Besonders seit dem legendären Elfmeterschießen zwischen Deutschland und Argentinien bei der WM 2006 werden Spickzettel bei Elfmeterschießen auch öffentlich als beliebte Hilfsmittel wahrgenommen. Usus sind sie sowieso. So gut wie jeder Keeper bekommt in einem Spiel, in dem die Entscheidung vom Punkt fällt, einen Zettel von seinem Torwarttrainer oder klebt ihn auf seine Trinkflasche. Was sich im bosnischen Zenica am Dienstagabend rund um einen solchen Zettel abspielte, kommt aber nicht alle Tage vor.
Im Mittelpunkt des Ganzen: Gianluigi Donnarumma und Nikola Vasilj. Nachdem Italiens Sebastiano Esposito den ersten Elfmeter für die Squadra Azzurra verschossen hatte, kam es hinter dem Tor zu einer Diskussion zwischen den beiden Keepern: Sowohl Donnarumma als auch Bosniens Torwart Vasilj redeten lautstark aufeinander ein. Streitpunkt: der Elfmeter-Zettel von Vasilj.
Versuchte Donnarumma, Vasiljs Zettel zu zerreißen?
Offenbar hatte sich abseits der Kameras Donnarumma ebenjenes Stück Papier geschnappt und versucht, es zu zerreißen. Aufnahmen zeigen Vasilj, wie er im Anschluss an den Disput mit Donnarumma mit dem französischen Schiedsrichter Clement Turpin diskutiert und ihm seinen angerissenen und zerknüllten Zettel zeigt.
Während in italienischen Medien der gegenteilige Vorwurf, Vasilj habe sich an Donnarummas Zettel zu schaffen gemacht, kursierte, fällte das bosnische Portal SportSport ein eindeutiges Urteil zum "beispiellosen" wie "unfairen Schachzug" des italienischen obendrein bereits mit Gelb verwarnten Schlussmanns: "Dieser Kerl ist eine Schande für den Fußball."
Donnarumma muss weiter auf WM-Teilnahme warten
Entscheidend war Vasiljs Spickzettel im Elfmeterschießen ohnehin nicht: Während Esposito den ersten Ball über das Tor jagte, scheiterte mit Bryan Cristante ein weiterer Italiener an der Latte. St. Paulis in der Bundesliga sonst so gefürchteter Elfmeterkiller Vasilj musste sich somit, da alle vier bosnischen Schützen vom Punkt die Nerven behielten, nicht auszeichnen - und fährt nun anders als Europameister und Champions-League-Sieger Donnarumma zur WM.
Der amtierende FIFA-Welttorhüter muss nach 81 Länderspielen damit weiterhin auf seine Premiere beim Weltturnier warten und könnte diese frühestens im Alter von 31 Jahren im Sommer 2030 geben. Ob Vasiljs beschädigtes Stück Papier, wie Jens Lehmanns legendärer Zettel aus dem Jahr 2006, nun in einem bosnischen Museum ausgestellt wird, ist dagegen eine andere Frage.