Freiburg wurde der Sonntagabend in Dunajská Streda zu einem persönliches Positiverlebnis, von denen sich in der abgelaufenen Spielzeit im Klub ja nicht so allzu viele ergeben hatten. Aufgrund von Verletzungen kam Röhl in der Bundesliga lediglich elf Mal in der Startelf zum Einsatz - blieb ohne Tor.
Sein Treffer für die U 21 bedeutete ihm daher nun "schon viel, ja", berichtete er in der Mixed Zone: "Ich habe den Moment sehr genossen, ich genieße ihn auch jetzt noch."
Röhl will "in der Mitte bleiben"
Angesichts der Höhen und Tiefen, die seine Saison in Freiburg abgebildet haben, zeigte sich Röhl "noch dankbarer: Ich versuche, die Emotionen nicht zu sehr zu mir kommen zu lassen, sondern in der Mitte zu bleiben, damit ich ready für das nächste Spiel bin."
Im Halbfinale trifft die DFB-Auswahl am Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) in Kosice auf Frankreich. Und neben seinem Tor konnte Röhl ja ebenfalls noch die Flanke vor dem deutschen Treffer zum 2:1 als Startelfargument liefern, als mit Nelson Weiper ebenfalls ein Joker traf.
Die zweite Reihe im DFB-Kader erwies sich damit jedenfalls wie schon im dritten Gruppenspiel gegen England (2:1) als überaus verlässlich und wertvoll. "Das kann uns auch für das nächste Spiel helfen", befand Röhl, "weil es einfach ein total harter Rhythmus ist". Dem einen Tag der Regeneration, inklusive einer 400 Kilometer langen Reise in den Osten der Slowakei, folgt nur der Trainingstag am Dienstag.