Fehlercode: %{errorCode}

Shootingstar Manzambi: "Ich bin ein mutiger Typ"

kicker

Aus dem Freiburger Trainingslager in Schruns berichtet Thiemo Müller

Erstmals so richtig in Erscheinung getreten ist Johan Manzambi (19) als SC-Profi während des Freiburger Trainingslagers vor einem Jahr. Nach dem damaligen 1:1 im Test beim österreichischen Bundesligisten SCR Altach urteilte der kicker über den Novizen: "Manzambi überzeugte auf der Doppelsechs sowohl durch sein Spielverständnis als auch als Balleroberer. Und nicht zuletzt durch die Selbstverständlichkeit, mit der er sich bereits im Kreis der Arrivierten bewegte."

Seinerzeit schien der bei Servette Genf ausgebildete und ab dem 17. Lebensjahr beim Sport-Club weiterentwickelte Schweizer gleichwohl noch kein echter Stammplatz-Konkurrent für die etablierten Kräfte. Zwölf Monate später haben Manzambi inzwischen alle auf dem Zettel - nach einer stetigen Entwicklung bis hin zum eindrucksvollen Endspurt in der vergangenen Bundesliga-Saison, der ihn sogar in die Schweizer A-Nationalmannschaft katapultiert hat.

Coach Murat Yakin nominierte den Youngster für die Amerika-Tour der Nati im Juni, nachdem ihn Manzambi speziell beim Freiburger 2:2 gegen Leverkusen am 32. Spieltag als Live-Beobachter überzeugt hatte: "Er hat unserem Kapitän Granit Xhaka direkt mal in einem Zweikampf gezeigt, was er kann", schwärmte Yakin. Auch dem Nationaltrainer stach also sofort diese positive Art der Respektlosigkeit ins Auge, die Manzambi beim Fußballspielen ausstrahlt.

Zur Selbsteinschätzung, die der Jungprofi während des aktuellen Vorbereitungscamps im kicker-Gespräch vornimmt, passt das absolut: "Ich bin ein mutiger Typ auf dem Platz, das war im Grunde schon immer so." Ausdrücklich geholfen hat dabei aber auch die Arbeit mit einer "sehr guten" (Manzambi) Mentaltrainerin: "Früher, in der Jugend, habe ich mich selbst zu sehr unter Stress gesetzt. Jetzt kann ich mich so auf die Spiele einstellen, dass ich frei bin im Kopf."

Achter, Zehner, Außen: Höchste Flexibilität als Trumpf im Klub und bei der Nati

Als Yakin ihm die Einladung zum A-Team übermittelte, war Manzambi dann zwar "sehr überrascht", vor den Spielen indes "nicht nervös". Dem 17-minütigen Debüt als Joker gegen Mexiko (4:2) folgte am 11. Juni in Nashville gegen die USA die Premiere in der Startelf. Und was für eine: Beim 4:0-Erfolg der Nati legte Manzambi zunächst das 2:0 für Michel Aebischer auf und markierte schließlich selbst den Endstand. "Ich war sehr glücklich, das war schon sehr besonders", sagt Manzambi, der neben dem Platz ein ganz anderes, spürbar bescheidenes Naturell zum Vorschein bringt.

Umso erstaunlicher wirkt das Durchstarten im Nationaltrikot, als der Teenager in einer bis dato auf Profiniveau völlig ungewohnten Rolle zum Einsatz kam: Als rechter Flügelstürmer in einem 4-3-3-System. Dabei wird der 1,83 Meter große und 79 Kilo schwere Manzambi in der Regel als prädestinierter Box-to-Box-Spieler beschrieben. Allerdings: Auch SC-Coach Julian Schuster brachte seinen Shootingstar in der heißen Saisonphase regelmäßig auf der Zehner-Position, wo Manzambi nachwies, sich auch in engen Räumen bestens zurechtzufinden. "Grundsätzlich bin ich ein Achter, ein Box-to-Box-Spieler", charakterisiert sich Manzambi selbst, "aber ich denke, dass ich auch auf dem Flügel und als Zehner agieren kann - und freue mich, wenn die Trainer dort auf mich setzen."

Im Nachwuchs von Servette habe er einst sogar "fast alle Positionen gespielt", erinnert sich Manzambi, "sogar als Nummer 9". Um lächelnd anzufügen: "Ich denke, in dieser Rolle würde es nicht reichen für die Bundesliga." Auf seine Flexibilität als Plus greift er grundsätzlich indes gerne zurück: "Das ist ein Vorteil für mich, so habe ich einfach mehr Chancen auf Einsätze."

Elf Bundesligapartien, in denen ihm zwei Tore gelangen, waren 2024/25 mehr als Manzambi vorher erwartet hätte. Gleichwohl lautet seine Hoffnung nun, "dass ich noch mehr spielen kann in meinem zweiten Jahr. Aber ich weiß, dass ich dafür sehr viel arbeiten muss. Wir haben eine sehr gute Gruppe mit sehr hoher Qualität."

„Einmal Champions League wäre sehr schön. So denke ich nun mal.“ (Johan Manzambi)

Höchste Ambitionen zu verfolgen, ohne dabei auch nur ansatzweise abzuheben - diese Balance scheint Manzambi ideal zu verkörpern. Ganz im Sinne von Sportdirektor Klemens Hartenbach, der ihm schon vor geraumer Zeit "eine tolle Mischung aus sportlicher Qualität, realistischer Selbsteinschätzung und Demut" attestiert hat.

Und so scheut sich Manzambi auch weiterhin nicht, einen Begriff  in den Mund zu nehmen, der in Freiburg eigentlich auf dem (ungeschriebenen) Index steht: "Das Ziel mit der Mannschaft ist immer, möglichst eine noch bessere Saison zu spielen als im Jahr zuvor. Einmal die Champions League zu erreichen, wäre sehr schön. Wir müssen alles geben, um das zu schaffen. So denke ich nun mal. Wenn wir es dann nicht schaffen, aber alles versucht haben, ist es auch okay."

Da wird, bei allem gern gepflegten Freiburger Understatement, wohl niemand widersprechen.