Drei Jahre, dreimal Aus in Runde 1. Die Pokal-Sprünge von Hannover 96 waren zuletzt wahrlich nicht hoch. Seit 2023 wurde der ambitionierte Zweitligist jeweils von einem seinerzeitigen Drittligisten düpiert: Zunächst vom SV Sandhausen, dann, vor einem Jahr, von Arminia Bielefeld. Schließlich sorgte am Samstag Energie Cottbus mit dem 1:0-Sieg dafür, dass eine mögliche Reise nach Berlin für die Niedersachsen bereits beim ersten Halt in der Lausitz ihr Ende fand.
Stichwort Berlin: Das Finale im Olympiastadion - Boris Tomiak hat diesen Sahnetag in der Karriere eines Fußballprofis schon erlebt. Im Mai 2024 lieferte er für seinen damaligen Verein, den Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern, eine starke Partie, musste am Ende aber in eine 0:1-Niederlage gegen Double-Gewinner Bayer Leverkusen einwilligen. 2024/25 scheiterte Tomiak mit dem 1. FCK in Runde 2 am späteren Pokalsieger VfB Stuttgart. Diesmal nun war bereits nach dem ersten Spiel Schluss - mit Tomiak in einer tragischen Hauptrolle beim Verlierer.
Erster Fehlschuss nach sieben Treffern
Zeitraffer: Schon beim Tor des Tages macht der 26-Jährige früh eine unglückliche Figur, als er den Cottbuser Vorlagengeber Erik Engelhardt an der Strafraumgrenze ziehen lassen muss. "Wenn ich da durchziehe, bin ich letzter Mann und sehe die Rote Karte. Da kann ich nicht hingehen", so Tomiak, der auf dem Feld bleibt, das 0:1 durch Tolcay Cigerci schlucken muss, kurz darauf in einem weiteren Zweikampf mit Engelhardt für einen Trikotzupfer Gelb sieht und schon wenig später erneut im Fokus steht. Vom Elfmeterpunkt tritt er nach einem Foul im Strafraum von Dominik Pelivan an 96-Stürmer Benedikt Pichler an - und vergibt in der 42. Minute gegen den stark reagierenden Energie-Keeper Alexander Sebald.
"Das war der erste Elfmeter, den ich verschossen habe, das nehme ich natürlich auf meine Kappe", kommentierte der Schütze den Fehlschuss, seine unfreiwillige negative Premiere vom Punkt. "Ich habe die Verantwortung übernommen, aber ihn nicht reingemacht." Noch eine Woche zuvor, beim 2:0-Sieg der Roten in der 2. Liga bei Fortuna Düsseldorf, hatte Tomiak zielsicher aus derselben Entfernung verwandelt. Nun der Tiefpunkt. Insgesamt hatte der Hannoveraner persönlich zuvor in sieben Anläufen als Profi in Pflichtspielen siebenmal getroffen, darunter auch schon zweimal im Pokal.
"Wir lassen unsere Köpfe nicht hängen"
Auch wenn es in der zweiten Halbzeit etwas besser für sein Team lief - am Ende blieb es ein gebrauchter Tag für Hannover und Boris Tomiak. Nach dem Scheitern gegen den unterklassigen Gegner herrschte verständlicher Frust, der sich aber auch mit positiven Erkenntnissen vermischte. Man habe nach den Rückschlägen ins Spiel zurückgefunden, analysierte Tomiak treffend. "In der zweiten Halbzeit haben wir sie hinten reingedrückt, haben es aber einfach nicht geschafft, das Tor zu schießen", so seine Kritik. "Deshalb werden wir unsere Köpfe aber nicht hängen lassen." Der gute Ligastart mit sechs Punkten aus zwei Spielen ist für die Mannschaft von Trainer Christian Titz eine gute Basis, um mit Zuversicht auf die nächste Partie in der 2. Liga am Samstag daheim gegen den 1. FC Magdeburg zu blicken.