Die Liste der Ausfälle war schon vorher lang. Dass Erik ten Hag am Freitagabend im Erstrundenspiel im DFB-Pokal beim Regionalliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach auf Martin Terrier, Jeanuel Belocian (beide im Aufbautraining nach Achillessehnen. bzw. Kreuzbandriss), Malik Tillman (Faszienverletzung an der Wade), Exequiel Palacios und Jonas Hofmann (beide Muskelverletzung) verzichten muss, war schon länger klar. Doch jetzt sind die Sorgen des neuen Werkself-Trainer noch größer geworden. Droht doch auch der Ausfall von Alejandro Grimaldo.
"Hinter Grimaldo steht ein Fragezeichen. Er war krank in dieser Woche. Da müssen wir schauen", erklärte ten Hag, dem damit kaum noch gestandene Alternativen bei seiner Pflichtspiel-Premiere als Bayer-Coach zur Verfügung stehen werden. Schließlich möchte der Vizemeister auch noch mindestens drei Akteure für den Kader verpflichten.
Grimaldos Kreativität würde Bayer fehlen
Grimaldos Ausfall träfe Bayer hart. Hat der Spanier doch unter ten Hag fast noch stärker als schon zuvor unter dessen Vorgänger Xabi Alonso in Ballbesitz eine zentrale, spielprägende Aufgabe übernommen. So rückte der Nationalspieler, der im 3-4-3-System formell als linker Schienenspieler fungiert, nahezu durchgehend in die Mitte, agiert mal als Achter oder sogar als zweiter Zehner. Gerade beim 3:0-Sieg im Test gegen Pisa SC, bei dem Grimaldo herausragte, zeigte sich, wie wichtig die Kreativität des Linksfüßers für ten Hags Elf ist.
Dies gilt besonders, da Bayer für die halbrechte Offensivposition noch einen Akteur verpflichten möchte, der dribbelstark ist und seine Offensivkollegen auch mit gutem Passspiel in Szene setzen kann. Dazu hatte Grimaldo während der Testspiele in Abwesenheit eines gestandenen Ideengebers einen großen Anteil geleistet. Jetzt fehlt er dem Trainer womöglich am Freitag im Pokalspiel.
„Boniface kommt voran, aber er ist noch nicht da, wo er sein sollte.“ (Erik ten Hag)
In Großaspach wird einzig Arthur in das Aufgebot zurückkehren, der gegen Pisa umgeknickt war. "Er wird dabei sein", so ten Hag, "Malik Tillman ist noch nicht so weit, dass er in den Kader kommt." Eine Aussage, die darauf schließen lässt, dass der 35-Millionen-Euro-Einkauf zumindest beim Ligastart nächste Woche gegen Hoffenheim einsatzfähig sein wird.
In Großaspach müssen es aber andere richten. Stürmer Victor Boniface, der während der kompletten Vorbereitung von Belastungsproblemen ausgebremst wird und nur dosiert trainieren und spielen kann, ist weiterhin nicht voll auf der Höhe, steht bestenfalls für die Rolle als Joker zur Verfügung. "Boni kommt voran, aber ist noch nicht da, wo er sein sollte", erklärt ten Hag. Auch den Nigerianer kann er nicht als vollwertige Option einplanen.
„Poku ist hier, um zu spielen. Dann ist er natürlich eine Option für die Startelf.“ (Erik ten Hag)
Und so wird der 55-Jährige fast jeden Profi, der einsatzfähig ist, in die Startelf berufen müssen. Dies könnte auch für den zu Wochenbeginn frisch verpflichteten Ernest Poku gelten. Zwar sagt ten Hag in Bezug auf den 21-jährigen Rechtsaußen, der von AZ Alkmaar kam: "Neuen Spielern muss man auch Zeit geben." Doch ob ten Hag die Möglichkeit hat, dies im Fall des niederländischen U-21-Nationalspielers zu praktizieren, ist eine andere Frage. Erklärte der Trainer doch: "Er ist hier, um zu spielen. Und dann ist er natürlich auch eine Option für die Startelf."
Beginnt Poku, bekleidet er die rechte Schiene. Auf der linken könnte dann Amine Adli zum Zug kommen, falls Grimaldo ausfallen sollte. Linksfüßer Adli sieht seine Idealpositionen zwar als Rechtsaußen und hängende Spitze. Doch Alternativen hat ten Hag auf Grimaldos Stammposition keine mehr. Und in der Vorbereitung brachte er Adli meist auf der (halb-)linken Offensivposition und wechselte ihn beim 2:0-Sieg in Bochum sogar auf der linken Schiene ein.
Normalerweise würde man Adli nicht mehr einsetzen
So könnte Adli am Freitag noch einmal zu Leverkusens Startelf gehören. Ideal ist das nicht. Steht der marokkanische Nationalspieler doch vor einem Wechsel zum AFC Bournemouth in die Premier League. Noch ist der Deal, bei dem es um ein Ablösepaket von 30 Millionen Euro geht, nicht ausverhandelt. Normalerweise würde man einen solchen Spieler in dieser Phase des Pokers nicht mehr einsetzen, um den Transfer nicht durch eine Verletzung zu gefährden.
Doch ten Hag und Bayer 04 bleibt, so sieht es aus, in Großaspach gar keine andere Möglichkeit. Das Pflichtspiel-Debüt des neuen Leverkusener Trainers steht wahrlich nicht unter den besten Vorzeichen.