Mehr als 21 Jahre ist es her, da saß der neue Chelsea-Trainer José Mourinho im Presseraum an der Stamford Bridge und hielt seine legendäre Antritts-PK, in der er sich selbst als "special one" bezeichnete. Am Montagabend saß Mourinho - mittlerweile vollständig ergraut und um einige Vereine, aber auch einige Titel schwerer - wieder in diesem Raum und konnte sich selbst anschauen: Im Presseraum hängen Bilder von ihm mit den Trophäen, die er in seiner Zeit in London gewonnen hat. In zwei Amtszeiten wurde Mourinho dreimal Meister, einmal FA-Cup-Sieger, dreimal Ligapokalsieger.
"Chelsea hat vor meiner Zeit gewonnen, dann haben wir angefangen zu gewinnen und dann hat meine Mannschaft weiter gewonnen, danach gab es einen Umbruch mit neuen Teams, neuen Coaches und neuen Titeln", erläuterte Mourinho am Montagabend vor seiner Rückkehr mit seinem neuen Klub Benfica Lissabon, mit dem er am Dienstagabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) auf die Blues trifft. Chelsea sei, so der Portugiese, "eine Gewinnmaschine" - und noch immer tief in seinem Herzen. "Vor dem Spiel ist es mein Chelsea und nach dem Spiel ist es auch mein Chelsea, aber während des Spiels ist es mein Benfica".
Für Mourinho, dessen Familie noch immer in London wohnt, ist die Rückkehr an alte Wirkungsstätte nichts Neues. Mit Tottenham, Manchester United und Inter Mailand hat er bereits an der Stamford Bridge gespielt. "In den 90 Minuten habe ich nie darüber nachgedacht, wo ich war oder gegen wen ich gespielt habe", beteuert er. Trotzdem werde er "immer ein Blue sein", leitete er seine Hommage an den kommenden Gegner ein, die auch ein bisschen zu einer Hommage an sich selbst wurde.
"Ich habe ihnen geholfen, ein größeres Chelsea zu werden"
"Ich bin Teil ihrer Geschichte und sie sind Teil meiner Geschichte", sagte Mourinho. "Ich habe ihnen geholfen, ein größeres Chelsea zu werden, und sie haben mir geholfen, ein größerer José zu werden. " Dass die Bilder im Presseraum noch immer hängen, verdeutliche seinen Respekt vor dem Verein. "Es gibt nicht viele Vereine, die so etwas tun. In vielen, vielen Vereinen scheint es eine Angst vor dem zu geben, was in der Vergangenheit passiert ist, und es findet eine kontinuierliche Veränderung der Bilder statt - manchmal sieht es so aus, als wollten sie Menschen löschen, die in den Vereinen Geschichte geschrieben haben. Ich denke, das zeigt, dass Chelsea wirklich ein großer Verein ist, denn bei großen Vereinen geht es auch um Prinzipien."
Chelsea sei aber nicht nur ein großer Verein, sondern er auch ein großer Trainer. Um genau zu sein: der größte in der Geschichte des Vereins. Oder wie Mourinho es ausdrückte: "The biggest one". Mit Blick auf seine drei Titel in der Premier League sagte er: "Ich bin der Größte, bis jemand vier gewinnt" - ein Schmunzeln konnte er sich dabei nicht verkneifen. Aus "the special one" ist jetzt also "the biggest one" geworden - zumindest in seiner Wahrnehmung.