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"So schlimm ist's schon?": Reicht Helm ein Sieg gegen Altach noch?

kicker

"So schlimm ist's schon?", konnte sich Stephan Helm vor der Freitags-Pressekonferenz eine süffisante Anspielung auf seine prekäre Lage nicht verkneifen, als er beim Betreten des Podiums die Weißkitteln in der ersten Reihe bemerkte, die zuvor für die Stammzellspendenaktion Werbung gemacht haben (Austria-Fans können sich dafür übrigens am Sonntag vor dem Spiel gegen Altach ab 14:30 Uhr vor der Generali-Arena als Spender registrieren lassen). "Habt's einen Defi für mi?“, setzte der Austria-Trainer noch grinsend nach.

Tatsächlich war der Burgenländer am Mittwoch von einem Boulevard-Blatt quasi bereits totgesagt worden, bevor durchsickerte, dass es doch "nur" Sport-Vorstand Jürgen Werner war, der als Reaktion auf die 1:3-Schlappe gegen Hartberg und die damit verbundenen Unmutsäußerungen gegen ihn von seinem Amt zurücktrat.

Statt der erwarteten Flut an WhatsApp-Nachrichten auf die Falschmeldung fand Helm aber nur eine Frage seiner Frau auf dem Handy: "Was magst du heute Abend essen?" Und sein bester Freund fragte noch: "Bist g'stanzt?"

Altach-Ergebnis egal?

Nein. Noch ist Stephan Helm nicht g'stanzt. Obwohl es nicht wenige Gerüchte gibt, dass es nach dem Altach-Match so weit sein wird. Egal, wie es ausgeht. Eine diesbezügliche Frage beantwortete Helm auf der PK ausweichend. Fakt ist: Mit der teilweisen Entmachtung des Nur-noch-Investors Jürgen Werner fehlt ihm der Rückhalt seines "Erfinders", der ihn zu den Young Violets geholt und ihn im vergangenen Sommer von dort zu den Profis hochgezogen hat. Zwar hatten bislang auch die Werner-Gegenspieler kein gesteigertes Problem mit dem Trainer, mit den verlorenen Spielen der letzten Wochen schwand aber das Vertrauen jener, die sich neben ihrer Wirtschaftskompetenz zunehmend sportliche Kompetenz anmaßen.

Dabei hat Stephan Helm in der vergangenen Saison bewiesen, dass er nicht zu Unrecht auf dem violetten Trainersessel sitzt. Nach dem Euroapacup-Aus gegen Ilves Tampere hätte man dem No Name mit dem bemühten, seewinklerisch gefärbten Hochdeutsch keine drei Monate im Amt zugetraut. Dennoch hat er unbeirrt die Basis dafür gelegt, dass die Austria auf und abseits des Platzes als Mannschaft besser funktioniert als Teams mit besser bestückten Kadern. Auch begünstigt durch die Rückkehr von Aleksandar Dragovic hat er die Zweifler vor allem mit Ergebnissen bekehrt.

Denn spielbestimmend war die Austria selten. Aber sie hat es mit Helms Plan geschafft, enge Spiele auf ihre Seite zu ziehen. In dem sie günstige Phasen im Match für sich genützt hat. Erst von den Erfolgserlebnissen gefestigt konnte sie mehr und mehr auch spielerisch überzeugen. Aber auch da brauchte es das Füßchen von Dominik Fitz, der mit seinen fließbandartigen Vorlagen nicht nur mehr Chancen kreierte als jeder andere Spieler in der Bundesliga, sondern auch für die entscheidenden Momente im Spiel sorgte.

Fehlt Flexibilität?

Vielleicht ist es das, was man Stephan Helm am ehesten ankreiden kann. Dass er weiter auf die Spielidee setzt, die (nur?) dank Fitz funktioniert hat. Manfred Schmid hat nach dem vorwöchigen Sieg in Favoriten einen Satz gesagt, der in der medialen Berichterstattung untergegangen ist. "Ich habe nach der Niederlage in der ersten Runde (2:4 gegen die WSG) gesehen, dass wir nicht so weiterspielen können wie in der Vorsaison." Er hat alles umgekrempelt und lässt die vor wenigen Monaten noch so wunderbar kombinierenden Hartberger nun tief im Block agieren und mit ihren schnellen Spitzen ihr Glück versuchen. Seither haben sie sechs Punkte geholt.

Eine derartige Erkenntnis gibt es am Verteilerkreis (noch) nicht. Im Erfolg hat die Austria ein wenig vergessen, wo sie hergekommen ist. Stephan Helm illustrierte das im kleinen Kreis mit einer Aussage, die Aleks Dragovic nach einem seiner ersten Spiele nach seiner Rückkehr tätigte. "Ich habe nicht gewusst, dass ich gegen Manchester City spielen muss", hatte er nach dem 1:1 gegen die in der Vorsaison noch extrem auf Ballbesitz bauenden Hartberger gestöhnt. Beim 1:3 vor einer Woche war es die Austria, die mit 73 Prozent Ballbesitzwerte a la Man City hatte, ohne auf dieses Spiel spezialisiert zu sein.

"Wir haben unseren Plan, wir haben unsere Abläufe", beharrt Helm weiterhin, "aber wir werden der Mannschaft gewisse Dinge wieder einfacher machen." Weniger selbst für das Spiel tun. Sich auf die Stärken im Pressing und Gegenpressing besinnen. Kompakt stehen.

Young Violets zu grün?

Was kann man ihm sonst vorwerfen? Dass er die Jungen nicht forciert? Helm setzt die Spieler ein, die ihm der Verein (bzw. bis vor einer Woche Jürgen Werner) zur Verfügung stellt(e). Dass der Konsolidierungsplan, mit eigenen Talenten aus der Finanzmisere zu kommen, mit der Trennung von Manfred Schmid vor bald drei Jahren über Bord geworfen wurde, war nicht seine Entscheidung. Helm hat einen Punkt, wenn er sagt, dass die damals forcierte (und aus veschiedenen Gründen verlorene) Generation Jukic, Keles, El Sheiwi und Wustinger (Braunöder hat er nicht erwähnt) jetzt im besten Alter wäre. Die Maybachs, Pazoureks und Aleksas aber erst auf dem Weg dorthin sind. Das mag nicht für alle immer mit freiem Auge sichtbar sein, tritt aber in Analysen und Statistiken (wie hier am Beispiel Philipp Maybach) deutlich zutage.

Es wird interessant, wie sich Stephan Helm den neuen Gegebenheiten in der Vereinshierarchie anpasst - oder auch nicht. Will er denen gefallen, die die Jungen sehen wollen? Gibt er dem bisher enttäuschenden Sarkaria noch eine Chance? Er wird das tun, wovon er glaubt, dass es gegen Altach Erfolg verspricht. Ob es reichen wird, seinen Job zu retten, steht auf einem anderen Blatt.