Aus Istanbul berichten Moritz Kreilinger und Carsten Schröter-Lorenz
Einen kurzen Schreckmoment gab es im medien-öffentlichen Freiburger Abschlusstraining am Mittwochabend im Besiktas-Stadion. Johan Manzambi ging in einer Kleinfeld-Übung mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden und hielt sich das Sprunggelenk. Nach einem kurzen Check durch das medizinische Personal konnte der Schweizer Shootingstar im SC-Mittelfeld aber weitermachen.
Insgesamt erfreulich für Julian Schuster: Bis auf den verletzten und schmerzlich vermissten Yuito Suzuki (Schlüsselbeinbruch) nahmen alle Profis aus dem 25er Kader an der Einheit teil. Auch Patrick Osterhage, bei dem man nach seiner Knie-OP bereits vom vorzeitigen Saisonaus ausgegangen war. Beim 4:1 gegen Leipzig hatte Osterhage noch im Spieltagsaufgebot gefehlt.
Nur ein Spieler hat keinen Platz
"Wir haben es so gesteuert, dass Patrick auch übers Wochenende viel trainieren konnte, daher ist er jetzt wieder eine Option für uns", sagte Schuster am Mittwochabend vor der Einheit über den Mittelfeldspieler, gab ansonsten aber erwartungsgemäß nichts preis über mögliche Startelf-Änderungen. Je nach Osterhages Fitness-Level könnte er auch ohne vorherige Spielpraxis zumindest gegen Ende des Spiels durch sein Tempo und seine Dynamik in der Zentrale noch eine wertvolle Einwechseloption sein.
Auch Max Rosenfelder (zuletzt Rückstand nach Muskelverletzung) und Daniel-Kofi Kyereh (zuletzt Heranführung in der U 23 nach fast dreijähriger Pause nach Kreuzbandriss) kommen offenbar fürs Spieltagsaufgebot in Frage, das bei der UEFA 23 Profis umfassen darf. Nur ein SC-Spieler muss beim Showdown gegen Aston Villa also mit einem Tribünenplatz vorliebnehmen.
„Auch der letzte hat es jetzt begriffen, wie wichtig es ist, Standards zu trainieren"“ (Julian Schuster)
Auf dem Rasen dürfte es mal wieder besonders auch auf Standard-Situationen ankommen - gerade offensiv seit Jahren eine große SC-Stärke. "Es liegt definitiv, auch aufgrund von Arsenal und allem, was auch öffentlich daraus gemacht wurde, gerade diese Saison eine unglaubliche Fokussierung auf Standards", sagt Schuster: "Auch der Letzte hat jetzt begriffen, wie wichtig es ist, Standardsituationen eben auch zu trainieren."
Das sei manchmal gar nicht so einfach, wie es vielleicht klingen mag. "Standardsituationen können im Training auch träge sein. Da bedarf es der Bereitschaft, die Dinge übers Jahr hinweg zu trainieren und in diesen Punkt zu investieren. Das ist manchmal der Haken", findet Schuster: "Das geht nicht einfach mal so von heute auf morgen. Sondern es geht um gewisse Abläufe, das richtige Timing, genau zu wissen, wie lang der Anlauf des Schützen ist, bin ich wirklich in der besseren Position. Solche Details können entscheidend sein."
Drei Standardtore bei der Generalprobe
Fest steht, beim SC wird im Bereich Standards seit vielen Jahren sehr viel investiert - fast in jeder Saison stehen die Breisgauer deshalb auch im Spitzenbereich der Bundesliga, was Tore nach ruhenden Bällen angeht. Gerade beim jüngst so wichtigen 4:1-Erfolg gegen Leipzig, der die Teilnahme an der Conference League sicherte, erzielten die SC-Profis drei Treffer nach Standards. Einen in Folge einen Freistoß, einen nach einem Einwurf und einen im Anschluss an einen Eckstoß.
"Natürlich haben sie für morgen eine große Relevanz", sagt Schuster: "Man hat es gesehen im Spiel letzten Freitag, wie wenig Villa zum Teil zulässt (beim 4:2-Sieg gegen Liverpool, Anm. d Red.). Und Standardsituationen können deshalb offensiv für uns sehr wichtig sein." Einmal mehr wird es daher auch auf die Standardspezialisten beim SC ankommen: Vincenzo Grifo und Niklas Beste. Und natürlich auf potenzielle Abnehmer in der Mitte. Wie zuletzt gegen Leipzig Matthias Ginter und Igor Matanovic - sowie Beste selbst per Abstauber.
Auch ein direkter Freistoß oder ein Elfer könnten auf beiden Seiten Schlüsselmomente darstellen. Eventuell ja dann auch im Shoot-out nach 120 Minuten. Man darf davon ausgehen, dass der SC in dieser Hinsicht gut vorbereitet ist. Aston Villa aber wohl auch.