Fehlercode: %{errorCode}

Schlammschlacht in Marseille: Der dubiose Fall Rabiot

kicker

Vom Leistungsträger zur persona non grata in nur wenigen Minuten: Die Geschehnisse aus der Gästekabine von Rennes, wo Olympique Marseille am Freitagabend das Auftaktspiel der Ligue 1 trotz langer Überzahl mit 0:1 verloren hatte, waren der Auftakt für eine veritable Schlammschlacht zwischen dem südfranzösischen Verein und seinem dekorierten Mittelfeldspieler Adrien Rabiot.

Der 53-malige französische Nationalspieler war im Anschluss an die Partie heftig mit Mitspieler Jonathan Rowe aneinandergeraten, der Verein hatte daraufhin beide Spieler vom Training ausgeschlossen. Doch schon am Dienstagnachmittag sickerte durch, dass die Vorkommnisse mehr als nur eine kurzfristige Suspendierung mit sich ziehen.

Im französischen Fernsehen erzählte Rabiots Mutter und Beraterin Veronique zunächst, dass Trainer Roberto de Zerbi ihrem Sohn mitgeteilt habe, dass man nach den Vorkommnissen in Rennes nicht mehr mit ihm plane. Kurz darauf folgte ein offizielles Statement von Vereinsseite, in dem es heißt, dass sowohl Rabiot als auch Rowe "vom Verein auf die Transferliste gesetzt wurden". Die Entscheidung sei "wegen des inakzeptablen Verhaltens in der Umkleidekabine nach dem Spiel gegen Stade Rennes" getroffen und den Spielern am Montag mitgeteilt worden.

Die Trennung wirkt von beiden Seiten dubios kommuniziert - und kommt auch für die Öffentlichkeit überraschend, schließlich hatte OM-Präsident Pablo Longoria noch in einer im Sommer erschienenen Dokumentation hochtrabend erklärt, Rabiot sei "der beste Mensch, den ich meiner Karriere in einer Umkleidekabine gesehen habe". Der Spieler wiederum hatte sich trotz Angeboten aus dem Ausland für einen Verbleib bei OM entschieden.

Noch undurchsichtiger wird die Affäre Rabiot durch die Aussage von Rabiots Mutter, die behauptet, der Verein habe die Demission ihres Spielers ihr gegenüber mit dem mangelnden Engagement im Trainingslager begründet. OM hingegen beharrt darauf, der Kabinen-Zoff mit Rowe sei der einzige Grund für den Schritt. "Wegen sowas schmeißt man einen Spieler nicht raus", zitiert L'Equipe eine Quelle aus Rabiots unmittelbarem Umfeld.

Für den bisherigen Höhepunkt der Schlammschlacht sorgte am späten Dienstagabend schließlich Rabiots Anwalt Romuald Palao mit einem Auftritt beim französischen Sender RMC. In einem Interview machte der Jurist der OM-Vereinsführung heftige Anschuldigungen und bezichtigte die Verantwortlichen unter anderem der Lüge. So habe es zwar seiner Version nach das Treffen zwischen Vereinsführung und Rabiot am Montag gegeben, dort sei dem Spieler aber nicht mitgeteilt worden, dass er den Verein verlassen solle. Darüber sei man erst am Dienstagmittag informiert worden.

"Als wir davon erfahren haben, hat uns das völlig aus der Bahn geworfen", so Palao, der auch die Version des Vereins infrage stellt, dass nur die Auseinandersetzung mit Rowe ursächlich für die Trennung sei. "Was der Verein da mitgeteilt hat, lässt natürlich Zweifel aufkommen", sagte Palao. "Wenn der Verein angibt, dass sich das Verhalten des Spielers in letzter Zeit geändert hat, ist das völlig falsch. Man hat den Eindruck, dass hier eine Geschichte aufgebauscht wird und man die Ereignisse vom Freitag nutzt, um Adrien zu verdrängen. Das ist völlig unverständlich."

Zudem sei die kolportierte Ablösesumme in Höhe von 15 Millionen Euro, die Marseille für Rabiot fordert, viel zu hoch angesetzt. "Man kann doch nicht sagen, dass man sich von einem Spieler trennen möchte und dann wahnwitzige Summen verlangen", wetterte Palao. "15 Millionen, das ist enorm." Allerdings, so der Anwalt weiter, haben sich schon einige Vereine in den vergangenen Tagen gemeldet: "Es wird Angebote geben."