Der kicker hatte den bosnischen Nationalkeeper in der Sommer-Rangliste des deutschen Fußballs auf Platz 3 und in der internationalen Klasse eingestuft. Nikola Vasilj hatte daraufhin erklärt, dass er in der kommenden Saison noch besser werden wolle - der Anfang ist gemacht.
Sowohl im ersten Pflichtspiel vor rund einer Woche im DFB-Pokal gegen Norderstedt (3:2 i.E.) als auch beim Bundesliga-Start gegen Borussia Dortmund (3:3) ragte der 29-Jährige heraus. Beim mitreißenden Samstagabendkrimi gegen den BVB vollbrachte er mehrere Großtaten. Und bestach auch wieder in seiner Paradedisziplin.
Smith sorgt für Lacher: "Ich habe bewusst gefoult"
Dass Vasilj den Ruf des Elfmeterkillers gleich zu Beginn der neuen Spielzeit wieder eindrucksvoll bestätigt, provoziert auf St. Pauli lockere Sprüche. "Das macht mir Angst", sagt Alexander Blessin zu der Elfmeterbilanz seines Keepers. In der Bundesliga hat er nun fünf von sechs gehalten, und der Trainer verrät augenzwinkernd: "Ich habe ihn schon gefragt, was mit ihm nicht stimmt?"
„Wenn der Stürmer allein auf ihn zuläuft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er trifft wirklich größer als bei einem Elfmeter.“ (Eric Smith)
Einen humorvollen Ansatz hat auch Eric Smith, der Verursacher des Elfmeters, der das 0:2 kurz vor der Pause hätte bedeuten können. Der Schwede erklärt mit einem Schmunzeln: "Ich habe Adeyemi bewusst gefoult und von den Beinen geholt, als er nach innen gezogen ist. Weil ich wusste, dass Niko bessere Chancen hat, den Elfmeter zu halten."
Als die Lacher über den Spruch des Abwehr-Chefs verstummt waren, setzte er eine ernste Miene auf und schob nach: "Niko ist unglaublich und sehr, sehr gut bei Elfmetern. Wenn der Stürmer allein auf ihn zuläuft, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er trifft wirklich größer als bei einem Elfmeter gegen ihn." Vasilj selbst wiederum wollte beim Sprüche-Feuerwerk nicht zurückstecken und entgegnet: "Das beste Mittel, Elfmeter zu veteidigen, ist, sie gar nicht erst zu verursachen."
Gegner-Beobachtung stärkt Gefühl
Bei ganz ernsthafter und nüchterner Betrachtung, ist klar: Vasilj hat gleich zu Beginn wieder entscheidenden Anteil an zwei Erfolgserlebnissen, des Vorjahres-Aufsteigers, stellte nach dem Weiterkommen im Pokal auch gegen Dortmund die Weichen. "Wir wissen alle, in welche Richtung das Spiel geht, wenn vor der Pause das 0:2 fällt", sagt Blessin. "Ich weiß nicht, ob wir uns davon erholen. Es war extrem wichtig, weil auch das Stadion nach dem gehaltenen Elfmeter wieder da war."
Doch was ist das Geheimnis von Vasilj bei Elfmetern? "Manchmal", verrät der 29-Jährige, "warte ich bis zum letzten Moment und entscheide mich dann." Am Samstag indes war es anders: "Dieses Mal habe ich mich schon am Tag zuvor für eine Ecke entschieden, weil ich mir Guirassys letzte Elfmeter angesehen habe. Ich hatte dann das Gefühl, dass der Ball dorthin geht."