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Warum ManCity Arsenal noch nicht zum Titel gratulieren muss

kicker

Aus Manchester berichtet Thomas Böker

Die Enten, die am späten Mittwochabend über den Ashton Canal watschelten, wussten womöglich nicht, dass sie sich buchstäblich auf dünnem Eis bewegten. Das Gewässer, an dem man entlangläuft, wenn man vom Etihad Stadium in Richtung Innenstadt in Manchester läuft, war zwar zugefroren, doch an manchen Stellen schimmerten kleine "Wasserlöcher" hindurch.

Sei's drum. Bricht der gefiederte Freund ein, schwimmt er eben weiter - und ertrinkt nicht. Manchester Citys Profis hingegen sind da nicht so flexibel. Im Titelrennen steht ihnen das Wasser nach dem dritten Remis in Serie quasi bis zum Hals: Auf das 0:0 in Sunderland und das bittere Last-Minute-1:1 gegen Chelsea folgte nun der enttäuschende Hattrick - 1:1 gegen Brighton.

Das Unentschieden war glücklich - für beide

Diese Punkteteilung war am Ende für beide glücklich. Was sich im ersten Moment paradox liest, erklärt sich mit dem Spielverlauf, der Riesenchancen auf beiden Seiten parat hielt und die Gastgeber trotz deutlicher Überlegenheit mit der Gewissheit zurückließ, dass sie die Hoffnungen auf die Meisterschaft begraben müssen, wenn sie nicht sehr schnell zu alter Griffigkeit im eigenen und Kaltschnäuzigkeit im gegnerischen Strafraum finden.

Reihenweise vergab das Team von Trainer Pep Guardiola beste Möglichkeiten, verteidigte aber auch über das gesamte Spiel so nachlässig, dass die mutigen Gäste um Pascal Groß ebenfalls genug Möglichkeiten hatten, das Match zuzuziehen.

Groß mit ordentlicher Leistung beim Startelf-Debüt

Der deutsche Mittelfeldspieler, erst unlängst von Borussia Dortmund zurück nach Brighton gewechselt, stand nach seinem Einsatz als Joker beim 2:0 gegen Burnley diesmal in der Startelf und spielte 90 Minuten durch. Das war ihm beim BVB nicht oft vergönnt in dieser Saison, und doch präsentierte er sich fit, war im Spielaufbau immer wieder präsent und passsicher, lief zudem viele Lücken zu, die City mit seinen breiten Achtern in den Halbräumen riss.

Jenes Aufbauspiel des Teams von Fabian Hürzeler lobte übrigens auch Guardiola in höchsten Tönen ("unglaublich gut"), da durfte sich der Deutsche, der so gerne wieder zurück ins Nationalteam will, durchaus mit angesprochen fühlen. Fürs Spiel nach vorn konnte Groß letztlich nicht so viel machen, doch als Dirigent und Antreiber zeigte er sich wertvoll, spielte unterm Strich ordentlich.

Das lässt sich auch über Citys Debütanten Max Alleyne sagen, der U-21-Spieler behob die Not in der Innenverteidigung, hatte kleinere Schnitzer, aber auch einige vielversprechende Szenen.

Haalands 150. Tor zur Führung

Im ersten Durchgang war Manchester City durch das 150. Pflichtspieltor von Erling Haaland per Elfmeter in Führung gegangen, dem nicht zufällig ein Foul an Jeremy Doku vorausgegangen war. Der Belgier beeindruckte im ersten Durchgang mit einer Beweglichkeit und Geschmeidigkeit, die ihresgleichen sucht. Er war es, der Citys Tempo hochhielt, allein sein altbekanntes Manko der fehlenden Präzision und Zielstrebigkeit im Strafraum sorgte nicht für mehr Ertrag, im zweiten Durchgang baute er zudem etwas ab.

Haaland indes rieb sich auf, lief fleißig an, behauptete Bälle, an die andere nicht mal herankommen, und lieferte sich packende Duelle mit Paul van Hecke. Allerdings vergab auch der Top-Torjäger der Premier League im zweiten Durchgang mindestens eine Großchance. Und so tat City der Ausgleich durch den stets quirligen Kaoru Mitoma, der zu dem Zeitpunkt aus dem Nichts fiel, sehr weh.

Das Besondere am Januar

Sollte der FC Arsenal also an diesem Donnerstag daheim gegen Liverpool gewinnen, und es spricht im Vorfeld der Partie des Spitzenreiters gegen den Meister mehr dafür als dagegen, könnten die Gunners auf acht Punkte davonziehen. Das Spezielle im Januar ist, dass in diesem Monat, der so vollgepackt ist mit Terminen, nicht nur in der Premier League, sondern auch in sämtlichen Cup-Wettbewerben, noch kein Meister gekürt wurde. Dass aber sehr wohl Titel schon verloren wurden, wenn die Lücke auf den Primus zu groß wurde und später nicht mehr aufgeholt werden konnte.

Genau das droht City, und doch müssen die Skyblues den Mannen von Mikel Arteta noch nicht zur Meisterschaft gratulieren. Denn: Es sind noch sage und schreibe 51 Punkte zu vergeben. Arsenal muss noch ins Etihad Stadium. Und City, das jederzeit eine Siegesserie starten kann, wird zumindest das Positive aus seinem Mini-Tief ziehen, dass es immerhin keine der letzten drei Partien verloren hat. Dann wäre der Ofen tatsächlich vielleicht schon aus.

Klar ist aber auch: Sollte Arsenal in dieser Saison keine Arsenal-Sachen machen, also die Stabilität nicht verlieren, die man bisher eindrucksvoll an den Tag legte, kann City sich recken und strecken, wie es will. Dann werden die Gunners erstmals seit 2004 wieder Meister. Aber noch ist es nicht so weit.

Guardiolas Reaktion überrascht nicht

Wer nach der Partie einen wütenden Guardiola erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt: Demonstrativ klatschte der Coach mit jedem seiner Schützlinge auf dem Rasen ab, auch wenn dem Perfektionisten sicher nicht alles gefallen haben dürfte. Doch er wollte damit aus Trotz den Schulterschluss demonstrieren, wie er das so oft macht. Sich vor seine Jungs stellen, die alles rausgehauen hatten, spielerisch und läuferisch, die aber ohne Effizienz auf der Stelle treten und gewaltig rudern müssen, um nicht unterzugehen.

"Mir hat vieles gefallen", sagte er im Anschluss an die Partie, verwies aber auch darauf, dass "wir in der Vergangenheit in guten Momenten immer unsere Chancen genutzt haben." Das sei im Moment nicht so. "Das müssen wir akzeptieren", so der Coach. Er weiß: Die Meisterschaft wird final im April, Mai entschieden. Bis dahin fließt noch viel Wasser durch den Ashton Canal. Wenn auch derzeit unter einer vereisten Oberfläche.