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Starke und stolze Pirmasenser "trinken ein paar Bierchen"

kicker

Kurz bevor sich die Partie in der Südwestpfalz nahe der französischen Grenze der Stundenmarke näherte, lief Dennis Krob auf Daniel Heuer Fernandes zu. Der FKP-Stürmer umkurvte technisch hochwertig den HSV-Keeper und hatte das 2:0 für den Außenseiter vor Augen. Aus recht spitzem Winkel schien das Tor leer, doch Miro Muheim spritzte im letzten Moment dazwischen und klärte zur Ecke.

Ein absoluter Schlüsselmoment, der den um vier Ligen höher eingestuften großen Favoriten in einem Spiel hielt, in dem er nicht nur in Rückstand lag, sondern dies auch noch hochverdient und in einer zu geringen Ausprägung. 7:2 lautete das satte Chancenplus nach Krobs vergebener Gelegenheit zugunsten des Außenseiters. Dieser mauerte sich eben nicht nur hinten ein, sondern suchte im eigenen Ballbesitz immer wieder konstruktiv den Weg nach vorne und setzte, oft unter Beteiligung des umtriebigen Marc Erhart, tatsächlich einige effektive Nadelstiche in der Offensive. Der FKP verpasste es nur, den zweiten Treffer nachzulegen.

HSV-Mitglied Grieß ging voran - und wurde beschenkt

Das sollte sich kurz vor Abpfiff der regulären Spielzeit rächen. Der eingewechselte Guilherme Ramos rettete den HSV mit seinem Kopfballtreffer nach einer zu kurz abgewehrten Ecke in die Verlängerung, in der den Gastgebern dann entscheidend die Kräfte ausgingen.

"Es ist unfassbar bitter. Wir haben insgesamt ein Riesen-Spiel gemacht, haben in den ersten 70 Minuten kaum was zugelassen, hatten das Chancenplus auf unserer Seite und hätten sogar das 2:0 machen können", analysierte FKP-Kapitän Yannik Grieß, der selbst seit Jahren eingefleischter HSV-Fan und Mitglied bei den Hanseaten ist. "Hintenraus haben sie viel Größe und viel Wucht eingewechselt, dann rutscht uns zwei Minuten vor Schluss ein Standard rein, das ist einfach bitter."

Grieß war als Mittelmann der Dreierkette nicht nur neben Mike Andreas einer der effektivsten Abräumer und Ausputzer, sondern auch der Torschütze zum 1:0 nach einer verlängerten Flanke von Kevin Büchler. Trotz der Enttäuschung, dass sein Treffer nicht zum goldenen und historischen gegen seinen Herzensverein wurde, erkannte er völlig zu Recht die Besonderheit in der Leistung des eigenen Teams.

„"Ich bin mega stolz auf meine Mannschaft. Was wir hier abgerissen haben, war schon phänomenal."“ (FKP-Trainer Daniel Paulus)

"Die Mannschaft kann total stolz auf sich sein, was sie heute geleistet hat gegen einen Bundesligisten. Das muss man sich immer vor Augen halten. Da trotzdem zu eigenen hochwertigen Chancen zu kommen, spricht für unsere Qualität", sagte Grieß, der nach Schlusspfiff noch einen besonderen persönlichen Moment erlebte. HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz überreichte ihm ein HSV-Trikot mit der Nummer 8 und Grieß' Namenszug samt inniger Umarmung.

"Unterm Strich kann man sagen: Wir haben vieles richtig gemacht"

Sein Trainer Daniel Paulus wollte sich noch weniger mit Hadern aufhalten: "Ich bin mega stolz auf meine Mannschaft. Was wir hier abgerissen haben, war schon phänomenal." Denn trotz der schwindenden Kräfte kam sein Team nach dem 1:2 durch Ransford Königsdörffer in den letzten 20 Minuten noch einmal gefährlich nach vorne und hatte kurz vor Schluss durch Ousmane Sannoh sogar noch eine gute Kopfballchance zum Ausgleich, die Heuer Fernandes zur Ecke lenkte.

"Unterm Strich kann man sagen: Wir haben vieles richtig gemacht", konstatierte Paulus treffend, um sehr freundlich zu ergänzen: "Der HSV hat das Spiel am Ende trotzdem nicht unverdient gewonnen." Immerhin 8:8 lautete letztlich das Chancenverhältnis. Auch das ein Beleg für den hervorragenden Auftritt des Fünftligisten über 120 Minuten.

"Wir freuen uns heute einfach und trinken ein paar Bierchen", gab Paulus das Motto für den Abend aus, um im Duktus einen Profitrainers zu ergänzen: "Dann geht aber auch für uns das Tagesgeschäft weiter. Und das heißt dann nicht HSV zu Hause mit 10.000 Zuschauern, sondern Oberwerth und 400 Zuschauer gegen Rot-Weiß Koblenz."

Trotz dieses krassen Kontrastes: Die Leistung gegen die Hamburger sollte dem FKP sehr viel Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben in der Oberliga geben.