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Vollack zum Triumph über Bayern: "Ich habe mich gewundert, wie wenig ich zu tun bekam"

kicker

DFB-Pokalsieger 1985 mit Uerdingen

An diesem Samstag schauen viele Fußballfans nach Berlin zum DFB-Pokal-Finale. Seit 1985 ist es fest in der deutschen Hauptstadt verortet - und Werner Vollack war bei der Premiere dabei. Nicht nur ihm ist dieses Endspiel vor 40 Jahren noch lange in Erinnerung geblieben.

Wie gut sind denn Ihre Erinnerungen an diesen Tag, Herr Vollack?

Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste, aber die Erinnerungen sind noch da, als wäre es gestern gewesen. Das war auf dem Papier eine klare Sache, das kleine Uerdingen gegen den FC Bayern mit all seinen Nationalspielern: Klaus Augenthaler, Sören Lerby, Dieter Hoeneß, Roland Wohlfarth, Lothar Matthäus. Und dann rieben sich alle die Augen, weil es anders kam.

Wie war es denn möglich, dass der Außenseiter aus Krefeld den großen Favoriten aufs Kreuz legte?

Wir hatten damals eine tolle Mannschaft, eine sehr interessante Mischung aus Talenten und sehr erfahrenen Spielern, und hungrig auf so einen Erfolg waren wir natürlich alle. Außerdem haben wir uns sehr gut verstanden, auch außerhalb des Platzes, und hatten eben in Karl-Heinz Feldkamp einen Trainer, der die entscheidenden Maßnahmen getroffen hat und immer die richtige Ansprache fand.

Dabei lief es zunächst wie befürchtet.

Ja, schon nach acht Minuten schlug es zum ersten Mal bei mir ein, nichts zu machen, Dieter Hoeneß hat zugeschlagen. Ein klasse Stürmer, kaum zu bremsen. Aber wir haben uns nur kurz geschüttelt und hatten gleich die richtige Antwort durch Horst Feilzer.

Was war denn die Vorgabe, um den Bayern beizukommen?

Wir haben uns nicht versteckt, haben sehr mutig gespielt, und auch nach unserem 2:1 in der zweiten Halbzeit haben uns die Bayern nicht an die Wand gedrückt. Es kam noch hinzu, dass Werner Buttgereit das Spiel seines Lebens gemacht hat: Er hat Matthäus quasi aus dem Spiel genommen. Der Werner war immer ein Laufwunder, eine Pferdelunge, und was er an diesem Tag geleistet hat, war überragend. Ich weiß noch, dass ich mich gewundert habe, wie wenig ich in diesem Spiel zu tun bekam.

Stimmt die Geschichte, dass Siegtorschütze Wolfgang Schäfer den Pokal mit ins Bett genommen hat?

Stimmt genau, das stand ihm auch zu, und er hat natürlich vorher auch anständig gefragt. Wie ich mich erinnere, haben wir drei Tage quasi durchgefeiert. Es gab einen Umzug in Uerdingen - bei uns trugen alle Sonnenbrille - und dann auch noch einen Termin im Rathaus in Krefeld.

Der Pokalsieg 1985 war aber nicht das einzige Uerdinger Highlight in dieser Zeit. Beim Wunder von der Grotenburg, dem 7:3 gegen Dynamo Dresden im März 1986, standen Sie auch im Tor. Was ging denn da ab?

Das war im Europapokal der Pokalsieger, Viertelfinale, beim Hinspiel in Dresden hatten wir keine Chance. Dynamo hatte damals eine Top-Mannschaft mit Dixie Dörner, Matthias Sammer, Ulf Kirsten - eine überragende Truppe. Und im Rückspiel lief alles auf eine richtige Packung hinaus, zur Halbzeit lagen wir 1:3 hinten. Da war es totenstill im Stadion.

„Garantiert nicht, und wer das behauptet, der erzählt Unsinn.“ (Werner Vollack auf die Frage, ob in Uerdingen noch jemand an die Aufholjagd gegen Dresden geglaubt hat)

Es folgte eine legendäre Aufholjagd. Hat irgendjemand in der Kabine denn noch daran geglaubt?

Garantiert nicht, und wer das behauptet, der erzählt Unsinn. Als wir rauskamen zur zweiten Halbzeit, da war das Stadion gefühlt halb leer. Jedenfalls waren Tausende schon gegangen, weil es ja aussichtslos schien. Da sagte Matthias Herget nur: Wir wehren uns jetzt anständig, wir lassen uns nicht vorführen, das sind wir uns und den Fans schuldig.

Uerdingen schaffte damals unglaubliche sechs Tore in einer Halbzeit, es entwickelte sich eines der legendären Spiele der Geschichte. Wann haben Sie dran geglaubt, dass noch was geht?

Na ja, wir schossen das erste Tor, das zweite Tor, da waren wir ja immer noch ganz weit weg von der Sensation. Aber wir haben unglaublich Gas gegeben, es lief ein Angriff nach dem anderen, wir hatten ja nichts mehr zu verlieren - und plötzlich klappte alles. Es kam noch hinzu, dass Wolfgang Funkel an diesem Abend das Spiel seines Lebens machte, nicht nur wegen seiner drei Tore. Wenn ich jetzt in Krefeld unterwegs bin, werde ich jedenfalls immer noch auf diesen wahnsinnigen Abend angesprochen.

Uerdingen zog ins Halbfinale ein, da beeindruckten Sie als Torwart sogar die spanische Presse.

Ja, wir schieden zwar aus gegen Atletico Madrid, aber wir haben uns auch da prima geschlagen. Die haben mich schön warm geschossen, und ein paar Paraden sind mir da auch geglückt. Auf der anderen Seite stand Ubaldo Fillol im Tor, argentinischer Weltmeister. Es hat mich sehr beeindruckt, dass er nach dem Spiel zu mir kam und mir gratuliert hat. Und in der spanischen Presse wurde ich tatsächlich El Milagro genannt, das Wunder, so heißt auch meine Autobiografie. Aber das waren noch nicht mal meine besten Spiele.

Sondern?

Das waren unsere Aufstiegsspiele gegen Schalke 1983, in aller Bescheidenheit, da war ich wirklich voll auf der Höhe. Vor 60.000 im Parkstadion haben wir 3:1 gewonnen, das war ein Riesenerlebnis.

Sie haben eine tolle Phase der Vereinsgeschichte erlebt. Wer war denn in dieser Zeit Ihr wichtigster Trainer?

Werner Biskup hat der Truppe eine Menge gegeben. Er wurde kurz vor Saisonende von Hans-Dieter Tippenhauer abgelöst, wegen seiner Alkoholprobleme. Aber fachlich und menschlich ein absoluter Top-Trainer. Wichtiger war vielleicht noch Timo Konietzka, der das Fundament gelegt hat für die großen Erfolge. Bei ihm waren wir immer bestens eingestellt auf den Gegner, wir haben sehr modern und offensiv gespielt.

  • Das Spielerprofil von Werner Vollack

Mit 34 war für Sie Schluss, wegen Kniebeschwerden. Wie kamen Sie darauf, ein Reisebüro zu eröffnen?

Meine letzten Jahre habe ich auf Schalke verbracht, dann ging es aber nicht weiter, das Knie musste operiert werden. Damals löste mich der ganz junge Jens Lehmann ab. Und die Sache mit dem Reisebüro, das war schon immer ein Traum von mir. Da habe ich mich mit vollem Eifer reingestürzt, habe eine Ausbildung zum Reiseverkehrskaufmann gemacht. Alle anderen waren so 18 oder 19, die dachten, ich sei der Lehrer.

Nach zehn Jahren haben Sie Ihren Laden geschlossen. Weil Sie selbst lieber reisen wollten?

Das nicht, aber es kam insgesamt die Krise in der Reisebranche, außerdem war ich zwar immer sehr fleißig, aber eben nicht der geborene Kaufmann. Das Ende des Ladens war für mich ein ganz trauriges Kapitel.

„Man hat den Eindruck, es geht von einer Insolvenz in die nächste. Eine ganz schlimme Entwicklung.“ (Werner Vollack über den KFC Uerdingen)

Trauriges Kapitel, das passt auch aktuell zu Ihrem Ex-Klub, der seit 1995 KFC Uerdingen heißt und seit Jahren nur negative Schlagzeilen produziert.

Ja, man hat den Eindruck, es geht von einer Insolvenz in die nächste. Eine ganz schlimme Entwicklung. Umso schöner, dass der Zusammenhalt unserer alten Truppe noch toll ist. Vor zwei Jahren haben wir uns in Krefeld getroffen, mit den Funkel-Brüdern, Larus Gudmundsson kam extra aus Island. Und Matthias Herget war dabei, für mich hinter Franz Beckenbauer der beste Libero in Deutschland, ein Ausnahme-Fußballer.

Und einer aus der Truppe hat später als Trainer große Erfolge gefeiert - und ist nun mit dem 1. FC Köln in die Bundesliga aufgestiegen.

Mit 71 Jahren, das ist wirklich der Wahnsinn. Friedhelm Funkel war schon früher in Uerdingen für den Zusammenhalt der Truppe unglaublich wichtig, und seine Erfolge als Trainer sind ja wirklich herausragend. Ganz klar: So wie er aussieht, kann er locker ein paar Jahre weitermachen.