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War's das jetzt schon wieder, Fede Valverde?

kicker

Die argentinische Journalistin Mina Bonino sah Fede Valverdes eindrucksvollen Formanstieg bereits kommen.

"Warum ist mein Mann eigentlich immer dann in seiner besten Form, wenn ich schwanger bin?", fragte sie scherzhaft auf ihren Social-Media-Kanälen, nachdem ihr Gemahl im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City das Spiel seines Lebens abgeliefert hatte. Der Nachwuchs scheint zu motivieren.

Vordergründig zu allen drei Toren, eines sehenswerter als das andere. Ein Hattrick in einem K.-o.-Spiel der Königsklasse, wie einst Cristiano Ronaldo oder Karim Benzema, wie aktuell vielleicht Kylian Mbappé - wäre der Franzose fit gewesen. Mittelfeldspieler Valverde, der Ersatz-Außenverteidiger, nun also plötzlich als Spontan-Stürmer.

Aber als die anderen beiden Dinge ja auch.

Weil Valverde hinten aushilft, findet Real erst ins Spiel

Für Valverde hatte das Hinspiel gegen ein zunächst besseres City damit begonnen, dass er Reals mit Linksaußen Jeremy Doku überforderten Rechtsverteidiger Trent Alexander-Arnold defensiv mehr als nur unterstützte. Während der Engländer fortan eher einrückte, was gegen Pep Guardiolas Einsatz von Nico O'Reilly taktisch notwendig und sinnig war, steckte Valverde den pfeilschnellen Belgier größtenteils in seine Hosentasche.

Der 27-Jährige hätte seinen Beitrag für die Königlichen einfach "nur" als defensiver Eckpfeiler leisten können, der die gegnerische Offensiv-Idee über weite Strecken verpuffen ließ, und wäre auch allein dadurch möglicherweise zum Matchwinner geworden. Doch das Wörtchen "nur" ist in Valverdes Wortschatz gar nicht vorhanden.

Während andere die kräftezehrenden Sprints und Zweikämpfe gegen Doku hinreichend beschäftigt und gefordert hätten, lief - nein, rannte - der Uruguayer im Spiel mit Ball einfach weiter und weiter und weiter. Und er schoss Tor um Tor um Tor, ohne dabei sein essenzielles defensives Zutun zu vernachlässigen.

So manche Spieler, aus der Norm fallen sie trotzdem, können fußballerisch fast alles. Valverde kann fast alles - gleichzeitig. Das Spiel seines Lebens war eine unglaubliche Komplett-Leistung. Und irgendwo auch eine Nicht-Überraschung.

Wer Valverde seit seiner Ankunft in Madrid 2018 regelmäßig beobachtet, weiß, was dem jungen Mann zuzutrauen ist, den Zinedine Zidane einst dem längst gen Atletico abgewanderten Marcos Llorente vorzog. Von Valverde kann man eigentlich in jedem Spiel erwarten, dass er hinten etliche Bälle gewinnt, dass er sie mit Siebenmeilenstiefeln in Windeseile vorträgt, dass er alternativ ohne Ball ein paar unaufhaltsame Tiefenläufe anzieht oder aus 20 bis 25 Metern noch unaufhaltsamer ein, zwei Fernschüsse versenkt. Der Alleskönner ist wirklich derart gut.

Klar, immer alles auf einmal ist zu viel verlangt, und natürlich, jede Woche lässt sich eine Leistung wie gegen City auch für ihn nicht abrufen. Es gibt auch nicht jede Woche ein Spiel mit vergleichbarer Emotionalität und Bedeutung. Und doch war das, was Toni Kroos' Nachfolger mit der Rückennummer 8 fast schon leicht zu fallen schien, eine große Ausnahme. Ein Paradoxon.

Von seinen gewaltigen Stärken macht Valverde viel zu selten Gebrauch

Valverde spielt selten schlecht, meistens sogar sehr solide bis gut, aber in der Mehrzahl seiner Spiele wirkt es so, als würde er mit einer seltsam angezogenen Handbremse über den Rasen schleichen. Verschärft der Rechtsfuß mal das Tempo, kommt er nahezu immer an sogar gleich mehreren Gegenspielern vorbei; zieht er aus der zweiten Reihe ab, wird es fast garantiert gefährlich. Und der geneigte Zuschauer denkt sich: mehr davon! Doch beides tut Valverde, der sich auch als Stratege sieht, nur erstaunlich selten. Als würde er nicht richtig wollen. Obwohl er könnte.

In der Hinrunde der Saison 2022/23 erwischte Valverde mal einen stattlichen Lauf, der darin gipfelte, dass sein damaliger Trainer Carlo Ancelotti seinen Trainerschein darauf verwettete, dass sein Schützling in dieser Spielzeit auf eine zweistellige Torausbeute kommt - wettbewerbsübergreifend. Weil eine Zeit lang fast jeder Ball, den Valverde abfeuerte, unhaltbar im Netz landete. Wie zuletzt gegen City.

Ancelottis Wagnis ging schließlich gut, er durfte seine Lizenz behalten, doch eine Serie wie im Herbst 2022 legte Valverde seither nicht mehr hin, was ob seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten so unbegründet wirkt. Ist Reals Dauerbrenner mit seinen Sprints und Schüssen mal ein paar Spiele hintereinander richtig gut drauf, flacht es anschließend eigentlich immer ab. Nie schoss Valverde mehr als sieben Liga-Tore, für einen Mann mit dieser Abschluss-Qualität ist das fraglos zu wenig.

Er wird zugegeben selbst von Alvaro Arbeloa auch mal dort eingesetzt, wo es gerade brennt - logisch, wenn er alles kann -, die immer gleiche Rolle, an die man sich gewöhnen kann, füllt der Scharfschütze seit Jahren nur unregelmäßig aus. Und einen, der die Kroos-Fußstapfen zumindest auszufüllen versucht, braucht Real schon auch. Das gilt es irgendwo zu berücksichtigen.

Am Wochenende gab's das nächste Traumtor

Aber es ist ja eigentlich egal, von wo aus Valverde seine Läufe startet, von wo aus er in seine Schusspositionen kommt, und in der Individualisten-Hochburg Madrid dürfte ihn sicherlich keiner dafür rügen, würde er sich und seine großen Stärken Woche für Woche ausleben. Ein paarmal pro Spiel reicht ja schon. Das jedoch bleibt die Identifikationsfigur bis dato schuldig.

Die Madridistas können bloß hoffen, dass seine Gala gegen City Valverde jetzt endlich mal nachhaltig auf den Geschmack gebracht hat. Erst am Samstag gegen Elche (4:1) hat sich der Mann der Stunde jedenfalls gleich wieder einen aussichtsreichen Fernschuss genommen. Und natürlich landete der Ball genau im Knick. Vielleicht sollte sich Arbeloa einfach mal einen Wetteinsatz überlegen.