Der Gregerl, der Sabi oder doch der Nautl? Wenn ich so überleg', wer heut' mit dem zweiten Tor gegen San Marino in meinem 270. Länderspiel für Österreichs 500. Tor auf meinem Rasen sorgt, werd' ich schon ein bissl nostalgisch. Ist das erste Tor wirklich schon 94 Jahr' her?
Ich war, wie man so schön sagt, noch nicht einmal trocken hinter den Toren, da hab' ich im September 1931, zwei Monat nach meiner Eröffnung, schon meine Länderspielpremiere gefeiert. Keine drei Minuten hat's gedauert, bis der Motzl Sindelar den Deutschen, die nach dem 0:6 in Berlin auf Revanche aus waren, das 1:0 eing’schenkt hat. Mein Gott, der Sindi! Einen besseren Premierentorschützen hätt’ ich mir nicht wünschen können. Drei Tore hat er ihnen g’macht und sie mit 5:0 heimg’schickt. Das zweite zum 4:0, ein "Volley im Drehen", ham die Zeitungen g’schrieben (im Stadion war's für alle nur "wuleee"), war "einer der schönsten Treffer, die je auf Wiener Boden erzielt wurden."
Kein Wunder, dass alles bald nur noch vom "Wunderteam" g’redt hat. Und ich war ihm ein guter Boden. Ein halbes Jahr später hat uns zwar der Meazza, der ja auch nicht auf der Minestrone dahergeschwommen war, das erste Gegentor beschert, aber der Sindi hat uns mit zwei Toren rausg’rissen. Erst im 35er-Jahr hab ich die erste Niederlage erleben müssen. Bittschön, gegen Weltmeister Italien war’s ka Schand'. Der Piola hat uns bei seinem Debüt alle zwei Türln g'macht, wobei der Sesta g’schimpft hat, dass "das zweite Goal ein batz'n Foul war, weil der Piola dem Langen", also dem Pavlicek, "direkt ins G'sicht g'stiegen ist." Und beim Ringen hat sich der Blade auskennt. Aber jetzt komm' ich schon vom Hundertsten (das hat übrigens 1950 der Melchior g’schossen) ins Tausendste, dabei soll's doch ums Fünfhundertste gehen.
Also, wo war’n wir? Ja, beim Motzl, genau. Also die drei Tore, die "das Kind aus Favoriten" gleich im ersten Match g'schossen hat, ham ihm nicht mehr viele nachg’macht. Bis zum Krieg überhaupt nur der Bican Pepi, der ja in der Quellenstraßn beim Sindi das Kicken g'lernt hat. Und die acht Prater-Treffer vom Papierenen hat sogar erst der Decker Karli übertroffen. Schon im ersten Spiel nach dem Ende des Tausendjährigen Reichs, beim 4:1 gegen Frankreich, hat der „Juderl" wie ihn damals noch jeder g'rufen hat, den Österreichern mit drei Trümmern ein bisserl Freude bereitet. Insgesamt 14 Mal ham’s auf meinen Tribünen über seine Tore gejubelt.
Ein paar Jahrln später hat er mich als Teamchef an die Grenzen meiner Kapazitäten bracht. Fast 91.000 Leut’ hab' ich am 30. Oktober 1960 unterbringen müssen, weil sie sein "zweites Wunderteam" sehen wollten. Und wirklich, Senekowitsch, Nemec und Erich Hof haben ein mit Di Stefano, Gento und Santamaria gespicktes Spanien 3:0 abg’schossen. Hasta luego! Der Erich, der ein Jahr später beim 2:1 gegen Ungarn den 200er in meinen Gefilden voll g’macht hat, ist mein neuer Liebling geworden. Wenn der Sportclub-Platz der Arbeitsplatz dieses Fußball-Genies war, dann war ich sein Wohnzimmer. 20 seiner 28 Teamtore hat er hier g’schossen. Ein Rekord, der bis heut' Bestand hat. Zypern hat er beim 7:1-Sieg 1968 gar fünf Bummerln ang’hängt. Das hat nur noch ein anderer Erich geschafft - der Probst.
Der hat mit seinen fünf Toren Portugal 1953 eine 9:1-Abreibung verpasst und uns damit zur WM 1954 in der Schweiz g'schossen. Heim’kommen ist er als WM-Dritter und mit sechs Toren als Vize-Schützenkönig. Aber gegen Portugal hat zum ersten Mal auch einer eing'netzt, dem ich meinen neuen Namen zu verdanken hab - oder der mir meinen alten genommen hat, je nachdem: Ernst Happel. Aber ja, heute muss man ja schon froh sein, dass man nicht Giebelkreuz Arena oder so heißt.
Den Hof Erich hat keiner mehr erreicht. Nicht der Andi Herzog (16 Tore) und nicht der Toni Polster. Der ist ihm mit 17 Toren noch am nächsten gekommen. Die größte Freud’ hat er mir 1986 bereitet. Mit 55-jähriger Verspätung hab ich endlich mein Dach gekriegt gehabt (ja, die ganzen lindgrünen Kobel rundherum auch). Bitte, wer hätt' denn in den 1930ern schon das Geld dafür g'habt? Mit den über sechs Millionen Schilling ohne Dachl hab ich damals eh schon ein Viertel vom Karl-Marx-Hof gekostet. Auf jeden Fall ham wir uns zur Neueröffnung wieder die Deutschen eing’laden. Was soll ich sagen? Es ist zwar kein 5:0 g’worden wie 1931, aber mit einem 4:1 hat auch keiner g’rechnet. Vor allem der Loddar Matthäus nicht, der sich so auf'gregt hat, dass er Rot g'sehn hat. Der Toni aber hat zweimal gepolstert und sich gleich als Schütze des 300. Tores in mein Stammbuch geschrieben.
Drei Jahre später hat er sich gegen die DDR das schlimmste Pfeifkonzert anhör’n müssen, das ich je erlebt hab. Aber der Toni hat's ihnen gezeigt. Alle drei Tore hat er g'schossen und Österreich zur WM 1990. Alle ham's wieder gejubelt, aber ich wär’ am liebsten im Erdboden versunken. Ja, ich weiß eh, das würden sich heut’ viele wünschen. Aber als ich's dann über 30 Jahr' später gegen Dänemark einmal probiert hätt, war’s auch nicht recht.
Nach dem Toni hab' ich nur mehr den Aufhauser und den Gregerl drei Tore schießen g’sehn. Vielleicht ja heute gegen San Marino wieder. Vielleicht trifft ja auch ein ganz ein Neuer. Der wär' mein 150. ÖFB-Torschütze. Gefreut hab' ich mich über jeden einzelnen. Und über die acht Tore, die sich die Gegner selbst g'schossen ham, eh auch.Auf viele weitere Tore!