Sportdirektor Anthony Loviso sprach nach der 1:3-Heimniederlage des SV Sandhausen im Saisonfinale gegen den FC Homburg von einer durchwachsenen Runde mit Licht und Schatten. Aber vielleicht ist es gar nicht so unvorteilhaft, dass die Achterbahnfahrt des Drittliga-Absteigers nicht auf dem dritten, was bei einem Sieg der Fall gewesen wäre, sondern auf dem achten Platz endete.
Es wären zu viele Vorschluss-Lorbeeren gewesen, nachdem es der SV Sandhausen mit drei namhaften Neuzugängen bereits in die Schlagzeilen geschafft hat. Mit Stefan Maderer, 14-maliger Torschütze für den Nordost-Meister Lok Leipzig, Marco Kehl-Gomez, Kapitän des Südwest-Vizemeisters Freiberg, und Mert Tasdelen vom Aufsteiger Großaspach, kommen Schwergewichte. Aus dem Regal für gehobene Ansprüche ist auch Felix Lohkemper. Der Drittliga-Torjäger möchte nach Sandhausen, hat aber noch einen Vertrag beim SV Waldhof.
Klasse statt Masse
Klasse statt Masse ist diesmal das Motto. Der Transfermeister, der Jahr für Jahr den Kader auf 20 und mehr Positionen veränderte, will sich weitgehend damit begnügen, seine fünf Abgänge zahlenmäßig zu ersetzen und sich qualitativ zu verbessern. Die ausgeliehenen Benedikt Wimmer, Robert Ramsak und Marvin Schulz kehren zu Bayern München, RB Leipzig und Preußen Münster zurück. Berk Inaler, in der Vorrunde noch Stammspieler, in diesem Jahr verletzt und ohne Einsatz, verlässt den Verein.
Der Abschied von Pascal Testroet ist ein Einschnitt. Der 35-jährige Kapitän, der in Niedersachsen zu Hause ist, erzielte gegen Homburg sein 21. Saisontor und hat die Qual der Wahl. 26 Angebote habe er bekommen, seit feststeht, dass er der Kurpfalz den Rücken kehrt, weil er näher bei der Familie sein will.
Fragezeichen bleiben
Das Gerüst steht. Eine Achse mit erfahrenen Spielern soll für mehr Stabilität sorgen. Im Spätherbst und Winter, als sich Sandhausen nach kapitalem Fehlstart der Tabellenspitze näherte und im Frühjahr, als es nach dem Trainerwechsel von Olaf Janßen zu Kevin Stotz vier Siege hintereinander gab, deuteten die Kurpfälzer an, dass sie die Qualität haben, um in die Dritte Liga zurückzukehren.
Doch es gibt Fragezeichen. Kehl-Gomez feierte am Tag der Vertrags-Unterzeichnung seinen 35. Geburtstag. Das muss kein Nachteil sein, wie Testroet bewies. Maderer hat seit Mitte April nicht mehr gespielt. Der Haarriss im Fuß sei bis zum Trainingsbeginn am 24. Juni auskuriert, sagt Loviso.
Doch schon jetzt steht fest, dass von den Langzeit-Verletzten mit Sicherheit Denis Pfaffenrot und wahrscheinlich auch Maxi Wagner und Leon Ampadou die Vorbereitung nicht vom ersten Tag an mitmachen werden. Ganz zu schweigen von Pablo Zahnen Martinez und Nico Nollenberger, die wegen Kreuzbandrissen lange ausfallen.
"Wir gehen auf dem Zahnfleisch"
Stotz hat von Janßen ein Lamento übernommen, das während der gesamten Saison zu hören war. "Wir gehen auf dem Zahnfleisch", klagte der 35-jährige Sportwissenschaftler auch vor dem Spiel gegen Homburg. Acht Spieler standen nicht zur Verfügung. Am Hardtwald, wo zeitweise bis zu einem Dutzend Profis ausfielen, muss man das rekordverdächtige Verletzungspech in den Griff bekommen, um eine Chance zu haben.
Das Wort Meisterschaft nimmt niemand in den Mund. Loviso sagt, man wolle besser als in dieser Saison abschneiden. Stotz, der Lehrbeauftragter im Sportinstitut der Uni Heidelberg war und dabei wegen seines trockenen Humors ausgesprochen gut bei den Studierenden ankam, formuliert das Saisonziel so: "Wenn ich am 34. Spieltag noch Trainer des SV Sandhausen bin, dann kann die Runde nicht so schlecht gewesen sein."