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Simonis’ Kritik und wer sich angesprochen fühlen muss

kicker

Nach dem Spiel waren die Wolfsburger Gedanken erst einmal bei jenem Zuschauer im Rotterdamer De Kuip, der nach rund 77 Minuten auf medizinische Hilfe angewiesen war. Das Spiel zwischen Feyenoord und dem VfL wurde zunächst unter- und kurze Zeit später ganz abgebrochen.

"Die zweite Hälfte können wir nicht akzeptieren"

Da gerät der Sport schnell in den Hintergrund, dennoch konnte VfL-Trainer Paul Simonis das 0:4 beim Eredivisie-Klub, der am Mittwoch in den Champions-League-Playoffs gegen Fenerbahce antritt, nicht einfach so stehen lassen. "Die zweite Hälfte können wir nicht akzeptieren", wurde der neue Wolfsburger Trainer deutlich. "Wir müssen sehr kritisch mit uns selbst sein und es so schnell wie möglich besser machen, denn so wollen wir den Verein nicht präsentieren."

Es war offensiv wie defensiv ein sehr schwacher VfL-Auftritt zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart. Spielte das Team in vermeintlicher Top-Besetzung im ersten Durchgang noch einigermaßen mit und kam auch zu vereinzelten Chancen, so brachen nach dem Seitenwechsel die Dämme. Von der Trainerkritik angesprochen fühlen müssen sich also vor allem jene Spieler, die nach der Pause auf dem Feld standen.

Kapitän Arnold: Eine Personalie mit potenzieller Brisanz

Ausgerechnet dazu gehört eine Personalie mit potenzieller Brisanz: Kapitän Maximilian Arnold kam erst nach dem Seitenwechsel gemeinsam mit Aster Vranckx ins Spiel und löste die Doppelsechs Vini Souza und Mattias Svanberg ab. Der Schwede wiederum konnte keine Eigenwerbung betreiben, leitete er doch mit einem Fehlpass das 0:1 ein. Und dennoch wird deutlich: Bei der Suche nach dem Partner von 15-Millionen-Euro-Einkauf Vinicius Souza ist die Nominierung von Arnold kein Automatismus.

Nun lag es freilich nicht am Rekordspieler alleine, dass dem VfL fast gar nichts mehr gelang. Die Defensive präsentiert sich sowohl mit dem Stammduo Denis Vavro und Konstantinos Koulierakis als auch mit David Odogu und Moritz Jenz wacklig. Kevin Paredes und Tiago Tomas brachten nach der Pause auf den Flügeln keinerlei Gefahr, die einzige Chance in Hälfte zwei hatte Stürmer Dzenan Pejcinovic nach einer Flanke vom defensiv wackligen Joakim Maehle.

Ein Fragezeichen für Neuzugang Zehnter

Ein weiteres Fragezeichen dürfte das Spiel in den Niederlanden bei Linksverteidiger Aaron Zehnter hervorgerufen haben: Der 4,5-Millionen-Euro-Einkauf vom SC Paderborn, der gegen Espanyol Barcelona (0:1) gar nicht zum Einsatz gekommen war, kam im zweiten Durchgang auf der ungewohnten Rolle als Rechtsverteidiger zum Einsatz. Zur Erinnerung: In Paderborn hatte Zehnter noch auf der linken Schiene agiert. Hinten links erhielt Yannick Gerhardt den Vorzug.

Die Spieler jedenfalls, die aktuell eher hinten dran zu sein scheinen, konnten sich nicht in den Vordergrund spielen. Und wieder einmal wurde deutlich: Es gibt noch viel zu tun für Simonis und sein Team, das mittendrin ist im Umwandlungsprozess vom Hasenhüttl-Fußball zum deutlich komplexeren Ansatz des Neuen aus den Niederlanden.

„Ich finde es gut, dass es jetzt passiert ist.“ (VfL-Trainer Paul Simonis nach dem Wolfsburger 0:4 in Rotterdam)

Der das einzig Positive aus dem Tag in Rotterdam zieht: "Ich finde es gut, dass es jetzt passiert ist, um den Jungs ein Signal zu geben und dass wir daran arbeiten können. Damit wir als Team und als Einzelne konkurrenzfähiger werden."

Es ist an der Zeit, die Vorbereitung steht schließlich vor dem Abschluss: Am Samstag geht es zu einem Doppeltest nach England zu Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion. Es braucht Fortschritte und im besten Fall auch Ergebnisse, um den Glauben an den neuen Weg zu festigen.

Und es braucht aus Sicht der Verantwortlichen auch noch neue Spieler. Ein Mittelstürmer wird händeringend gesucht, ebenso ein neuer Rechtsverteidiger, bei dem der VfL nach dem gescheiterten Deal mit dem Rumänen Andrei Ratiu (Rayo Vallecano) schon einen Schritt weiter ist. Nach kicker-Informationen buhlen die Niedersachsen intensiv um die Dienste des Niederländers Milan van Ewijk (Coventry City), der schon vor Wochen mal mit dem Bundesligisten in Verbindung gebracht wurde (auch die Wolfsburger Allgemeine Zeitung berichtet). Trainer Simonis kennt den 24-Jährigen gut, spielte er doch einst beim SC Heerenveen, wo der Niederländer seinerzeit Co-Trainer war. Mit dem Spieler soll bereits eine Einigung bestehen.