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Schmitts Hessenliga-Plan mit Frankfurt II: "Wir wollten eine emotionalere Truppe"

kicker

Schon früh stieg Dennis Schmitt bei den Würzburger Kickers ins Trainergeschäft ein: Über Stationen in Belgien zog es ihn dann zum SC Paderborn. Seit der Saison 2024/25 ist der gebürtige Aschaffenburger als Nachfolger Kristjan Glibos für die U 21 Eintracht Frankfurts verantwortlich. Im kicker-Interview spricht der 32-Jährige vor dem Heimspiel in der Hessenliga gegen den SV Adler Weidenhausen (Freitag, 20 Uhr) über Herausforderungen nach dem Abstieg aus der Regionalliga, seinen Kader und die Frage, ob er sich in der entscheidenden Saisonphase 2024/25 mehr Unterstützung von "oben" gewünscht hätte.

Herr Schmitt, schon vor der Saison galt Ihr Team für viele als Favorit auf Meisterschaft und Aufstieg. Wie gehen Sie mit dieser hohen Erwartungshaltung um?

Für uns ist das kein Thema. Wir sind sehr inhaltlich an die Saison herangegangen und haben uns sehr intensiv mit der Liga beschäftigt. Im Trainerteam hatten wir keine Erfahrungswerte mit ihr. Aber: Aus der Saison 2022/23 (Eintracht Frankfurts U 21 war damals Teil der Hessenliga, Anm.d.Red.) haben wir uns viele Spiele, Plätze und Verhaltensweisen der Gegner angeschaut. Dementsprechend haben wir in der Vorbereitung an vielen Themen gearbeitet. Wir haben aber auch versucht, bei der Kaderzusammenstellung aus dem vergangenen Jahr die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Inwiefern?

Wir wollten eine emotionalere Truppe. Eine Truppe, die noch gieriger darauf ist, Spiele zu gewinnen, die Bock auf Entwicklung hat. Wir haben gute Jungs aus der U 19, aber auch von extern hinzubekommen. Das Hauptthema zusätzlich zu der Entwicklung war es, die Liga relativ schnell anzunehmen.

Wie lautet die Zielsetzung der Eintracht-Führung - ist der Aufstieg Pflicht?

Wir wollen uns über die Entwicklung dahin arbeiten, bis zum Schluss in der oberen Tabellenregion dabei zu sein. Wir befinden uns aber noch am Anfang der Saison. Als Mannschaft haben wir uns sportliche Teilziele gesetzt. Wir wollen noch enger zusammenwachsen, Punkte holen - aber auch inhaltlich guten Fußball spielen. Dann können wir im Winter darüber reden, was am Ende dabei herauskommen soll. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass wir die Regionalliga im Kontext der Talent-Entwicklung als die bessere Plattform erachten. Für unsere Gegner in der Hessenliga stellt die Partie gegen uns in der Regel ein Highlight-Spiel dar. Das ist anspruchsvoll und herausfordernd.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Unterschiede zwischen Hessenliga und Regionalliga?

Die ganze Infrastruktur und die Herangehensweisen der Gegner sind anders. Wir müssen damit klarkommen, dass wir in vielen der Begegnungen enorm viel Ballbesitz haben werden, in den bisherigen Partien teilweise über 70 Prozent, die Gegner in der Regel extrem tiefstehen und dass es auch mal zu sehr emotionalen Situationen im Spiel kommen kann. Das ist alles in Ordnung und gehört dazu - zumal es auch in darüberliegenden Ligen vorkommen kann. Aber es ist zum Teil schwer trainierbar. Das müssen wir akzeptieren und über die Qualität besser sein. Da haben wir noch Luft nach oben.

Nach zehn Punkten aus den ersten vier Partien folgte am Samstag der erste Dämpfer - ein 0:2 beim bis dahin sieglosen SC Waldgirmes. Wie beurteilen Sie den Saisonstart?

Wir waren nicht euphorisch, als wir die ersten drei Spiele gewonnen haben. Und wir sind jetzt nicht am Boden zerstört, weil wir verloren haben. Wir betrachten jedes Spiel einzeln. Auch mit den ersten drei Partien sind wir kritisch umgegangen. Trotz des großen Umbruchs sind wir mit der extrem jungen Mannschaft gut gestartet. In Waldgirmes hatten wir die Chance, einen wirklich sehr guten Saisonstart hinzulegen - daraus wurde dann ein ordentlicher. Mit Luft nach oben. Zum Waldgirmes-Spiel: Wir dachten, dass wir schon einen kleinen Schritt weiter sind. Das ist kein Beinbruch, aber wir müssen dazulernen und gerade bei Auswärtsspielen einen Schritt nach vorn machen.

Wen haben Sie als Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg vor allem auf dem Schirm?

Das ist eine schwierige Frage. Die Liga ist bislang unberechenbar. Viele Mannschaften haben viele Punkte geholt, viele Teams aber auch sehr wenige. Ich kann es jetzt noch nicht einschätzen. Die Tabelle ist für uns zweitrangig. Wir sind dabei, diesen Prozess weiterzugehen. In einigen Wochen können wir vermutlich mehr Prognosen abgeben.

Im Sommer wurden mit Benjamin Kirchhoff (FC Homburg) sowie den beiden Ex-Regensburgern Nico Ochojski und Jonas Bauer Akteure mit Zweitliga- bzw. Drittligaerfahrung verpflichtet. Welche Rolle ist ihnen zugedacht?

Mit Benjamin Kirchhoff und Nico Ochojski haben wir zwei erfahrene Spieler verpflichtet, weil wir erkannt haben, dass wir da vergangene Saison Bedarf hatten. Die Truppe ist wieder sehr jung, einige der Jungs dürfen noch U 19 spielen. Sie brauchen Führung. Im Alltäglichen, aber auch auf dem Platz - in Phasen, in denen es mal unangenehm wird. Jeremiaha Maluze würde ich noch nennen: Er hat einen untypischen Weg hingelegt und schon viel erlebt. Er ist schon reif für sein Alter. Das sind unsere drei Kapitäne, die die Richtung vorgeben. Jonas Bauer würde ich aktuell noch eine andere Rolle zuschreiben. Er hat zwar schon höher gespielt, ist aber immer noch sehr jung.

„Uns als Mannschaft und Trainerteam hat es extrem wehgetan, weil es aus meiner Sicht sportlich vermeidbar war.“ (Dennis Schmitt über den Abstieg aus der Regionalliga)

In der vergangenen Saison stieg die U 21 mit einer jungen Mannschaft aus der Regionalliga ab. Wie empfindlich hat der Abstieg den Verein getroffen?

Uns als Mannschaft und Trainerteam hat es extrem wehgetan, weil es aus meiner Sicht sportlich vermeidbar war. In der Rückrunde haben wir ordentlich gepunktet, was Rang 8 in der Rückrundentabelle auch belegt. Letztlich war die Hypothek aus dem verpatzten Saisonstart aber zu groß. Doch wir haben es schnell abgeschüttelt und uns voll auf die Hessenliga eingestellt.

Hätten Sie sich in der entscheidenden Saisonphase als Trainer mehr Unterstützung von "oben" gewünscht?

Mehr Unterstützung dadurch, dass Spieler dazukommen?

Ja.

Der Verein fährt eine klare Linie. Er will keine Talent-Wege blockieren - und das unterstützen wir im Trainerteam auch, weil es in erster Linie um die Entwicklung der Jungs geht. Man kann aus positiven Situationen sehr viel herausziehen. Aber wenn etwas schiefgeht, kann man oftmals noch mehr lernen. Und wir werden daraus lernen. Das ist der Anspruch von Eintracht Frankfurt, das ist mein Anspruch und der der U 21. Es ist nicht alles richtig gelaufen, da sind wir alle auch selbstkritisch - sonst wären wir nicht abgestiegen. Es war aber auch sicherlich nicht alles schlecht. Wenn ich die Datenlage sehe, waren wir in vielen Bereichen sehr weit oben. In den entscheidenden, dem Verwerten von Chancen aber, waren wir leider weiter unten.

Wie eng ist der Austausch mit Dino Toppmöller, dem Cheftrainer der Eintracht-Profis, und wie nah sind sich erste und zweite Mannschaft bei der Eintracht?

Wir haben die Hürde, auf drei Standorte verteilt zu sein: das Profi-Camp im Deutsche-Bank-Park, den Riederwald und den U-21-Standort in Dreieich, was aus organisatorischer Sicht nicht immer ganz einfach ist. Trotzdem sind wir jede Woche im Austausch über die Entwicklungen der einzelnen Spieler. Das Interesse ist riesig und es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass sie sich so viel Zeit für uns nehmen, weil es dort im Tagesgeschäft natürlich eine Vielzahl anderer Themen gibt. Es ist auch für mich ein riesiger Mehrwert, und ich bin sehr dankbar dafür. Nur so kannst du Schritte machen. Die Jungs bekommen ihre Chancen, trotzdem muss man ihnen auch Zeit geben.

Welchem Ihrer Spieler trauen Sie am ehesten den Sprung in den Profibereich zu?

Ich will keinen der Jungs herausgreifen, weil ich keine Erwartungshaltung schüren möchte. Aus meiner Sicht ist es wichtig, die individuelle Entwicklung Schritt für Schritt voranzutreiben. Wird eine Stufe übersprungen, besteht die Gefahr, zwei zurückzufallen. Die Jungs brauchen in der Regel einfach Zeit und Geduld, sie müssen positive wie auch negative Erfahrungen machen. Ausnahmetalente, wie zum Beispiel Florian Wirtz, die sich schon im jungen Alter fest in einer Profimannschaft etablieren und dort absolute Leistungsträger sind, sollten dabei nicht als Maßstab genommen werden. Wir werden den Jungs helfen und sie bestmöglich auf ihrem Weg begleiten. Am Ende ist die größte Qualität, langfristig den Sprung in den Profibereich zu schaffen.

Sie selbst bestritten unter Trainer Bernd Hollerbach 2017 ein Zweitligaspiel für die Würzburger Kickers. Später arbeiteten Sie als Assistent mit ihm bei den belgischen Klubs Royal Excel Mouscron und St. Truiden. Inwiefern hat er Ihre Trainerlaufbahn geprägt?

Er ist für mich ein unfassbar mutiger Mensch. Bernd hat den Job bei einem belgischen Erstligisten bekommen. Dort waren Jungs wie Sami Allagui, Aleix Garcia oder Kevin Wimmer: Topspieler. Er hat einem 25-, 26-Jährigen - der noch nie zuvor ein Training auf Englisch geleitet hat und vorher Co-Trainer in der 3. Liga war - zugetraut, als seine rechte Hand zu arbeiten. Er hat mich einfach machen lassen, mir viel Vertrauen und Feedback gegeben. Ich habe sehr viel von ihm gelernt und bin ihm dafür sehr dankbar.