Fehlercode: %{errorCode}

Spielerinnen gegen Trainer: Bei Oranje knirscht es heftig

kicker

Aus Zürich berichtet Paul Bartmuß

Nach Schlusspfiff dieser Demütigung holte Andries Jonker seine Mannschaft mitten auf dem Rasen zusammen und hielt eine kleine Ansprache. 0:4 hatten die Niederlande gerade gegen England verloren und eine desolate Leistung abgeliefert.

"Er sagte, es sei nicht gut genug gewesen und wir müssten weitermachen", fasste Torhüterin Daphne van Domselaar den offenbar nicht allzu aufbauenden Inhalt von Jonkers Rede zusammen. Angreiferin Lineth Beerensteyn bestätigte das, fügte aber hinzu, sie habe wegen der Lautstärke im Stadion nicht alles verstanden.

Zwischen den Zeilen konnte man da schon einiges herauslesen, doch parallel legte die erfahrene Danielle van de Donk beim TV-Sender NOS direkter nach. Es ging darum, ob die zentrale Mittelfeldspielerin für die Startelf bereit gewesen wäre. "Ich hatte nach dem Spiel gegen Wales leichte Schmerzen in der Leiste", berichtete sie: "Heute ging es mir gut genug, um von Anfang an zu spielen. Aber die Entscheidung war schon gestern getroffen worden."

Offenbar von Jonker, der sich kurz darauf in der Pressekonferenz anders äußerte. "Ich glaube, hier liegt ein Missverständnis vor", sagte der 62-Jährige, nachdem er mit van de Donks Aussagen konfrontiert worden war. "Wir hatten vorher mit dem Arzt und ihr besprochen: Sie könnte maximal 20 bis 25 Minuten spielen."

In der 66. Minute kam die 33-Jährige für ihr 170. Länderspiel schließlich aufs Feld, da stand es allerdings schon 0:3. Europameister England war nicht so stark gewesen, die Niederlande waren so schwach. Zur Halbzeit hatte Jonker dreimal gewechselt und von Viererkette auf Dreierkette umgestellt. Es brachte alles nichts.

Mit einer "lame duck" in die EM zu gehen war nicht die beste Idee

"Wir waren völlig durcheinander", beobachtete Keeperin van Domselaar, und Beerensteyn fand: "Sie haben uns heute eine Lektion erteilt." Auf die Nachfrage, ob sie bereit für die Startelf gewesen sei, zog die Torschützenkönigin der vergangenen Bundesliga-Saison vielsagend die Augenbrauen hoch und bejahte es. Die Entscheidung habe aber beim Trainer gelegen. Auch da klang nicht allzu viel Verständnis durch.

Mit Jonker als "lame duck" ins Turnier zu gehen, war offensichtlich nicht die beste Entscheidung des niederländischen Verbands. Denn schon seit Januar steht fest, dass der frühere Coach des VfL Wolfsburg und des FC Bayern München II mit Ende der EM seinen Posten verlassen muss. Er hatte schon vor dem Turnier klargestellt, dass er mit dieser Entscheidung nicht besonders gut leben kann. Sogar über einen Rücktritt habe er nachgedacht.

Nun deutet sich das Ende für diesen Sonntag in Basel an, wenn nicht eine positive Überraschung gegen Frankreich (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gelingt. Sein Nachfolger wird übrigens ausgerechnet ein Mann, der an diesem Abend ebenfalls im Letzigrund-Stadion neben dem Rasen stand: Englands Assistenztrainer Arjan Veurink.