Die Transferaktivitäten treiben auch in der Regionalliga West mitunter überraschende Blüten. Doch ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen, George Hirst und Ché Adams werden 2025/26 sicherlich nicht im Westen Deutschlands auf Torejagd gehen, zumindest nicht auf viertklassigem Terrain.
Justin Ospelt wird das auch nicht. Also auf Torejagd gehen, denn der 25-Jährige hat es sich als Torwart zur Aufgabe gemacht, den gegnerischen Stürmern das Leben schwer zu machen. Am Sonntag verkündeten die Sportfreunde Siegen die Verpflichtung Ospelts vom FSV Frankfurt. Für Liechtenstein stand der Neu-Siegener bereits in sechs A-Länderspielen im Tor. Zuletzt am 9. Juni durfte er zur Halbzeit gegen Schottland zwischen die Pfosten gehen, konnte aber auch nicht verhindern, dass besagte Stürmer namens Hirst (Ipswich Town) und Adams (FC Turin) aus einem 2:0 noch ein 4:0 für die Schotten herausschossen. "Das Gefühl, der Stolz und die Ehre, für das eigene Land auflaufen zu dürfen und etwa gegen Leute aus der Premier League zu spielen, das ist nicht aufzuwiegen. Diese Erfahrungen sind unbezahlbar", betont Ospelt.
Auch in Sachen Ligabetrieb sticht aus der Vita des 25-Jährigen eine Station heraus: Für den FC Vaduz stand Ospelt 2020/21 in zwei Spielen der Schweizer ersten Liga im Kasten.
Verständlich, dass Siegens Trainer Thorsten Nehrbauer froh ist, dass Ospelt sich für den Aufsteiger entschieden hat. "Das war nicht selbstverständlich, ihm lagen einige andere Angebote vor", gibt Nehrbauer zu bedenken, ehe er auf sportliche Details eingeht: "Justin ist auf der Linie bockstark und weiß mit dem Ball am Fuß umzugehen, was für unser Spiel elementar ist."
Trotz all der für Regionalliga-Dimensionen beeindruckenden Karriere-Daten will Nehrbauer dem neuen Schlussmann keinen Freibrief ausstellen, ruft stattdessen einen offenen Zweikampf auf Augenhöhe mit dem bisherigen Stammkeeper Leon Klußmann aus: "Es war uns wichtig, einen Keeper auf Augenhöhe mit Leon im Team zu haben. Wir haben eine lange und harte Saison vor uns, in der wir Eventualitäten minimieren wollen. Ich bin froh, solche Klasse-Keeper in unseren Reihen zu haben und sicher, dass sich die Jungs gegenseitig zu Höchstleistungen anspornen werden."
Ospelt scheint dieses Rennen um den Status als Nummer 1 nach "sehr guten Gesprächen" mit den Verantwortlichen anzunehmen. "Die Vision des Vereins hat Hand und Fuß, die Sportfreunde viel Tradition und eine tolle Fanbase. Das hat mir zugesagt", bekräftigt Ospelt, der bereits klare Ziele mit seinem neuen Team benennt: "Wir wollen das Siegerland mit unserem Fußball begeistern, die Leute mitreißen und die Wucht der Region entfalten." Könnte und muss mit Mitspielern funktionieren, die nicht George Hirst oder Ché Adams heißen.