Die Rückkehr nach Köln war natürlich speziell. Auch wenn Gerhard Struber nicht einmal eine ganze Saison Trainer des 1.FC Köln sein sollte. Gefreut hat sich der Österreicher dennoch, erklärte er bei seinem Auftritt bei der Matchplan-Konferenz an der Deutschen Sporthochschule.
Dort sprach Struber mit Veranstalter Prof. Dr. Daniel Memmert und Moderatorin Franzi Müllers natürlich auch über seinen neuen Job in der Championship, wo er mit Bristol City aktuell auf Rang acht steht. Vor allem der Fokus auf den Fußball auf der Insel fasziniert ihn. "In Österreich ist der Fußball auch von Interesse, aber da gibt es auch Skifahren", erklärte Struber und führte aus, warum der Stellenwert des Spiels in England aus seiner Sicht noch einmal größer ist als in der Bundesrepublik: "Der Einfluss der Trainer ist nochmal ein anderer als in Deutschland. Deshalb ist der Planet England im Fußball schon sehr sexy."
Vor allem die Anzahl der Spiele und die enorme Physis stellen den größten Unterschied zwischen den Unterhäusern in England und Deutschland dar. Und eben der Faktor Geld: "Es herrscht eine unglaublich hohe Qualität, weil es Vereine gibt, die sehr viel investieren." Selbstredend auch in Innovation und Wissenschaft, weil die oft US-stämmigen Eigner ganz anders auf das Thema Daten schauen.
Ein langer Heurigen-Abend mit dem WAC-Präsident
Für Struber, der ja bereits vor seiner Kölner Zeit beim FC Barnsley und den New York Red Bulls Auslandserfahrung gesammelt hatte, gewiss ein Kulturschock im positiven Sinne. Erzählte er doch launig und mit einem Grinsen von seiner Zeit beim Wolfsberger AC: "Da habe ich beim Heurigen mit dem Präsidenten bis in die Nacht über ein GPS-System gesprochen. Um 2 oder 3 Uhr hat er dann zugestimmt."
Auf seine Kölner Zeit blickt er trotz der Entlassung im Saisonfinale mittlerweile im Guten zurück: "Es war ein unglaublicher Druck auf dem Verein und auf den Spielern. Wir taten uns schwer, in einen Fußballflow zu kommen." Transfersperre und Abstieg hatten "die Mannschaft mental gebeutelt. Dennoch haben wir sie auf einen Aufstiegsplatz gebracht. Daher schaue ich positiv zurück."
Strubers Rat an Nachwuchstrainer: "Nicht alles ancoachen"
Nun will er mit Bristol in der Knochenmühle Championship wie schon in der Vorsaison die Aufstiegs-Play-offs erreichen - auch wenn der Klub aus dem Südwesten deutlich weniger für Transfers ausgeben konnte als so mancher Konkurrent. Strubers Elf zehrt von ihrem guten Start und einem speziellen Spiel: "Das 4:1 gegen Sheffield United hat uns einen Boost gegeben."
Und natürlich darf auf einer Tagung für Matchanalyse, Coaching und Scouting auch die Frage nicht fehlen, was man in der Nachwuchsförderung besser machen könnte. Strubers Devise: Weniger ist mehr. Für den 48-Jährigen sollten "die Trainer, gerade im Nachwuchs, lernen, die Dinge auch einfach mal laufen zu lassen und nicht alles anzucoachen".
Was Struber meint: Nicht alles zu verkomplizieren und in jede Übung nicht noch und nöcher Themen und Details einzubauen. Der Nachwuchs brauche Zeit am Ball. "Und wir müssen im Training die Rahmenbedingungen schaffen, damit Spieler hier möglichst viele Entscheidungen treffen müssen."